Refurbished-Markt: Erstmals mehr Displays für Gebrauchte als Neugeräte

Erstmals übersteigen Display-Lieferungen für refurbished Smartphones die für Neuware. Apple reagiert mit höheren Trade-in-Preisen und neuer Produktion.

Erstmals werden mehr Displays für die Aufbereitung gebrauchter Handys geliefert als für neue Geräte. Der Markt für Refurbished-Elektronik boomt – und verändert die Strategien der Hersteller.

Der globale Markt für wiederaufbereitete Elektronik befindet sich im Umbruch. Wirtschaftliche Unsicherheiten und angespannte Lieferketten treiben Verbraucher zunehmend in den Markt für gebrauchte Geräte. Für europäische Kundinnen und Kunden bedeutet das: mehr Auswahl, bessere Qualitätsstandards und sinkende Preise bei zertifizierten Gebrauchtgeräten.

Display-Lieferungen: Gebrauchtmarkt überholt Neugeräte

Eine aktuelle Erhebung von Omdia zeigt eine historische Zäsur: Im ersten Quartal 2026 wurden mit 298 Millionen Einheiten erstmals mehr Displays für den Refurbishment-Markt geliefert als für neue Smartphones. Die Neugeräte kamen lediglich auf 289 Millionen Panels – ein Plus von 20 Prozent für den Gebrauchtmarkt im Jahresvergleich. Branchenkenner rechnen damit, dass die Panel-Lieferungen für Neuware 2026 um zwölf Prozent zurückgehen werden.

Die langfristigen Prognosen untermauern diesen Trend. Laut Dimension Market Research soll der weltweite Markt für refurbished Elektronik von 129,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf 357,8 Milliarden Dollar bis 2034 wachsen – ein jährliches Plus von 11,9 Prozent. Smartphones halten daran den größten Anteil: 42 Prozent. Der asiatisch-pazifische Raum führte 2025 mit 38 Prozent Marktanteil, Europa kam auf einen Wert von 35 Milliarden Dollar.

Apple reagiert: Höhere Ankaufpreise und neue Produktion

Der US-Konzern Apple hat heute seine Ankaufpreise für die Inzahlungnahme älterer Geräte in Europa und den USA angepasst. In Europa erhalten Besitzer eines iPhone 16 Pro Max nun bis zu 755 Euro beim Trade-in. Für das Basismodell iPhone 16 und die Plus-Variante werden 525 Euro gutgeschrieben. In den USA stiegen einige Ankaufwerte um rund 30 Prozent.

Parallel optimiert der Hersteller seine globale Logistik. Die Produktion des iPhone 17 hat in Brasilien begonnen – im Foxconn-Werk im nahe São Paulo gelegenen Jundiaí. Die dort gefertigten Geräte tragen eine spezielle Kennung zur Identifikation ihrer Herkunft. Zwar will Apple von Steuervorteilen profitieren und die regionale Verteilung straffen, doch Branchenbeobachter erwarten keine unmittelbaren Preissenkungen für Neugeräte in der Region.

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Qualitätsstandards: Worauf Käufer achten sollten

Der Markt für aufbereitete Geräte wird zunehmend durch standardisierte Prüfverfahren geprägt. Händler in Großbritannien und Kanada setzen auf strenge Testprotokolle – etwa 90-Punkte-Inspektionen – um die Zuverlässigkeit ihrer Ware zu gewährleisten.

Aktuelle Standards für zertifizierte Gebraucht-Smartphones umfassen:

  • Akku-Gesundheit: Die meisten professionellen Aufbereiter garantieren mindestens 85 Prozent Batteriekapazität. Bei Apple-zertifizierten iPads wird der Akku ausgetauscht, wenn die Kapazität unter 80 Prozent fällt.
  • Garantie: Üblich sind zwischen 90 Tagen und zwölf Monaten. Einige spezialisierte Händler bieten ein Jahr Garantie auf Gerät und Ersatzteile wie Akkus.
  • Software-Support: Ältere Flaggschiffe bleiben gefragt. Das iPhone 13 Pro Max etwa hatte im zweiten Quartal 2026 einen Wiederverkaufswert zwischen 325 und 440 Dollar und soll bis 2028 Software-Updates erhalten.

Regionale Preisunterschiede: Indien und China

Besonders groß ist die Nachfrage nach Gebrauchtgeräten in Märkten wie Indien, wo chipknappheit die Verfügbarkeit neuer Hardware einschränkt. Refurbished iPhone 16 und iPhone 17 sind dort aktuell rund 35 beziehungsweise 25 Prozent günstiger als die Neugeräte.

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In China zeigte sich im Januar 2026 ein breites Preisspektrum: Gebrauchte Geräte waren ab etwa 33 Dollar erhältlich, die neuesten iPhone-17-Varianten kosteten je nach Ausstattung zwischen 625 und 1.390 Dollar.

Das Ende einer Ära: iPhone 6 wird obsolet

Mit dem Wachstum des Gebrauchtmarkts erreichen ältere Geräte das Ende ihres Lebenszyklus. Im März 2026 wurde das iPhone 6 offiziell als veraltet eingestuft. Die Konsequenz zeigt sich in Zahlen: 68 Prozent dieser Geräte scheiterten im ersten Quartal 2026 an der sicheren Verbindung mit modernen Banking-Apps – fehlende Sicherheitsupdates machen sie unbrauchbar für sensible Anwendungen. Für Käufer auf dem Refurbished-Markt ist die verbleibende Software-Unterstützung damit ein entscheidendes Kriterium.