Quecksilber in der Nordsee: Hälftige Messstellen über Schwellenwert

BSH-Messungen zeigen an fast der Hälfte der Nordsee-Standorte zu hohe Quecksilberwerte. Sedimente speichern den Schadstoff langfristig.

Untersuchungen des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) weisen eine fortgesetzte Belastung der küstennahen Nordsee mit Quecksilber auf. Wie aus Berichten vom September 2026 hervorgeht, lässt sich das Schwermetall insbesondere in den Ablagerungen vor den Flussmündungen nachweisen. Trotz internationaler Bemühungen zur Emissionsminderung bleiben die Konzentrationen in den marinen Sedimenten ein kritisches Umweltthema.

Überschreitung ökologischer Schwellenwerte

Die Datenlage des BSH verdeutlicht die Intensität der Schadstoffbelastung. An fast der Hälfte der untersuchten Messstellen wird der Schwellenwert der OSPAR-Kommission zum Schutz der Meeresumwelt des Nordostatlantiks überschritten. Dieser liegt bei 0,15 mg/kg Sediment.

Die systematische Erfassung dieser Werte erfolgt im Rahmen eines langfristigen Monitoring-Programms, das bereits seit 1980 besteht. Zweimal jährlich führt die Behörde entsprechende Messungen durch, um die chemische Beschaffenheit des Meeresbodens zu überwachen.

Emissionsquellen und Transportwege

Für den Eintrag von Quecksilber in die Meeresumwelt identifizieren Fachleute verschiedene Pfade. Als eine der Hauptquellen gelten Kohlekraftwerke, die den Schadstoff über den Luftweg emittieren. Nach der Deposition aus der Atmosphäre verteilt sich das Schwermetall in der marinen Umgebung.

Zusätzlich spielt der direkte Eintrag über die Flusssysteme eine wesentliche Rolle. Laut den Erkenntnissen des BSH gelangt Quecksilber unter anderem über Schlick aus dem Hamburger Hafen in die Nordsee. Diese lokalen Belastungsschwerpunkte tragen dazu bei, dass insbesondere die Küstenbereiche und Ästuare höhere Schadstoffkonzentrationen aufweisen als die offene See.

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Akkumulation in der marinen Nahrungskette

Die physikalischen und chemischen Eigenschaften von Quecksilber begünstigen dessen Verbleib im Ökosystem. Das Schwermetall haftet sich an Sedimentpartikel und lagert sich am Meeresgrund ab. Ein wesentliches Problem stellt der Umstand dar, dass Quecksilber in der Natur kaum abgebaut wird.

Durch diese Persistenz verbleibt der Schadstoff langfristig in den Ablagerungen und kann von dort aus in die marine Nahrungskette gelangen. Organismen, die am oder im Meeresboden leben, nehmen das Metall auf, wodurch es sich über verschiedene Trophieebenen bis hin zu größeren Raubfischen und potenziell auch in Lebensmitteln für den menschlichen Verzehr anreichern kann.

Langzeitbeobachtung und völkerrechtliche Rahmenbedingungen

Obwohl bereits seit Jahrzehnten Maßnahmen zur Reduzierung von Schwermetallemissionen ergriffen werden, zeigen sich in den Sedimenten der Nordsee noch keine umfassenden Rückgänge. Auch die völkerrechtlich bindende Minamata-Konvention, die im Jahr 2013 unterzeichnet wurde und im Jahr 2017 in Kraft trat, hat laut den Beobachtungen des BSH bislang kaum messbare Auswirkungen auf die tatsächliche Belastung der Nordseesedimente gezeigt.

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Die Trägheit des Systems erklärt sich unter anderem durch die langen Zeiträume, in denen Sedimente umgelagert werden, sowie durch die kontinuierlichen Neueinträge aus bestehenden industriellen Quellen und historischen Ablagerungen in den Zuflüssen.

Die kontinuierlichen Messreihen des BSH unterstreichen die Notwendigkeit einer dauerhaften Überwachung, da die Regenerationsprozesse mariner Ökosysteme nach chemischen Belastungen über Zeiträume von mehreren Jahrzehnten verlaufen.