QuitGPT-Proteste erschüttern OpenAIs Marktführerschaft

Eine Nutzerrevolte gegen Werbung und politische Spenden führt zu tausenden Kündigungen bei ChatGPT. Konkurrenten wie Anthropic profitieren von der Verunsicherung.

Eine Nutzerrevolte gegen Werbung und politische Spenden lässt Tausende Kunden zu Konkurrenten abwandern. Der KI-Markt steht vor einer Zeitenwende.

OpenAI gerät unter massiven Druck: Eine Graswurzelbewegung namens „QuitGPT“ gewinnt rasant an Fahrt und bedroht die Dominanz des Unternehmens im KI-Markt. Auslöser sind Werbeeinblendungen im kostenlosen ChatGPT sowie Enthüllungen über politische Spenden der Führungsetage. Die Folge: eine Welle von Kündigungen und ein Boom für Konkurrenzangebote.

Der Aufstand der Early Adopter

Unter dem Hashtag #QuitGPT überschwemmen Screenshots von Kündigungen die Sozialen Medien. Seit Montag haben sich Zehntausende Nutzer dem Boykott angeschlossen. Die Bewegung vereint unterschiedlichste Kritikpunkte: die als störend empfundene Werbung im Chat, hohe politische Spenden von OpenAI-Präsident Greg Brockman an ein Pro-Trump-Super-PAC und Bedenken gegenüber Staatsaufträgen.

„Es geht nicht nur um die Werbung. Es geht um die Abkehr vom ursprünglichen Mission-Gedanken“, heißt es auf der Kampagnen-Website. Prominente Unterstützung erhielt der Protest durch Schauspieler Mark Ruffalo. Er rief seine Follower dazu auf, die ethischen Implikationen ihrer KI-Wahl zu bedenken – und wechselwilligen Nutzern damit weiteren Rückenwind.

Werbung als Katalysator der Krise

Der unmittelbare Auslöser war der Start eines Werbetests am 9. Februar. Seither sehen Nutzer der kostenlosen Tarife in den USA kontextbezogene Werbung am unteren Chat-Rand. OpenAI betont, dass keine Gesprächsdaten an Werbetreibende fließen und sensible Themen wie Gesundheit werbefrei bleiben.

Doch für viele Nutzer ist der Schritt ein Tabubruch. Das Gefühl, ein privates Produktivitätstool zu nutzen, ist dahin. Der Zeitpunkt hätte kaum ungünstiger sein können: Nur Tage zuvor hatte Konkurrent Anthropic in einem teuren Super-Bowl-Spot genau diese Praxis verspottet und für seinen KI-Assistenten Claude eine werbefreie Erfahrung versprochen.

Konkurrenz profitiert sofort

Die Verunsicherung bei OpenAI ist das Geschäft der Wettbewerber. Suchanfragen und Neuanmeldungen bei Anthropics Claude und Googles Gemini sind in den letzten Tagen explodiert. Vor allem Anthropics „Privacy-First“-Marketing trifft den Nerv der enttäuschten ChatGPT-Stammkunden.

OpenAI-CEO Sam Altman verteidigt das Werbemodell als notwendigen Schritt, um KI für Milliarden Menschen kostenfrei anzubieten. Nur so ließen sich die immensen Infrastrukturkosten stemmen. Die „QuitGPT“-Bewegung zeigt jedoch, dass eine lautstarke, einflussreiche Nutzergruppe diesen Kompromiss ablehnt. Hier finden Datenschützer, Kreative und politische Aktivisten plötzlich gemeinsame Sache.

Droht die Spaltung des KI-Markts?

Beobachter ziehen Parallelen zur Streaming-Branche: Teure, werbefreie Premium-Angebote auf der einen, günstige oder kostenlose, werbefinanzierte Dienste auf der anderen Seite. OpenAI setzt darauf, dass die allermeisten seiner geschätzt 900 Millionen wöchentlichen Nutzer die Werbung hinnehmen werden.

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Das Risiko: Die Unternehmen verlieren ausgerechnet die einflussreichen Power-User und Early Adopter, die den Markt tonangebend mitprägen. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob „QuitGPT“ nur ein lauter Protest bleibt oder OpenAIs Umsatz spürbar schmälert. Gewonnen hat vorerst das Prinzip der Wahl – die Zeit der KI-Monokultur ist vorbei.