Die führenden Entwickler künstlicher Intelligenz, Anthropic und OpenAI, passen ihre Infrastrukturstrategie an, um die Bereitstellung ihrer Technologien zu beschleunigen.
Laut Informationen von CNBC suchen beide Unternehmen derzeit aktiv nach kleineren Rechenzentrumskapazitäten im Bereich von 20 bis 30 Megawatt (MW). Dieser Schritt markiert eine Abkehr von der ausschließlichen Konzentration auf massive Anlagen im Bereich von mehreren hundert Megawatt bis hin zu Gigawatt.
Strategiewechsel für schnellere Markteinführung
Insiderberichten zufolge sondiert Anthropic derzeit entsprechende Verträge in Großbritannien sowie in Nordeuropa. Auch OpenAI habe bereits Möglichkeiten für Anlagen dieser Größenordnung in Nordeuropa geprüft. Darüber hinaus gebe es Hinweise darauf, dass beide Unternehmen auch Deployments in dieser Größenordnung innerhalb der Vereinigten Staaten diskutiert haben.
Der wesentliche Vorteil dieser kleineren Anlagen liegt in ihrer schnellen Verfügbarkeit. Während der Bau und die Inbetriebnahme großer Rechenzentren bis zu drei Jahre in Anspruch nehmen können, sind Einheiten mit 20 bis 30 MW oft innerhalb von rund sechs Monaten einsatzbereit.
Diese Zeitersparnis ist für die wettbewerbsintensive KI-Branche von so hoher Bedeutung, dass Unternehmen laut Branchenberichten bereit sind, Aufschläge von 40 bis 60 Prozent für sofort verfügbare kleinere Anlagen zu zahlen.
Großprojekte bleiben weiterhin im Fokus
Trotz des neuen Interesses an kleineren Einheiten haben beide Unternehmen im vergangenen Jahr auch massive Infrastrukturverträge abgeschlossen. Anthropic vereinbarte im August einen Cloud-Deal mit dem Anbieter Nscale über ein Volumen von rund 45 Milliarden US-Dollar, der eine Kapazität von etwa 460 MW im US-Bundesstaat West Virginia umfasst.
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OpenAI verfolgt mit Projekten wie „Stargate“ Vorhaben, die über 10 Gigawatt (GW) hinausgehen. Zusätzlich sicherte sich das Unternehmen im April Kapazitäten von 3 GW in Georgia sowie weitere 8 GW im Bundesstaat Ohio. Die Suche nach kleineren Standorten ergänzt diese langfristigen Großprojekte somit um kurzfristig verfügbare Ressourcen.
Trend zur dezentralen Infrastruktur und Inferenz
Die Entwicklung hin zu einer verteilten Infrastruktur wird auch von anderen Branchengrößen wie Microsoft und Google vorangetrieben. Hintergrund dieser Entwicklung ist eine prognostizierte Verschiebung bei der Nutzung von Rechenleistung.
Daten des Immobiliendienstleisters JLL verdeutlichen diesen Trend: Im Jahr 2025 entfielen 9 Prozent der Kapazitäten auf die Inferenz – also die Anwendung bereits trainierter Modelle – während das Training von Modellen 14 Prozent beanspruchte.
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Bis zum Jahr 2030 erwarten Experten eine signifikante Veränderung dieser Verhältnisse. Die Inferenz soll dann einen Anteil von 37 Prozent am Markt einnehmen, während der Bedarf für das Training der Modelle auf 13 Prozent prognostiziert wird. Kleinere, dezentrale Rechenzentren eignen sich besonders für Inferenz-Aufgaben, da diese oft näher am Endnutzer durchgeführt werden müssen.
Das anhaltende Wachstum und der enorme Kapitalbedarf des Sektors zeigen sich auch in aktuellen Finanzierungsrunden. So sicherte sich beispielsweise das Unternehmen Crusoe eine Finanzierung in Höhe von 3,9 Milliarden US-Dollar, basierend auf einer Bewertung von 30,9 Milliarden US-Dollar.

