Der Markt für generalüberholte Netzwerk- und Computerhardware wächst rasant – mit einer jährlichen Wachstumsrate von über fünf Prozent bis Mitte der 2030er Jahre. Immer mehr Konzerne und Behörden setzen auf Kreislaufwirtschaft, während die Preise für Neugeräte weiter steigen.
Die Preisschere öffnet sich
Eine aktuelle Umfrage unter mehr als 2.400 Erwachsenen zeigt ein klares Bild: Die Kluft zwischen Budget und Realität wird immer größer. Während Käufer im Schnitt nur rund 800 Euro für ein neues Notebook ausgeben wollen, liegt der tatsächliche Durchschnittspreis bei stolzen 1.600 Euro. Schuld daran sind unter anderem gestiegene Kosten für Speicherchips und Arbeitsspeicher.
Die Folge: Nur noch elf Prozent der Verbraucher planen, den vollen Neupreis zu zahlen. 41 Prozent nutzen ihre alten Geräte einfach länger, 15 Prozent weichen gezielt auf den Gebraucht- und Refurbished-Markt aus.
Rekordzahlen bei Refurbished-Anbietern
Die Zahlen sprechen für sich: Harris Technology meldete für das abgelaufene Geschäftsjahr einen Rekordumsatz von 17,8 Millionen Euro – ein Plus von 29 Prozent. Der Bereich refurbished Technologie war mit 7,8 Millionen Euro der Wachstumstreiber. Allein im letzten Quartal steuerten generalüberholte Produkte 2,5 Millionen Euro bei, das entspricht 58 Prozent des gesamten Quartalsumsatzes.
Lieferengpässe befeuern den Trend
Doch nicht nur die hohen Neupreise treiben die Nachfrage. Auch die anhaltende Knappheit wichtiger Komponenten spielt eine Rolle. DRAM- und NAND-Flash-Speicher werden teurer, weil die Hersteller ihre Kapazitäten zunehmend auf High-Bandwidth-Memory für KI-Server konzentrieren.
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Besonders betroffen: DDR4-Arbeitsspeicher, der in der Industrieautomation und im Edge-Computing unverzichtbar ist. Experten erwarten erst dann eine Entspannung, wenn die KI-Nachfrage nachlässt oder neue Fertigungskapazitäten ans Netz gehen.
Schnäppchenjäger aufgepasst
Die Händler reagieren mit aggressiven Rabatten auf zertifizierte Gebrauchtgeräte. Aktuelle Angebote vom 20. Juli 2026 zeigen:
- Apple: Generalüberholte 13-Zoll M4 MacBook Air (16GB RAM, 256GB SSD) gibt es für rund 859 Euro – satte 421 Euro unter dem Neupreis. Auch bei aktuelleren M5 MacBook Pro Modellen locken Rabatte von bis zu 400 Euro.
- Smartphones: Im Rahmen eines Jubiläumsverkaufs (16. bis 26. Juli) bietet Maple India gebrauchte iPhone 15 ab umgerechnet rund 460 Euro an, das iPhone 16 Pro ab etwa 860 Euro.
- Foldables: Refurbished Galaxy Z Fold 5 sind bereits ab 490 Euro zu haben – ein Bruchteil des ursprünglichen Preises von 1.363 Euro.
Die Faustregel: Elektronik verliert im ersten Jahr 30 bis 50 Prozent an Wert. Der ideale Zeitpunkt für den Kauf refurbished Geräte liegt zwischen 30 und 90 Tagen nach dem Launch eines Nachfolgemodells – dann sind oft Rabatte von bis zu 45 Prozent drin.
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Reparierbarkeit als Zankapfel
Doch der Boom hat auch Schattenseiten. Immer mehr Hersteller setzen auf „kryptografische Teilekopplung“: Tauscht man ein defektes Bauteil gegen ein nicht autorisiertes aus, deaktivieren Software-Updates wichtige Funktionen wie Mobilfunk oder Touchscreen. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC ermittelt bereits wegen möglicher Kartellverstöße und der Auswirkungen auf den Elektroschrott.
Immerhin: Der Druck zeigt Wirkung. Lenovo hat mit dem ThinkPad X1 Carbon Gen 14 Aura Edition und dem ThinkPad X13 Gen 7 zwei neue Modelle vorgestellt, die für eine einfache Reparatur ausgelegt sind. Beide erhielten von Hardware-Testern die Note 9 von 10 für Reparierbarkeit – ein klares Signal, dass sich auch bei den Herstellern etwas bewegt.

