ReliaQuest-Angriff: Hacker nutzten gefälschte SSO-Seite

Trotz erfolgreicher Phishing-Attacke auf einen Mitarbeiter bleiben Kundendaten bei ReliaQuest geschützt. Device-Trust-Kontrollen stoppen die Angreifer.

Der US-amerikanische Cybersicherheitsdienstleister ReliaQuest ist Ziel eines gezielten Social-Engineering-Angriffs geworden. Wie das Unternehmen am 22. August 2026 mitteilte, versuchten Angreifer durch die Manipulation eines Mitarbeiters, Zugriff auf interne Systeme zu erlangen.

Trotz einer kurzzeitigen Einsicht der Akteure in ein Identitäts-Dashboard betont das Unternehmen, dass die Sicherheitsmechanismen gegriffen haben und keine sensiblen Kundendaten abgeflossen sind.

Gezielte Täuschung mittels Lookalike-Domain

Der Vorfall am 22. August 2026 begann mit einem direkten Kontaktversuch der Angreifer. Diese gaben sich gegenüber einem Mitarbeiter als Sicherheitspersonal aus und bewegten diesen dazu, eine gefälschte Single-Sign-On-Seite (SSO) aufzusuchen. Diese sogenannte Lookalike-Domain war optisch kaum vom Original zu unterscheiden.

Im Verlauf dieses Täuschungsmanövers gab der Mitarbeiter sein Passwort ein und genehmigte zudem eine MFA-Push-Anfrage für die Multi-Faktor-Authentifizierung.

Anzeige

Wer sich mit den Methoden moderner Cyberkrimineller befasst, erkennt schnell, wie gezielt psychologische Manipulation eingesetzt wird, um Sicherheitsbarrieren zu umgehen. Dieser kostenlose Report enthüllt die aktuellen Taktiken der Hacker und zeigt, wie Sie Manipulationen wie CEO-Fraud rechtzeitig entlarven. Diese 7 psychologischen Schwachstellen nutzen Hacker aus

Durch diese Preisgabe von Anmeldedaten gelang es den Angreifern, sich Zugang zu einem Identity-Dashboard des Anbieters Okta zu verschaffen. ReliaQuest stellte jedoch klar, dass dieser Zugriff streng limitiert war.

Den Akteuren sei es lediglich möglich gewesen, Informationen in einer reinen Leseansicht (View-only) einzusehen. Ein Zugriff auf Anwendungen, tiefere Systemstrukturen oder tatsächliche Kundendaten sei laut Unternehmensangaben zu keinem Zeitpunkt erfolgt.

Sicherheitsmechanismen unterbinden weiteren Zugriff

Dass der Angriff keine schwerwiegenderen Folgen hatte, führt ReliaQuest auf technische Hürden innerhalb der eigenen Infrastruktur zurück. Insbesondere sogenannte Device-Trust-Kontrollen spielten eine entscheidende Rolle.

Diese Mechanismen prüfen, ob ein Gerät, von dem aus ein Zugriff erfolgt, den unternehmensinternen Sicherheitsvorgaben entspricht. Da dies bei den Angreifern nicht der Fall war, wurde eine weitere Ausbreitung im Netzwerk blockiert.

Anzeige

Um die eigene digitale Infrastruktur effektiv vor solchen Phishing-Angriffen zu schützen, ist ein strukturiertes Vorgehen für Unternehmen unerlässlich. Ein praxisnaher Leitfaden unterstützt Firmen dabei, in vier klaren Schritten die Hacker-Abwehr zu stärken und Sicherheitslücken präventiv zu schließen. Kostenloses Anti-Phishing-Paket für Unternehmen sichern

Unmittelbar nach der Entdeckung der verdächtigen Aktivitäten wurden die laufende Sitzung beendet und umfassende Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das betroffene Passwort wurde für ungültig erklärt und sämtliche Sicherheits-Token sowie MFA-Faktoren wurden zurückgesetzt, um die Integrität des Kontos wiederherzustellen. ReliaQuest bestreitet vor diesem Hintergrund eine Kompromittierung der Systeme.

Widersprüchliche Behauptungen der Gruppe ShinyHunters

Trotz der Darstellung des Unternehmens meldete sich die Hackergruppe ShinyHunters am 23. August 2026 zu Wort. Die Akteure listeten ReliaQuest auf ihrer Leak-Webseite und veröffentlichten Screenshots, die das Okta-Dashboard zeigen sollen, um ihren behaupteten Zugriff zu belegen. Bisher hat die Gruppe jedoch keine gestohlenen Daten veröffentlicht, was die Aussage des Sicherheitsanbieters stützt, dass kein Datenabfluss stattgefunden habe.

Branchenexperten von SOCRadar ordneten die Situation am 24. August 2026 ein. Demnach gebe es aktuell keine validierten Datenproben oder Lösegeldforderungen, die die Behauptungen der Angreifer stützen würden. Auch Auswirkungen auf Kunden von ReliaQuest seien nicht feststellbar.

SOCRadar behandelt die Veröffentlichung auf der Leak-Site daher vorerst als unbewiesene Anschuldigung seitens der Hackergruppe. Der Vorfall verdeutlicht jedoch erneut die anhaltende Gefahr durch Social-Engineering-Taktiken, die selbst bei Sicherheitsunternehmen zum Erfolg führen können, sofern keine zusätzlichen technischen Barrieren wie Device-Trust-Lösungen implementiert sind.