Rechenzentren-Widerstand: 75 Projekte für 130 Milliarden gestoppt

Die US-Regierung plant eine Selbstverpflichtung von Energieversorgern, um Verbraucher vor steigenden Stromkosten durch den KI-Boom zu schützen.

Die US-Regierung bereitet eine Initiative vor, die Haushalte vor steigenden Strompreisen durch den KI-Boom schützen soll. Geplant ist eine freiwillige Selbstverpflichtung von Energieversorgern und Rechenzentren-Betreibern.

Hintergrund ist die sogenannte „Ratepayer Protection Pledge“, die bereits mehrere Tech-Giganten unterzeichnet haben. Amazon, Google, Meta, Microsoft, OpenAI, Oracle und xAI verpflichteten sich damals, ihre eigene Strominfrastruktur und Netz-Upgrades selbst zu finanzieren. Die neue Runde soll nun auch Versorger, Betreiber und Gouverneure einbinden.

Die Trump-Administration betont, dass der rasche Infrastrukturausbau für das globale KI-Wettrennen notwendig sei – allerdings nur, wenn die Verbraucher nicht die Zeche zahlen.

Meta investiert Milliarden in Nordamerika

Meta treibt den ausbau seiner KI-Kapazitäten massiv voran. Im Richland Parish in Louisiana investiert der Konzern über 50 Milliarden Euro. Die Anlage soll eine Rechenleistung von bis zu 5 Gigawatt erreichen. Sieben neue Gaskraftwerke mit insgesamt 5.278 Megawatt Leistung durchlaufen derzeit das Genehmigungsverfahren, eine Entscheidung wird für den 16. Dezember 2026 erwartet.

Der Partner-Versorger Entergy rechnet damit, dass die Vereinbarung seinen Kunden über 20 Jahre hinweg mehr als zwei Milliarden Euro sparen könnte.

In Kanada entsteht der größte Datenkomplex des Landes: In der Provinz Alberta investiert Meta umgerechnet rund 9,3 Milliarden Euro in ein 1-Gigawatt-Rechenzentrum. Das Projekt soll 3.000 Baujobs und 300 dauerhafte Stellen schaffen. Premier Danielle Smith erwartet jährliche Wirtschaftseffekte von rund 175 Millionen Euro. Meta finanziert dafür ein eigenes Gaskraftwerk für 3,2 Milliarden Euro sowie die nötige Netzinfrastruktur – in Partnerschaft mit AltaLink und Capital Power.

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Widerstand vor Ort wächst

Doch nicht alle Regionen machen begeistert mit. Am 4. Juni 2026 stoppte die Provinz Manitoba ein geplantes Hyperscale-Rechenzentrum, indem sie den Netzanschluss zurückstufte. Am selben Tag lehnte der Stadtrat von Hamilton (Ontario) eine Bauanfrage ab – nach massivem öffentlichem Protest.

Kritik gibt es auch am sogenannten Bill 40, den Ontario im Dezember 2025 verabschiedete. Das Gesetz erlaubt dem Energieminister, Rechenzentren bevorzugt ans Netz zu bringen. Gegner fürchten eine höhere Abhängigkeit von Erdgas und steigende Emissionen.

In den USA wurden innerhalb eines einzigen Quartals 75 Projekte im Wert von 130 Milliarden Euro durch Bürgerproteste gestoppt. Einige Bundesstaaten verschärfen zudem die Umweltauflagen: Ein Gesetzesentwurf in New York schreibt vor, dass große Rechenzentren bis 2040 zu 90 Prozent aus erneuerbaren Energien versorgt werden müssen.

Weltweite Netzengpässe und Europa im Blick

Die Internationale Energieagentur (IEA) meldet: 2024 verbrauchten Rechenzentren weltweit 415 Terawattstunden – das sind 1,5 Prozent des globalen Strombedarfs. Bis 2030 könnte sich dieser Wert auf über 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln. Die Hälfte des Anstiegs geht auf KI zurück.

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Doch rund 20 Prozent aller geplanten Projekte weltweit verzögern sich derzeit wegen fehlender Netzanschlüsse. Allein in den USA liegt die Warteschlange für neue Energieprojekte bei rund 2.600 Gigawatt.

Auch Europa erlebt einen Boom: Mehr als 10.500 Rechenzentren sind bereits in Betrieb. In Polen, das ein Drittel der Kapazitäten Mittel- und Osteuropas stellt, soll sich die Leistung bis 2030 verdreifachen – inklusive eines geplanten 3,2-Gigawatt-Campus nahe Lublewo.

Frankreich lockt mit Atomstrom: SoftBank plant ein 3 bis 5 Gigawatt großes Rechenzentrum im Norden des Landes. Doch französische Tech-Unternehmen warnen davor, dass günstige Kernenergie nicht von US-Konzernen monopolisiert werden dürfe. Es gibt Vorschläge, Kapazitäten für europäische Player zu reservieren.

In Griechenland investiert der Energiekonzern PPC rund 5,75 Milliarden Euro in einen Standort in Westmakedonien – mit einem Rechenzentrum, das auf bis zu 1 Gigawatt ausgebaut werden kann.