Quishing und Smishing: Betrugswelle um 146 und 162 Prozent

SS7-Schwachstellen und Android-Fehler gefährden Daten. Apple-Geräte haben eine nicht reparierbare Hardware-Lücke. Betrugsmethoden nehmen massiv zu.

Schwerwiegende Sicherheitslücken in Mobilfunknetzen und Betriebssystemen gefährden derzeit sowohl die nationale Sicherheit als auch die Privatsphäre von Millionen Nutzern.

Daten aus Werbenetzwerken als Spionagewerkzeug

Internationale Gegner nutzen gezielt Schwachstellen im SS7-Protokoll – dem System, das Mobilfunkgespräche und Nachrichten routet. Da dieses Protokoll keine ausreichende Authentifizierung besitzt, können Unbefugte Zugang kaufen und Standortabfragen durchführen. Besonders brisant: Diese Methode wurde genutzt, um US-Militärangehörige im Nahen Osten zu verfolgen.

Ein Memorandum des US-Verteidigungsministeriums vom April 2026 bestätigte, dass ausländische Akteure aktiv kommerzielle Standortdaten nutzen, die von Datenhändlern verkauft werden. Bereits 2022 hatte die Cybersicherheitsbehörde CISA ähnliche Angriffe innerhalb der USA dokumentiert. Millionen von Standortabfragen hatten zuvor Nutzer in der Region ins Visier genommen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten: 14 Abgeordnete des US-Kongresses fordern Militärangehörige auf, die Werbe-ID auf ihren Mobilgeräten zu deaktivieren. Ein wirksamer Schutz gegen die unsichtbare Überwachung – oder nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Android- und Apple-Geräte im Visier

Doch nicht nur die Netzwerke sind verwundbar. Ein schwerwiegender Fehler in Android 16 erlaubt Unbefugten, Nachrichten über den KI-Assistenten Gemini zu versenden – ohne den Sperrbildschirm zu entsperren. Seit Mai 2026 klafft diese Lücke, die sowohl SMS als auch WhatsApp betrifft. Google hat den Fehler eingeräumt und arbeitet an einem Update.

Anzeige

Ob Sicherheitslücken im Betriebssystem oder Schwachstellen in Apps – Millionen Android-Nutzer sind täglich Hackern ausgeliefert, ohne es zu wissen. Dieser kostenlose PDF-Ratgeber zeigt Ihnen in 5 einfachen Schritten, wie Sie Ihr Smartphone sofort absichern und Datenverlust dauerhaft verhindern. Kostenlosen Android-Sicherheits-Report jetzt herunterladen

Noch dramatischer ist die Lage für Besitzer älterer Apple-Geräte. Sicherheitsforscher entdeckten eine nicht reparierbare Schwachstelle namens „usbliter8“ im SecureROM der A12- und A13-Chips. Betroffen sind unter anderem die iPhone-11-Serie und das iPhone SE der zweiten Generation. Einmal ausgeliefert, lässt sich dieser Hardware-Fehler nicht mehr schließen.

Die Entdeckung hat rechtliche Konsequenzen: Am 7. Juli 2026 reichte die Firma Magnet Forensics in Georgia Klage gegen einen ehemaligen Auftragnehmer ein. Der Vorwurf: Der Mann habe Geheimnisse über diesen Zero-Day-Exploit an Dritte weitergegeben – und damit den Wert einer Technologie gemindert, die von Strafverfolgungsbehörden genutzt wird.

Betrugswelle rollt über Mobilfunknutzer hinweg

Die Bedrohungslage verschärft sich durch eine regelrechte Explosion von Betrugsmethoden. Allein im ersten Quartal 2026 stieg „Quishing“ – Phishing über QR-Codes – um 146 Prozent. Im zweiten Quartal legte „Smishing“, also Phishing per SMS, um weitere 162 Prozent zu.

In Deutschland warnt die Deutsche Telekom vor einer perfiden neuen Masche: Kriminelle geben sich nach Diebstählen als ehrliche Finder aus und täuschen ihre Opfer, um PINs oder Passwörter zu ergaunern. Ihr Ziel: die Aktivierungssperre gestohlener Android- und iOS-Geräte zu umgehen.

Anzeige

Banking, WhatsApp und sensible Daten – auf keinem Gerät sind wir so angreifbar wie auf unserem Smartphone. Dieser Gratis-Ratgeber zeigt Ihnen die 5 wichtigsten Schutzmaßnahmen, mit denen Sie Hackern und Internet-Kriminellen keine Chance mehr lassen. Sichern Sie Ihr Smartphone jetzt mit 5 einfachen Maßnahmen ab

Plattformen reagieren auf Datenschutzbedenken

Die Industrie zeigt sich nicht untätig. WhatsApp führt ab Mitte Juli 2026 eine Funktion ein, die Kommunikation über Benutzernamen statt Telefonnummern erlaubt. Bis September soll das Feature weltweit verfügbar sein.

Samsung reagiert auf Kritik an seinen Gesundheitsdaten: Der Konzern führt im Juli 2026 eine neue Einwilligungsoption für KI-Training mit Gesundheitsdaten ein. Wer ablehnt, verhindert die Nutzung für KI-Coaching-Modelle – die Synchronisation der eigenen Daten bleibt aber erhalten.

Und in Südkorea steht der Telekommunikationsriese KT Corporation vor einem Scherbenhaufen. Die Datenschutzbehörde des Landes wird voraussichtlich noch im Juli Sanktionen verhängen. Grund: Ein Datenleck mit mehr als 22.000 Datensätzen und Hunderten Fällen unbefugter Zahlungen. Dem Unternehmen drohen Strafen von bis zu drei Prozent seines Umsatzes.