Künstliche Intelligenz braucht Rechenleistung in nie gekanntem Ausmaß – und die Tech-Branche investiert Milliarden in riesige Rechenzentren, Spezialchips und eigene Stromversorgung. Auch für Europa ergeben sich daraus Chancen und Risiken.
Der globale Wettlauf um die Infrastruktur für Künstliche Intelligenz hat im August 2026 eine neue Eskalationsstufe erreicht. Multi-Milliarden-Deals für Cloud-Kapazitäten, strategische Partnerschaften am Golf und in Südostasien sowie die Integration spezialisierter Energie- und Kühllösungen prägen die Branche. Unternehmen weltweit sichern sich langfristig Rechenleistung, um die wachsenden Anforderungen generativer KI-Modelle zu bewältigen.
Zehn Milliarden Dollar für sechs Jahre Rechenleistung
Besonders bemerkenswert ist das Engagement des KI-Unternehmens Anthropic: Der Konzern schloss einen Sechs-Jahres-Vertrag über zehn Milliarden Dollar mit Volta Infra ab, einem AI-Cloud-Start-up, das erst Anfang dieses Jahres gegründet wurde. Volta wird dabei umfangreiche Cloud-Compute-Kapazitäten bereitstellen. Herzstück des Deals ist ein Rechenzentrum in Norwegen, das vom Anbieter Bitdeer betrieben wird – mit einer Leistung von 133 Megawatt und ausgestattet mit Nvidia-Vera-Rubin-Systemen.
Bitdeer selbst sicherte sich Anfang August einen 16-jährigen Mietvertrag für seine Anlage im norwegischen Tydal. Das Volumen: rund 4,7 Milliarden Dollar für eine IT-Kapazität von 121 Megawatt, die speziell für Nvidia-GPU-Workloads konfiguriert ist. Um solche Großprojekte zu stemmen, haben Finanzinstitute wie JP Morgan Kreditbriefe im Umfang von etwa 1,3 Milliarden Dollar ausgegeben.
Der Golf wird zur KI-Drehscheibe
Der Nahe Osten entwickelt sich zunehmend zum Zentrum konvergierter KI-Infrastruktur. Mitte 2026 schlossen Vertiv, Edge-Serve, IRCL und PDC ein Rahmenabkommen zur Bereitstellung digitaler Infrastruktur in den Golfstaaten – mit Schwerpunkt auf Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Allianz bündelt Kompetenzen aus Bau, Energie und digitalen Systemen.
In Saudi-Arabien kündigte DataVolt an, in den kommenden Monaten mit dem Bau eines 1,5-Gigawatt-KI-Rechenzentrums im Neom-Oxagon-Bezirk zu beginnen. Das Projekt, das auf einer Vereinbarung aus dem Februar 2025 basiert, soll als „KI-Fabrik“ mit kostengünstigen Compute-Ressourcen operieren. Flankiert wird die Entwicklung durch KKR: Der Investor schloss im August einen 19,2-Milliarden-Dollar-Infrastrukturfonds ab, von dem ein Teil in digitale und energetische Projekte am Golf fließen soll.
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Südostasien: Neues Terrain für GPU-Cluster
Parallel dazu zielt ein Konsortium aus SB Telecom Singapore (einer SoftBank-Tochter), SC Zeus Data Centres und Robust HPC Group auf den südostasiatischen Markt. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde im August unterzeichnet. Im Fokus: der Aufbau von GPU-Infrastruktur und KI-Rechenzentren in Malaysia, Thailand, Indonesien und Vietnam.
In Malaysia hat Gamuda einen Auftrag über 1,71 Milliarden Malaysische Ringgit (umgerechnet rund 370 Millionen Euro) für den Bau eines Hyperscale-Rechenzentrums in Port Dickson erhalten. Die Arbeiten sollen im dritten Quartal 2026 beginnen.
Spezialhardware und die Frage nach dem Strom
Mit der Skalierung der Rechenzentren rückt die Integration spezialisierter Beschleuniger und zuverlässiger Stromversorgung in den Fokus. In Schweden entwickeln FuriosaAI, I/ONX und Velox ein 15-Megawatt-KI-Rechenzentrum in Stockholm. Die erste Ausbaustufe, die Anfang 2027 ans Netz gehen soll, wird 1.800 Furiosa-RNGD-Beschleuniger einsetzen – langfristig sollen es über 7.000 Einheiten werden.
Auch die Zuverlässigkeit der Infrastruktur wird adressiert:
- Batteriespeicher: Das japanische Unternehmen ai& und Voltaiq wollen Batteriespeichersysteme in KI-Rechenzentren implementieren, gesteuert über eine spezialisierte KI-Plattform für Sicherheit und Qualität.
- Strominfrastruktur: Maas Group sicherte sich einen 855-Millionen-Dollar-Auftrag von Firmus für modulare „Power Cubes“ und Hochspannungsinfrastruktur.
- Atomkraft: Holtec International, Entergy Services und Hyundai Engineering & Construction prüfen in einer Absichtserklärung den Einsatz von SMR-300-Kleinreaktoren. Diese könnten bis zu 680 Megawatt CO₂-freien Strom für KI-Rechenzentren an der US-Golfküste liefern.
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Supercluster: Die neue Dimension der Rechenzentren
Die jüngsten Marktdaten zeigen einen regelrechten Boom bei sogenannten Superclustern. Meta erweitert seinen Hyperion-Campus in Louisiana auf eine KI-Kapazität von 5 Gigawatt, OpenAI verfolgt ein Projekt mit 3.200 Megawatt in Georgia. Google hat ein 2,7-Gigawatt-Vorhaben in Wyoming gestartet, und AWS stockt seine Präsenz in Indien mit einer geplanten Investition von 48 Milliarden Dollar deutlich auf – ein Teil davon fließt gezielt in Cloud- und KI-Infrastruktur.
Europa zieht nach: Pure Data Centres Group startete im August einen 1,5-Milliarden-Euro-KI-Campus in Finnland. Die zunächst 110-Megawatt-Anlage kann auf ein Gesamtinvestitionsvolumen von 7,5 Milliarden Euro erweitert werden – ein deutlicher Ausbau der nordischen Rechenzentrumskapazitäten.
Die Entwicklung zeigt: Wer im KI-Zeitalter vorn mitspielen will, muss nicht nur in Algorithmen investieren, sondern vor allem in die physische Basis – Strom, Chips und Gebäude. Deutschland und Europa stehen dabei vor der Herausforderung, den Anschluss nicht zu verlieren.

