Nach einer provokativen Protestaktion in London meldet sich nun der Ray-Ban-Präsident Leonardo Del Vecchio zu Wort – und zeigt sich überraschend gelassen.
Aktivisten kapern Werbeflächen in London
Am Montag sorgte die Aktivistengruppe „Everyone Hates Elon“ für Aufsehen. Die Gruppe überklebte in London offizielle Werbeplakate für die Ray-Ban Meta Smartglasses mit eigenen Motiven. Die Parodie-Poster zeigten Lentikularbilder und provokative Slogans. Ein Motiv zeigte ein manipuliertes Bild von Kylie Jenner mit dem Spruch: „Meta beobachtet dich immer.“
Die Aktivisten beschrieben die smarte Brille als „bedeutenden Fortschritt in der Technologie zur verdeckten Beobachtung“. Sie nutzten Bildsprache, die an den Kultfilm „They Live“ erinnert – eine Anspielung auf die vermeintliche Dauerüberwachung durch das Unternehmen.
Del Vecchio, der auch Chief Strategy Officer bei EssilorLuxottica ist, reagierte auf Instagram. Er postete ein Foto des Protest-Plakats und schrieb: „Wenn wir als Unternehmen den Humor in so einer Situation nicht erkennen, haben die Leute kaum Grund, uns zu vertrauen.“ Der Beitrag war 24 Stunden sichtbar, bevor er ablief.
Datenschutz: Das große Problem der smarten Brille
Die Werbe-Aktion fällt in eine Zeit wachsender Datenschutzbedenken. Meta testet offenbar Funktionen für dauerhafte Video- und Audioaufzeichnung – ein Albtraum für Datenschützer. Die Frage nach der Einwilligung Unbeteiligter steht im Raum.
Meta reagierte bereits: Ein Pflicht-Update soll die Kamera deaktivieren, wenn die integrierte LED-Anzeige manipuliert oder abgedeckt wird. Ob das reicht? Wohl kaum. Erste Gerichte haben die Brille bereits aus ihren Sälen verbannt.
Noch brisanter: Das interne Projekt NameTag. Metas CTO Andrew Bosworth bestätigte, dass das System Gesichter lokal auf der Brille speichert – um Namen von Bekannten abzurufen. Klingt praktisch, dürfte aber unter der EU-Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und dem US-amerikanischen Biometric Information Privacy Act (BIPA) auf massive rechtliche Hürden stoßen.
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Markt boomt trotz Kritik
Die Proteste scheinen den Verkaufserfolg nicht zu bremsen. Der Markt für smarte Wearables legte um 54 Prozent zu. Die aktuelle Brille von Meta und Ray-Ban ist in den Varianten Adventurer, Starfire und Fury erhältlich – ab 299 US-Dollar (etwa 275 Euro). In Großbritannien kostet das Modell umgerechnet rund 500 Euro, mit Sehstärke sogar etwa 820 Euro.
Die technischen Daten:
* 12-Megapixel-Kamera mit dynamischen Aufnahmeeinstellungen
* Meta-KI integriert (Muse Spark)
* 4,5 bis 8 Stunden Akkulaufzeit
* Integrierte Lautsprecher und KI-Assistent
Dazu kommt das Abo-Modell „Meta One“ für umgerechnet etwa 18 Euro monatlich – es schaltet erweiterte Funktionen wie den „Conversation Focus“ frei.
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Gesellschaft im Wandel: Auswirkungen auf das Sozialleben
Ein Bericht vom Montag zeigt: Die smarte Brille verändert bereits das Verhalten junger Erwachsener. Immer mehr Menschen meiden Clubs und Bars – aus Angst vor ungewollten Aufnahmen. Stattdessen suchen sie Orte auf, die als „kamerafrei“ gelten.
Branchenkenner warnen: Mit dem kommenden 6G-Netz könnten die Brillen bald Live-Streams direkt an persönliche KI-Systeme senden. Die Debug-Debatte um Privatsphäre im öffentlichen Raum steht erst am Anfang.

