Die Europäische Kommission hat einen Vorschlag für neue Regularien vorgelegt, die Betreiber von Rechenzentren zu einer umfassenden Offenlegung ihrer Energie- und Wassereffizienz verpflichten sollen.
Die geplanten Maßnahmen zielen darauf ab, die Umweltauswirkungen der rasant wachsenden digitalen Infrastruktur innerhalb der Europäischen Union messbar und vergleichbar zu machen. Betroffen von diesen Transparenzpflichten sind alle Anlagen mit einer Kapazität ab 500 Kilowatt.
Gemeinsames Ratingsystem und Kennzeichnungspflicht
Kern des Vorhabens ist die Einführung eines gemeinsamen Ratingsystems für Rechenzentren. Dieses System soll laut den Plänen der Kommission verschiedene Kennzahlen erfassen, darunter den Energie- und Wasserverbrauch, die Nutzung von Abwärme sowie die Einbindung sauberer Energiequellen und die Flexibilität gegenüber dem Stromnetz.
Für die betroffenen Betreiber bedeutet dies die Einführung eines verpflichtenden EU-Labels. Über dieses System müssen Effizienzwerte, das Verhältnis zum lokalen Wasserstress sowie Netzdienste gemeldet werden.
Die Klassifizierung stützt sich auf drei zentrale Dimensionen: Energieeffizienz, Wassereffizienz und die Herkunft der Versorgungsquellen. Letztere umfasst auch die Dokumentation von Stromabnahmeverträgen und Herkunftsnachweisen. Der aktuelle Entwurf sieht jedoch keine harten Obergrenzen für den Verbrauch vor. Auch die verpflichtende Angabe des absoluten Gesamtstromverbrauchs ist im derzeitigen Vorschlag nicht enthalten.
Prognosen zum massiven Kapazitätsausbau
Hintergrund der Initiative ist das erwartete Wachstum des Sektors. Schätzungen der Kommission zufolge verbrauchten Rechenzentren in der EU im Jahr 2024 rund 68 Terawattstunden Strom.
Die EU-Kommission hat eine delegierte Verordnung vorgelegt, die Rechenzentren ab 500 kW zur Offenlegung von Energie- und Wassereffizienz verpflichten soll — inklusive Wasserstress-Verhältnis und Netzdiensten. Wer die zweimonatige Prüffrist und die erwarteten Siegel ab 2027 nicht verschlafen will, braucht jetzt einen belastbaren Fahrplan. Kostenlosen Compliance-Fahrplan anfordern
Bis zum Jahr 2030 wird ein Anstieg auf 114 Terawattstunden prognostiziert, was laut Internationaler Energieagentur mehr als 3 Prozent des gesamten EU-Strombedarfs entsprechen würde. Aktuell liegt der Anteil der Rechenzentren am europäischen Stromverbrauch bei etwa 2,5 Prozent.
Auch die installierte Kapazität soll in den kommenden Jahren massiv zunehmen. Lag der Wert im Jahr 2025 noch bei 12 Gigawatt, wird für 2030 mit einer Steigerung auf 28 Gigawatt gerechnet. Dies käme fast einer Verdreifachung innerhalb von sieben Jahren gleich.
Die EU-Kommission verfolgt das Ziel, die Kapazitäten in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen, um dem steigenden Bedarf an Rechenleistung gerecht zu werden. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Abwärmenutzung: Würde etwa die Hälfte der anfallenden Abwärme wiederverwendet, ließe sich damit rechnerisch der Wärmebedarf von 4 Millionen Haushalten in Europa decken.
Zeitplan für die Umsetzung
Der Vorschlag wurde in Form einer delegierten Verordnung eingebracht. Damit beginnt für das Europäische Parlament und den Rat eine zweimonatige Prüffrist, in der keine Textänderungen mehr möglich sind, jedoch Einwände gegen das Gesamtpaket erhoben werden können. Die ersten offiziellen Nachhaltigkeitssiegel werden für das Jahr 2027 erwartet, eine erste Überprüfung des Systems ist für Ende 2028 vorgesehen.
Wasserstress, Abwärmenutzung, Netzdienste: Der Kommissionsvorschlag verlangt künftig Meldungen, die viele Betreiber heute gar nicht systematisch erfassen. Die öffentliche Konsultation zu möglichen Mindestleistungsstandards endet am 14. Dezember 2026 — ein Vorschlag dazu ist für Q2 2027 vorgesehen. Wer seine Datenbasis jetzt ordnet, ist vorbereitet, wenn aus dem Label bindende Anforderungen werden. Leitfaden Energie-Wasser-Reporting jetzt sichern
Parallel dazu läuft eine öffentliche Konsultation zu möglichen Mindestleistungsstandards, die am 14. Dezember 2026 enden soll. Ein konkreter Vorschlag hierzu wird für das zweite Quartal 2027 angestrebt. Das nun vorgestellte Label könnte somit als Vorläufer für künftige, rechtlich bindende Mindeststandards dienen.
Teresa Ribera, Vizepräsidentin für eine saubere, gerechte und wettbewerbsfähige Transition, unterstrich die Notwendigkeit der Maßnahmen. Sie gab zu bedenken, dass eine Verdreifachung der Kapazitäten nicht dazu führen dürfe, dass sich auch der Druck auf die Energienetze, die Wasserressourcen und die Stromrechnungen verdreifache. Die neuen Regeln sollen sicherstellen, dass das technologische Wachstum im Einklang mit den Klimazielen der Union steht.

