Meta erweitert sein Sortiment an intelligenten Brillen um ein kostengünstigeres Modell und versucht zugleich, anhaltenden Vorbehalten bezüglich der Privatsphäre und sichtbaren Aufnahmeindikatoren zu begegnen.
Auf der Connect-Konferenz an einem Mittwoch präsentierte der Konzern neue Ausführungen seiner vernetzten Brillen, darunter auch eine Variante komplett ohne Kamera. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund intensiver regulatorischer Prüfungen, rechtlicher Klagen und wiederholter Datenschutzdebatten rund um heimliche Bild- und Tonaufnahmen.
Günstigere Einstiegsmodelle und neue Audio-Variante
Im Mittelpunkt der Produkterweiterung stehen die neuen Meta Glasses, die preislich bei 299 US-Dollar starten und damit 80 US-Dollar günstiger ausfallen als die Ray-Ban Meta der zweiten Generation. Die in Zusammenarbeit mit EssilorLuxottica gefertigte Brille erscheint in drei Designs und sieben Farben, wobei eine Variante nach Kylie Jenner benannt wurde.
Die verbaute Kamera fällt kleiner aus als bei früheren Generationen. Technisch ist das KI-Modell Muse Spark der Meta Superintelligence Labs vorinstalliert, flankiert von 14 zusätzlichen Sprachen und einer Fußgänger-Navigation.
Ergänzend stellte das Unternehmen die dritte Generation der kamerabasierten Ray-Ban-Brille für 349 US-Dollar vor. Als direkte Reaktion auf Vorbehalte bezüglich ständiger Videoüberwachung debütierte zudem die Ray-Ban Meta Audio. Dieses Modell verzichtet vollständig auf Kameras, integriert den Assistenten Muse und bietet einen Modus für Hörunterstützung.
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Technische Vorkehrungen und jüngste Pannen
Auf der Connect-Konferenz betonte Mark Zuckerberg spezifische Schutzmaßnahmen gegen den Missbrauch der Technik. Neben einer sichtbaren Aufnahmeleuchte stellte er eine neue Funktion namens Private Processing vor, welche Nutzerdaten verschlüsselt verarbeitet und selbst für den Konzern unzugänglich halten soll.
Nach Angaben von Meta blinkt die LED bei Foto- sowie Videoaufnahmen verbindlich und lässt sich nicht per Software abschalten; zudem werde die Kamera deaktiviert, sobald der Sensor abgedeckt wird. Alex Himel, Vice President bei Meta, kündigte nach erneuten Diskussionen über Gesichtserkennung weitere Systemaktualisierungen an.
Zuletzt geriet die Sicherheit der Hardware durch Fehler in die Kritik. Wie Berichte über Reddit und Medienberichte Mitte Oktober zeigten, kam es bei Brillen der zweiten und dritten Generation zu Aufzeichnungen ohne Aktivierungswort, bei denen Audio- und Texttranskripte in der Begleit-App gespeichert wurden, während die weiße LED leuchtete. Meta stufte den Vorfall als behoben ein, nannte bislang jedoch keine technischen Ursachen oder genauen Zahlen betroffener Geräte.
Weltweiter Regulierungsdruck und Klagen
Die Ausweitung des Geschäftsfelds fällt mit wachsendem Gegenwind durch Behörden und Gerichte zusammen. Am 13. Oktober 2026 stellte der Europäische Datenschutzausschuss (EDPB) in einer vorläufigen Erklärung fest, dass Hersteller und KI-Anbieter von Smart Glasses eigenständige Verantwortliche im Sinne der Datenschutz-Grundverordnung seien.
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Die Vorsitzende Anu Talus betonte, dass Aufzeichnungen für Umstehende unmissverständlich erkennbar sein müssten. Ein einfaches LED-Licht reiche nicht aus; nötig seien schwer umgehbare Signale, On-Device-Verarbeitung und standardmäßig deaktivierte Speicherungen.
Parallel reichte der niederländische Consumentenbond zusammen mit weiteren Organisationen Klage am Bezirksgericht Amsterdam ein, um Änderungen an den Standardeinstellungen und den Stopp der Datenverarbeitung für KI-Zwecke zu erzwingen; eine gerichtliche Anhörung ist für den 26. November 2026 angesetzt.
Auch Organisationen und Veranstalter ziehen Konsequenzen: Während Gerichte in England und Wales die Nutzung untersagten, erließen britische Convention-Veranstalter im Juli Verbote tragbarer Kameras.
Australiens Bundesregierung prüft seit September Beschränkungen an staatlichen Arbeitsplätzen, was unter anderem bei sehbehinderten Nutzern Sorgen über Rückschritte bei barrierefreien Assistenztechnologien auslöst.

