Der Halbleiterhersteller Qualcomm setzt bei der Etablierung von KI-gestützten Computern auf einen kumulativen Effekt statt auf eine einzelne revolutionäre Anwendung. Nitin Kumar, Vizepräsident des Unternehmens, verglich die aktuelle Marktentwicklung für sogenannte AI-PCs mit der frühen Phase des Mobilfunkstandards 4G LTE.
Demnach sei kein einzelner Auslöser in Form einer „Killer-App“ notwendig; vielmehr könnten sich summierende KI-Funktionen in den Bereichen Produktivität und Kreativität schrittweise neue PC-Käufe fördern.
Agentische KI und lokaler Kontext als Wachstumstreiber
Ein zentraler Bestandteil dieser Strategie ist die Entwicklung einer sogenannten agentischen KI, die Aufgaben eigenständig ausführen soll. Laut Kumar nehme die Relevanz von Anwendungen für Produktivität und Kreativität stetig zu, was die Art der PC-Nutzung grundlegend verändern könne.
Während derzeit noch keine einzelne Anwendung den Markt dominiert, erwartet Qualcomm, dass die wachsende Zahl an integrierten KI-Funktionen den Bedarf an Hardware-Upgrades kontinuierlich steigern wird. Einen exakten Zeitpunkt für einen massiven Nachfrageschub nannte das Unternehmen jedoch nicht.
Im Rahmen des Snapdragon Summit in Maui erläuterte Qualcomm im September 2026, dass für die Umsetzung lokaler agentischer KI der Zugriff auf persönlichen Kontext entscheidend sei. Ein geräteinternes Wissensnetz solle Gewohnheiten, Vorlieben und häufig besuchte Orte erfassen, um einen digitalen Zwilling des Nutzers zu schaffen.
Partnerdemonstrationen während der Veranstaltung unterstrichen diesen Ansatz: Das Unternehmen Memories.ai zeigte die lokale Speicherung und den Abruf von Erinnerungen, wobei betont wurde, dass keine Daten das Gerät verlassen. Liquid AI präsentierte die Verknüpfung von Gesundheitsdaten, während AGI Sprachaufträge innerhalb von Apps ausführte.
Erweiterung des Hardware-Portfolios vom Einstiegs- bis zum Premiumsegment
Um die Marktdurchdringung zu beschleunigen, weitet Qualcomm sein Portfolio deutlich aus. Neben der Premium- und Mainstream-Serie Snapdragon X2 wurde mit der Snapdragon C-Serie eine Plattform für das Einstiegssegment angekündigt. Kumar zufolge werden Produkte von Herstellern wie HP, Lenovo und Acer in den kommenden Wochen weltweit auf den Markt kommen.
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Microsoft stellte im Rahmen der Kooperation neue Modelle seiner Surface-Reihe vor. Ein Surface Pro mit 12-Zoll-Display sowie ein Surface Laptop mit 13-Zoll-Bildschirm sind mit dem Snapdragon X2 Plus ausgestattet.
Diese Geräte, die ab dem 13. Oktober in den Vertriebsländern erhältlich sein sollen, bieten laut Herstellerangaben eine im Vergleich zur Vorgängergeneration um 80 Prozent schnellere lokale KI-Inferenz und eine um bis zu 55 Prozent höhere Grafikleistung.
Zudem wird das Ökosystem über Windows hinaus erweitert. So nutzt das GoogleBook von HP den Snapdragon X Elite und soll eine Akkulaufzeit von bis zu 19 Stunden bei der Videowiedergabe erreichen.
Technische Leistungsfähigkeit und Software-Fahrplan
Die technische Basis für diese Entwicklungen bildet die Steigerung der Rechenleistung. Kedar Kondap von Qualcomm wies darauf hin, dass eine NPU mit 45 TOPS heute Modelle mit mehr als 30 Milliarden Parametern lokal ausführen kann – vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei etwa 13 Milliarden. Für noch komplexere Aufgaben sieht die Strategie eine Hybrid-Lösung vor, bei der lokale Prozesse durch Cloud-Modelle ergänzt werden.
Auch im Software-Bereich schafft Qualcomm neue Grundlagen. Ende 2026 soll die offizielle Linux-Unterstützung für die X2-Serie mit Debian beginnen, gefolgt von einer Ubuntu-Zertifizierung Anfang 2027. Erste Geräte mit zertifiziertem Ubuntu, wie etwa Zenbook-Modelle von Asus, werden für das erste Halbjahr 2027 erwartet.
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Neben dem PC-Markt treibt Qualcomm-CEO Cristiano Amon die Expansion in andere Bereiche voran. Durch Kooperationen mit Partnern in Saudi-Arabien, darunter Aramco und die KAUST-Universität, sowie den Einstieg in den Markt für KI-Rechenzentren über den Kunden HUMAIN, verbreitert das Unternehmen seine technologische Basis.
Für den Smartphone-Sektor wurde zudem der Snapdragon 8 Elite Extreme Gen 6 vorgestellt, der Mixture-of-Experts-Modelle mit über 30 Milliarden Parametern unterstützt.

