Mobilfunkpionier Qualcomm sieht das Ende der App-Ära kommen. CEO Cristiano Amon prophezeit, dass intelligente Assistenten bald unser digitales Leben steuern – angetrieben von einer revolutionären 6G-Netztechnik.
Das Smartphone, wie wir es kennen, steht vor dem größten Umbruch seit seiner Erfindung. Das ist die Kernbotschaft von Qualcomm-Chef Cristiano Amon. Auf dem India AI Impact Summit 2026 skizzierte er eine Zukunft, in der KI-Agenten die heutigen Apps ersetzen. Diese intelligenten Helfer sollen Aufgaben eigenständig über Dienste hinweg erledigen – vom Flug buchen bis zum Termin planen.
Vom App-Icon zum allwissenden Assistenten
„Wir verlassen das App-Zeitalter und treten in die Ära der KI-Agenten ein“, so Amons These. Statt zwischen isolierten Programmen zu wechseln, wird der Nutzer künftig mit einem persistenten, kontextbewussten Assistenten kommunizieren. Dieser versteht Absichten und handelt eigenständig. Für die milliardenschwere App-Store-Ökonomie von Apple und Google bedeutet diese Vision eine existenzielle Bedrohung. Die Macht könnte sich von Plattform-Betreibern hin zu KI-Entwicklern und Hardware-Herstellern verschieben, die solche Agenten direkt auf dem Gerät ausführen können.
Qualcomm positioniert seine Snapdragon-Chips bereits als Schlüssel für diese On-Device-KI. Ein klarer Schachzug gegen Konkurrenten wie MediaTek und Apple in einem reifenden Smartphone-Markt.
6G: Das Netz, das „sieht“ und „fühlt“
Die nächste Mobilfunkgeneration 6G wird laut Amon mehr sein als nur schnelleres Internet. Sie entwickelt sich zu einem „Sensor-Netzwerk“. Durch die Integration von KI in die Funkzugangstechnik (RAN) soll 6G die physische Welt wahrnehmen können – Bewegungen, Objekte und Abstände erfassen, ohne separate Sensoren.
Während Qualcomm und Netzbetreiber an KI‑Agenten und 6G arbeiten, steigen auch regulatorische Anforderungen. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden zur EU‑KI‑Verordnung erklärt kompakt, welche Pflichten Entwickler und Anbieter jetzt beachten müssen – von Risikoklassifizierung über Kennzeichnungspflichten bis zur notwendigen Dokumentation. Ideal für Unternehmen und Teams, die KI-Systeme entwickeln oder in Geräten einsetzen. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnungs‑Leitfaden herunterladen
Diese Technologie, bekannt als Integrated Sensing and Communication (ISAC), bildet die Grundlage für Amons Vision. Das Netz kartiert die reale Welt in Echtzeit und liefert so den Kontext für die KI-Agenten. Anwendungen reichen von optimiertem Verkehrsfluss über präzise Navigation bis hin zu räumlichem Computing. Für den Chipdesigner ist diese „KI-native“ Architektur essenziell, um die gewaltigen Datenmengen einer dezentralen Intelligenz zwischen Gerät und Cloud zu bewältigen.
Indien als strategischer Pfeiler im Chip-Poker
Neben der Technologievision betonte Amon die wachsende strategische Rolle Indiens. Im Gespräch mit CNBC bezeichnete er das Land als potenziellen Standort für künftige Halbleiter-Fabriken (Foundries). „Wir brauchen eine diversifizierte globale Lieferkette“, so der CEO.
Qualcomm unterhält bereits eines seiner größten Forschungs- und Entwicklungszentren außerhalb der USA in Indien. Amon rechnet damit, dass die Region von Design und Software-Entwicklung auch in die Fertigung expandiert. Ein Schritt, der den globalen Trend weg von konzentrierten Produktionsstandorten wie Taiwan widerspiegelt. Indien ist für Qualcomm bereits heute ein kritischer Markt für Mobilfunk-Datenverbrauch und Innovation bei energieeffizienten Chips.
Der Countdown zum Agenten-Zeitalter läuft
Die Telekommunikationsbranche bereitet sich bereits auf die 6G-Standardisierung vor. Kommerzielle Verfügbarkeit ist zwar noch Jahre entfernt, doch erste Testgeräte könnten bereits 2028 bereitstehen. Die Integration von KI in die Netzstandards wird ein Schwerpunkt der kommenden 3GPP-Releases sein.
Für Verbraucher bedeutet der Wandel eine schrittweise Einführung leistungsfähigerer KI-Assistenten auf Smartphones – ein Trend, der laut Amon in den nächsten zwei Jahren rasant Fahrt aufnehmen wird. Der Übergang vom App- zum Agenten-Zeitalter ist Qualcomms entscheidende Wette für das restliche Jahrzehnt. Die Kombination aus lokaler KI-Verarbeitung und Netzwerk-Sensoren soll völlig neue Anwendungen wie holografische Kommunikation oder Echtzeit-Digital Twins ermöglichen. Die Ära des tippenden und wischenden Nutzers neigt sich dem Ende zu.





