Quantencomputer: Bull und Alice & Bob schließen Integrations-Allianz

Bull und Alice & Bob sowie Quantinuum und HPE schließen Partnerschaften zur Integration von Quantencomputern in klassische Rechenzentren.

Europäische und US-amerikanische Technologiekonzerne haben diese Woche wegweisende Kooperationen geschlossen.

Partnerschaft für fehlertolerantes Rechnen

Der französische IT-Dienstleister Bull und das Quantencomputing-Unternehmen Alice & Bob haben heute eine Absichtserklärung unterzeichnet. Ziel ist der Ausbau ihrer Zusammenarbeit in Forschung, Softwareentwicklung und kommerzieller Nutzung. Im Mittelpunkt steht die Integration von Cat-Qubit-Prozessoren in Hochleistungsrechner (HPC).

Diese spezielle Architektur soll den Bedarf an physikalischen Qubits für fehlertolerantes Rechnen um das bis zu 200-Fache reduzieren. Bull übernimmt dabei die Rolle des Software-Integrators für das erste kommerzielle Quantensystem von Alice & Bob. Dieses soll 2027 im CEA-TGCC-Supercomputing-Zentrum in Betrieb gehen.

Die Zusammenarbeit umfasst auch den Ausbau der Qaptiva-Softwareplattform zur Emulation von Cat-Qubits. Entwickelt werden zudem hybride Referenzarchitekturen für Souveränitätsprojekte und Industrieanwendungen in Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Erst Mitte Juni hatte Alice & Bob das Helium-Quantensystem vorgestellt – ein logisches Qubit auf Basis von 18 Cat-Qubits mit einer Leistungsaufnahme von rund 40 Kilowatt.

Quantinuum und HPE schmieden Allianz

Parallel dazu gaben heute Quantinuum und Hewlett Packard Enterprise (HPE) eine strategische Partnerschaft bekannt. Der Fokus liegt auf der Integration von Quantencomputing in bestehende HPC- und KI-Infrastrukturen. Gemeinsam entwickeln die Unternehmen hybride Referenzarchitekturen und validieren Anwendungsworkflows für Unternehmenskunden.

Quantinuum-CEO Rajeeb Hazra und HPE-Manager Masoud Mohseni betonten, die Zusammenarbeit ziele auf verifizierte Anwendungsfälle für kommerzielle Kunden ab. Die Initiative soll die Lücke zwischen experimenteller Quantenhardware und den massiven Rechenanforderungen moderner KI-Rechenzentren schließen.

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Japan und USA treiben Infrastruktur voran

Auch bei der Hardware-Infrastruktur gibt es Fortschritte. Das japanische Forschungsinstitut RIKEN hat gestern in Kobe den Supercomputer ROQUO in Betrieb genommen. Das System verfügt über 135 Knoten mit NVIDIA-GB200-NVL4-Technologie, darunter 540 Blackwell-GPUs und 270 Grace-CPUs. Die Rechenleistung liegt bei 19,80 Petaflops. ROQUO arbeitet hybrid mit dem Fugaku-Supercomputer, einem IBM-Quantum-System-Two und dem Quantinuum-Reimei-System zusammen.

Ebenfalls gestern startete das US-Energieministerium (DOE) die Quantum-Genesis-Initiative. Das Programm will bis 2028 den ersten fehlertoleranten Quantencomputer einsatzbereit machen. Teil der Initiative ist ein Wettbewerb um Systeme, die hunderte logische Qubits unterstützen. Zudem entsteht eine nationale Nutzereinrichtung für Quanten-Supercomputing, die sich Herausforderungen in Chemie, Materialwissenschaften und Hochenergiephysik widmen soll.

Technische Durchbrüche bei Effizienz und Latenz

Aktuelle technische Validierungen verkleinern die Lücke zwischen Quanten- und klassischen Systemen weiter. Auf der ISC-2026-Konferenz demonstrierte Quandela eine latenzarme Integration seiner photonischen Quantenprozessoreinheit (QPU) mit NVIDIA-HPC-Systemen über NVQLink. Die erreichte Latenz von rund 30 Millisekunden liegt weit unter den typischen fünf Sekunden bei cloudbasiertem Quantenzugriff.

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Bei der Hardware-Effizienz arbeiten QuantWare und Maybell zusammen. Ihre heute bekanntgegebene Partnerschaft kombiniert Maybells ColdCloud-Kühltechnologie mit QuantWares VIO-40K-Prozessoren. Ziel ist eine Reduzierung des Stromverbrauchs um 90 Prozent und des Helium-3-Bedarfs um 80 Prozent. Die kommerzielle Einführung ist für 2027 geplant, der 10.000-Qubit-Prozessor VIO-40K für 2028.

Forscher von Allstate und IBM veröffentlichten zudem Ergebnisse zu hybriden Workflows mit dem IBM-Heron-Prozessor. Die Risikoportfolio-Optimierung erzielte Ergebnisse, die mit klassischen Heuristiken vergleichbar waren.