Die Anforderungen führender Entwickler künstlicher Intelligenz an mobile Endgeräte steigen rasant. Am 8. Oktober 2026 erklärte Cristiano Amon, Vorstandsvorsitzender des Halbleiterkonzerns Qualcomm, in einem Interview, dass KI-Unternehmen Smartphones fordern, die bis zum Jahr 2028 kontinuierlich Modelle mit einer Größenordnung von 100 Milliarden Parametern lokal berechnen können. Dies entspräche mehr als dem Dreifachen der Kapazität, die derzeitige Spitzenprozessoren für die Ausführung direkt auf dem Gerät bereitstellen können.
Technische Kluft zur aktuellen Chipgeneration
Die Forderung markiert einen enormen Entwicklungssprung gegenüber dem aktuellen Stand der Mobilfunktechnik. Die erst am 22. September 2026 von Qualcomm vorgestellten Chips Snapdragon 8 Elite Gen 6 sowie Extreme Gen 6, die im 2-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, unterstützen lokal auf dem Gerät Modelle mit bis zu 30 Milliarden Parametern unter Nutzung von Mixture-of-Experts-Architekturen. Ein Modell mit 100 Milliarden Parametern liegt damit um das 3,3-Fache über der heutigen Grenze.
Gegenüber den integrierten Always-on-Sensing-Hubs, die rund 200 Millionen Parameter umfassen, bedeutet diese Zielmarke sogar eine Verfünfhundertfachung des Umfangs. Während mobile Modelle heutzutage üblicherweise im einstelligen Milliarden-Parameter-Bereich operieren, beträgt das Kontextfenster des Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 etwa 32.000 Tokens.
Qualcomm betonte, dass es sich bei dem Ziel für 2028 bislang um eine Kundenanforderung und nicht um ein angekündigtes Produktversprechen handelt. Ein entsprechender Chip für kontinuierlich laufende 100-Milliarden-Parameter-Modelle wurde bisher noch nicht offiziell vorgestellt.
Architektur, Speicherengpässe und Stromverbrauch
Um derart umfangreiche Modelle künftig lokal ausführen zu können, sind nach Angaben von Qualcomm grundlegende architektonische Maßnahmen erforderlich. Geplant seien das Laden von Parametern aus dem Flash-Speicher, eine Erweiterung des NPU-Speichers sowie eine verfeinerte Niedrigenergie-Architektur.
Die Always-on-Sensing-Hubs verarbeiten bei etwa 200 Millionen Parametern rund 1 Million Tokens pro Tag, was umgerechnet etwa 11,6 Tokens pro Sekunde über einen Zeitraum von 24 Stunden entspricht.
Amon wies darauf hin, dass neue Mobilprozessoren eine permanente KI-Hintergrundaktivität bei ganztägiger Akkulaufzeit gewährleisten müssen. Gleichzeitig sieht der Konzernchef Hürden in der Lieferkette: Die Versorgung mit Speicherchips befinde sich in einem vorübergehenden Engpass.
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Steigende Speicherpreise belasten die Endgerätepreise und bremsen damit Smartphone-Upgrades im Gesamtmarkt. Bei der Bewältigung der Herausforderungen rund um Speicherbandbreite, Energieeffizienz und Prozessorarchitektur steht Qualcomm in direkter Konkurrenz zu Herstellern wie Apple, MediaTek und Nvidia.
Strategische Rolle im Wettstreit der KI-Agenten
Trotz der hardwareseitigen Hürden prognostizierte Amon das Entstehen eines neuen Superzyklus im Smartphone-Segment, bei dem das Premium-Segment anteilig wachse.
Das Smartphone bleibe aus seiner Sicht der zentrale Knotenpunkt für KI-Anwendungen, wobei Cloud und Mobilgerät zu einem integrierten Gesamtsystem verschmelzen, in dem das Gerät als personalisierter Endpunkt diene. Es stehe ein intensiver Wettstreit der Agenten bevor, bei dem KI-Systeme tief in Betriebssysteme und Anwendungen integriert handeln sollen, anstatt bloße Chatbots zu bleiben.
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Amon bestätigte zudem, dass mehrere namentlich nicht genannte KI-Firmen die genannten Hardware-Forderungen stellen und einige dieser Akteure bereits eigene Smartphones entwickeln. Qualcomm arbeite derzeit mit nahezu allen großen KI-Entwicklern an vertraulichen Hardware-Projekten. Berichten zufolge zeigt auch OpenAI Interesse an Hardware, die bis 2028 über eine vergleichbare KI-Leistungsfähigkeit verfügt.
Unterdessen bereitet die Branche den Einsatz der aktuellen Qualcomm-Generation vor: Die Snapdragon-8-Elite-Gen-6-Prozessoren sollen Flaggschiff-Modelle des Jahres 2027 von Herstellern wie Honor, iQOO, Motorola, OnePlus, OPPO, Redmi, RedMagic, vivo und Xiaomi antreiben; auch Geräte der Klasse Samsung Galaxy S27 werden erwartet.
An den Kapitalmärkten zeigte sich die Aktie von Qualcomm verhalten: Wie aus einem Bericht vom 11. Oktober 2026 hervorgeht, schloss das Papier zum Ende der Handelswoche im regulären Handel mit einem Minus von 0,3 Prozent und verzeichnete nachbörslich ein Minus von 0,1 Prozent, während die Retail-Stimmung auf Plattformen wie Stocktwits bärisch geprägt war.

