Razer verwischt auf der CES 2026 die Grenze zwischen Spieler und Spiel – mit einem haptischen Gaming-Stuhl, der zum multimedialen Kommandozentrum wird.
Las Vegas – Wer braucht schon einen kompletten Heimkinoraum? Der Tech-Konzern Razer stellt mit „Project Madison“ einen Konzept-Gaming-Stuhl vor, der den Sitzplatz in ein hochimmersives Erlebniszentrum verwandeln soll. Kern der Idee ist die Verschmelzung von 7.1-Surround-Sound, richtungsweisender Haptik und reaktiver Beleuchtung in einem einzigen, durchdachten Möbelstück. Die Ankündigung auf der Technikmesse CES markiert einen weiteren Schritt in Razers Strategie, alle Sinne des Spielers anzusprechen.
Sensa HD Haptics: Gefühlte Schüsse und Explosionen
Das Herzstück des Konzepts ist Razers Sensa HD Haptics-Technologie. Sechs unabhängige Motor-Aktuatoren – vier in der Rückenlehne, zwei im Sitz – sollen nicht einfach nur vibrieren, sondern präzise physisches Feedback geben. Das System erkennt die Richtung von Spielereignissen in Echtzeit. Ein Schuss von links? Die Vibration kommt von links. Ein herannahendes Fahrzeug von hinten? Die Erschütterung wandert von der Lendenwirbel-Region nach oben.
Diese Granularität soll das taktische Bewusstsein schärfen und Wettkampfspielern einen Vorteil verschaffen, indem Audio-Hinweise eine physische Dimension erhalten. Die Aktuatoren verarbeiten Audiosignale direkt, was die Kompatibilität mit einer großen Spielbibliothek ohne speziellen Entwickleraufwand ermöglicht. Für das optimale Erlebnis wird es aber auch speziell optimierte „Sensa-ready“-Titel geben.
Skalierbarer Sound: Der Stuhl als Surround-Lautsprecher
Während die Haptik den physischen „Punch“ liefert, sind die Audio-Fähigkeiten ebenso ambitioniert. Integrierte Hochleistungslautsprecher im Kopfpolster, betrieben von THX Spatial Audio, sollen eine „Sound-Blase“ um den Nutzer erzeugen. Das Ziel: präzises, positionsbezogenes Audio ohne die Ermüdung, die langes Headset-Tragen mit sich bringt.
Der Clou ist die Skalierbarkeit. Die integrierten Lautsprecher dienen als Rear-Channels in einem größeren Setup. Nutzer können den Stuhl mit externen Frontlautsprechern oder einer Soundbar kombinieren, um ein vollwertiges 5.1- oder 7.1-System zu schaffen. Dies löst ein typisches Platzproblem und erspart umständliche Kabelverlegungen für die hinteren Satelliten. Die drahtlose Synchronisation mit anderen Razer-Audioperipheriegeräten soll Latenzzeiten minimieren.
Vom Möbelstück zum „Central Hub“
Razer sieht Project Madison nicht als bloßes Möbelstück, sondern als zentralen Ankerpunkt des modernen Gaming-Setups. Sichtbares Markenzeichen sind programmierbare Chroma RGB-Leuchtstreifen an den Kopfstützen. Diese reagieren nicht nur dekorativ, sondern können mit Spielereignissen synchronisiert werden – sie blinken rot bei niedriger Gesundheit oder pulsieren im Takt des Herzschlags einer Spielfigur.
Trotz der Technik-Fokussierung soll der Ergonomie-Anspruch nicht zu kurz kommen. Das auf der CES gezeigte Prototyp-Design orientiert sich an der ergonomischen Iskur-Linie des Herstellers, was auf einen Schwerpunkt bei Haltungskomfort und Langlebigkeit hindeutet.
Marktanalyse: Der Trend zur totalen Immersion
Das Reveal von Project Madison fällt in eine Zeit, in der die Gaming-Hardwarebranche aggressiv auf „Immersion Technology“ setzt. Da die visuelle Wiedergabetreue in Spielen zunehmend an physikalische Grenzen stößt, konzentrieren sich Hersteller vermehrt auf die anderen Sinne – Berührung und Klang.
Analysten deuten Razers Schritt als Antwort auf die Nachfrage nach streamlineden All-in-One-Lösungen. Der fragmentierte Markt mit haptischen Westen, „Butt-Kickern“ und Surround-Systemen ist für den Durchschnittsverbraucher oft unübersichtlich. Indem Razer diese Features in ein notwendiges Möbelstück packt, senkt es die Einstiegshürde für High-End-Immersion. Im Vergleich zu früheren, experimentelleren Konzepten wie Project Brooklyn (Stuhl mit ausfahrbarem Bildschirm) wirkt Madison mit bereits etablierten Technologien deutlich näher an der Serienreife.
Parallel zu Madison stellte Razer mit dem Iskur V2 NewGen auch ein finalisiertes Produkt vor, das auf thermisches Management und adaptive Lendenwirbelstütze setzt. Diese Doppelstrategie ist klar: die Grenzen mit futuristischen Konzepten verschieben und gleichzeitig die Kernproduktlinien mit praktischen Updates pflegen.
Ausblick: Wann kommt der Stuhl in die Läden?
Stand 10. Januar 2026 ist Project Madison ein reines Konzept. Razer hat weder ein spezifisches Veröffentlichungsdatum noch einen Preis bekannt gegeben. Der Konzern nutzt die CES traditionell, um das öffentliche Interesse an Prototypen auszuloten.
Die ersten Reaktionen von der Messe sind jedoch bemerkenswert positiv, besonders die nahtlose Richtungshaptik wird als „game-changing“ beschrieben. Dass Razer bereits eine Anmeldeseite für Updates eingerichtet hat, deutet auf ernsthafte Produktionsabsichten hin.
Sollte Madison tatsächlich auf den Markt kommen, wird er mit einem Premium-Preis rechnen müssen – als Luxusartikel für Enthusiasten. Die große Herausforderung wird sein, die Kosten des komplexen Haptiksystems und der drahtlosen Audiotechnik mit den Komfort- und Haltbarkeitserwartungen an einen High-End-Gaming-Stuhl in Einklang zu bringen.
Einstweilen ist Project Madison eine Absichtserklärung. Er skizziert eine Zukunft, in der der Gaming-Stuhl kein passives Möbelstück mehr ist, sondern ein aktiver Teil des Spielerlebnisses – der im Takt der digitalen Welten vibriert, dröhnt und leuchtet.





