Meta hat Anfang Oktober technische Dokumentationen und Code-Aktualisierungen veröffentlicht, die eine tiefere Integration von Sprachbefehlen in Web-Applikationen für die Ray-Ban-Display-Brille ermöglichen.
Durch die Einführung des WebMCP-Protokolls (Model Context Protocol) können Entwickler ihre Anwendungen künftig so gestalten, dass sie über Meta AI steuerbar sind. Die entsprechende Anleitung wurde im Software-Verzeichnis „facebook/meta-wearables-webapp“ bereitgestellt.
Technische Integration über WebMCP
Die neue Schnittstelle erlaubt es, Web-Apps auf dem Display der Datenbrille mittels Spracheingabe zu bedienen. Laut den veröffentlichten Dokumenten ist die Funktion standardmäßig deaktiviert („off by default“) und muss entweder über den Entwicklermodus oder durch einen gezielten Rollout seitens Meta auf den Geräten aktiviert werden. Ein technischer Kernaspekt ist die Einbindung neuer Werkzeuge direkt in die Programmierschnittstelle des Browsers.
Die Entscheidung, ob eine Anwendung für die WebMCP-Steuerung berechtigt ist, fällt laut den technischen Spezifikationen einmalig beim Start der App und bleibt für die gesamte Sitzung bestehen.
Meta betont dabei, dass die herkömmliche Bedienung über das physische Steuerkreuz (D-Pad) vollumfänglich erhalten bleiben muss. Die Sprachsteuerung wird lediglich als additive Funktion betrachtet, die die bestehende Navigation ergänzt, anstatt sie zu ersetzen.
Vorgaben für Entwickler und Toolkit-Support
Für die Erstellung kompatibler Anwendungen stellt Meta Plugins für gängige Entwicklungsumgebungen wie Muse Code, Claude Code, Codex und Cursor zur Verfügung. Die technischen Rahmenbedingungen für die Befehlsübermittlung sind jedoch strikt gefasst.
So dürfen Parameter für die Web-Tools ausschließlich als einfache Datentypen wie Booleans, Integers oder Strings definiert werden. Komplexere Strukturen wie Arrays oder verschachtelte Objekte werden vom System verworfen.
Zudem gibt es zeitliche und strukturelle Limitierungen für die Interaktion mit dem KI-Assistenten. Für Aufrufe gilt eine strikte Frist von zehn Sekunden. Bei der Benennung der Funktionen steht ein Budget von insgesamt 64 Zeichen zur Verfügung, wovon 57 Zeichen für den eigentlichen Namen nutzbar sind.
Anwendungsbeispiele und Partnerschaften
Das Unternehmen Simply hat im Rahmen der Meta Connect 2026 bereits erste Anwendungen angekündigt, die von den neuen Möglichkeiten der Ray-Ban Display profitieren sollen. Mit den Programmen „Simply Piano“ und „Simply Guitar“ sollen Nutzer Musikinstrumente freihändig erlernen können. Die Anwendungen zeigen Akkorde, Liedtexte oder Grundlagen direkt im Sichtfeld der Brille an, während eine Echtzeit-Audioerkennung Feedback zum Spiel gibt.
Yuval Kaminka, Mitbegründer und CEO von Simply, sowie Eliran Douenias, VP Product Innovation, betonten die Bedeutung dieser Entwicklung für das freihändige Lernen. Seitens Meta begleitete Chris Barbour, Director AI Glasses Ecosystem, die Vorstellung. Konkrete Termine für die Veröffentlichung dieser Erlebnisse oder Preismodelle für die Software wurden bisher nicht genannt.
Hardware-Spezifikationen und Datenschutz
Die Ray-Ban Display verfügt über einen Farbbildschirm mit einer Auflösung von 600 mal 600 Pixeln. Die Steuerung der Benutzeroberfläche kann neben der Sprache auch über ein sogenanntes Neural Band am Handgelenk erfolgen, das Handrotationen und das Tippen der Finger registriert. Die verbaute 12-Megapixel-Kamera ist auf vertikale Aufnahmen optimiert; horizontale Aufnahmen bleiben anderen Modellen ohne Display vorbehalten.
Zu den Funktionen der Hardware gehören Live-Untertitel durch KI-Übersetzung, die Navigation sowie eine Bild- und Videovorschau. Der Verkaufspreis in Deutschland liegt bei 899 Euro, während das Gerät im Vereinigten Königreich für 749 Pfund Sterling und in den USA für 799 US-Dollar geführt wird.
In Bezug auf den Datenschutz gibt Meta an, dass Interaktionsdaten für die Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz genutzt werden. Dies betrifft jedoch nicht die persönliche Bildergalerie der Nutzer. Es wird zudem darauf hingewiesen, dass Anfragen, die über die Kamerafunktion gestellt werden, für Mitarbeiter von Meta sichtbar sein können. Ein konkreter Termin für den breiten Rollout der WebMCP-Dokumentation für Endnutzer steht derzeit noch aus.

