Ransomware 2026: 79% der Angriffe nutzen gestohlene Zugangsdaten

Der Sophos-Bericht 2026 zeigt: 79% aller Ransomware-Angriffe nutzen kompromittierte Anmeldedaten, trotz weit verbreiteter MFA.

Erstmals seit vier Jahren sind gestohlene Zugangsdaten die Hauptursache für Ransomware-Angriffe – mit verheerenden Folgen für Unternehmen weltweit.

Der aktuelle Sophos State of Ransomware 2026-Bericht zeichnet ein alarmierendes Bild: 79 Prozent aller Ransomware-Vorfälle gehen auf kompromittierte Anmeldedaten zurück. Die Studie befragte dazu über 2.100 IT-Entscheidungsträger im ersten Quartal dieses Jahres. Besonders brisant: 97 Prozent der betroffenen Unternehmen hatten eine Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) im Einsatz – und wurden dennoch erfolgreich attackiert.

Die Verschlüsselungsrate stieg auf 56 Prozent, die durchschnittlichen Wiederherstellungskosten erreichten umgerechnet rund 1,6 Millionen Euro pro Vorfall.

Angreifer umgehen moderne Sicherheitsmechanismen

Die Sicherheitsforscher verzeichneten einen Anstieg von Phishing-Kits zur Umgehung der MFA um 1.380 Prozent innerhalb eines Jahres. Diese nutzen sogenannte Adversary-in-the-Middle (AiTM)-Proxy-Seiten, um Anmeldedaten und Sitzungscookies in Echtzeit abzugreifen. Die Angreifer leiten die Daten zwischen Opfer und legitimem Dienst hin und her – und übernehmen so aktive Sitzungen, ohne Passwörter knacken oder traditionelle Codes umgehen zu müssen.

Die Analyse des Unternehmens Kroll zeigt: 90 Prozent der gehackten Organisationen hatten MFA aktiviert. Dennoch blieben sie anfällig für Techniken wie Push-Bombing – auch bekannt als MFA-Ermüdung – und Session-Hijacking. Ein besonders krasser Fall aus dem Jahr 2022: Ein Mitarbeiter eines großen Fahrdienstleisters gab eine Login-Anfrage frei, nachdem er mit Benachrichtigungen bombardiert worden war.

Trotz dieser Risiken setzen nur 19 Prozent der Firmen auf phishing-resistente MFA wie FIDO2 oder Passkeys, die kryptografisch an echte Domänen gebunden sind.

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„Text Salting“: Die unsichtbare Täuschung

Seit April 2026 haben Forscher von Barracuda über eine Million Phishing-Angriffe mit einer neuen Methode identifiziert: „Text Salting“. Dabei verstecken Angreifer große Mengen unsichtbaren, harmlosen Texts in E-Mails, um KI-basierte Sicherheitsfilter auszutricksen. Mit CSS-Tricks wie Null-Schrift-Techniken oder versteckten Texteinzügen senken sie den Anteil verdächtiger Wörter, den Large Language Models (LLMs) erkennen können.

Die Effektivität von Social Engineering wird zudem durch generative KI massiv gesteigert. Eine Studie der Harvard Kennedy School belegt: KI-generierte Phishing-Mails erreichen eine Klickrate von 54 Prozent – traditionelle manuelle Angriffe kommen gerade einmal auf 12 Prozent. KI-Tools eliminieren typische Warnsignale wie Rechtschreibfehler und ermöglichen die schnelle Erstellung individueller Fülltexte für jede einzelne Nachricht.

„Boss Scam“ und globale Verluste

Die Verschiebung hin zum identitätsbasierten Betrug verursacht weltweit massive finanzielle Schäden. In Indien warnte die Wertpapieraufsicht SEBI im Juli 2026 vor dem „Boss Scam“: Organisierte Banden nutzen KI-Stimmenklone und Deepfake-Videos, um sich als Führungskräfte auszugeben. Sie zielen auf Finanzmitarbeiter ab, die über WhatsApp und LinkedIn zu dringenden Überweisungen gedrängt werden. Die indische Zentralbank meldete für das Fiskaljahr 2025/26 Bankverluste von umgerechnet rund 5,3 Milliarden Euro bei über 10.000 Betrugsfällen.

In Singapur erlitten rund 72 Prozent der Organisationen mindestens einen identitätsbezogenen Sicherheitsvorfall im vergangenen Jahr – im Schnitt drei Vorfälle pro Unternehmen. Die lokalen Wiederherstellungskosten beliefen sich auf durchschnittlich 1,5 Millionen Euro. Die Forscher führen 43 Prozent der Vorfälle auf menschliches Versagen zurück, 41 Prozent auf schwaches Management nicht-menschlicher Identitäten.

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Neue Angriffsvektoren 2026

Die Angreifer werden kreativer: Zwischen August 2025 und Juni 2026 registrierten Kriminelle über 4.300 bösartige Websites, die offizielle Portale der FIFA-Weltmeisterschaft 2026 nachahmten. Ziel waren Mitarbeiter, die auf Firmengeräten Streams oder Tickets suchten.

In Australien warnte die Polizei von Queensland Anfang Juli 2026 vor einer besonders perfiden Masche: Opfer verloren umgerechnet 1,4 Millionen Euro innerhalb von fünf Tagen durch Phishing mit physischen Briefen. Diese enthielten QR-Codes, die zu gefälschten Sicherheitsupdate-Seiten führten – designed, um private Schlüssel und Anmeldedaten zu stehlen.

Auch Kalender-Phishing nimmt zu: Der Versand bösartiger Einladungen über Outlook oder Google Calendar steigt seit zwei Jahren stetig, da diese Einladungen oft die standardmäßigen E-Mail-Sicherheitsfilter umgehen.