Interessenvertretungen und Aktionärsgruppen wie US PIRG, Green Century Funds und As You Sow fordern Hersteller wie Apple und John Deere über Aktionärsresolutionen und gezielte Kampagnen zu einer wettbewerbsoffeneren Reparaturpolitik sowie klareren Eigentumsrechten an Geräten heraus. Damit rückt die Debatte um das Recht auf Reparatur erneut ins Zentrum der Auseinandersetzung zwischen Verbraucherschützern, Investoren und der Technologiebranche.
John Deere zwischen Datenfreigabe und neuem Deal
John Deere hatte bereits 2023 Reparaturdaten geöffnet. Im Sommer 2026 schloss das Unternehmen zudem einen Deal mit der Trump-Administration, der Landwirten volles Reparaturrecht zusichern soll. Trotz dieser Zugeständnisse bleibt der Konzern im Visier von Aktionärsgruppen, die weitergehende Schritte fordern.
Widerstand von der Straße bis vor Gericht
Parallel zum institutionellen Druck sorgt Louis Rossmanns „Own Your Shit“-Tour für öffentliche Aufmerksamkeit. Die im Sommer 2026 gestartete US-weite Tour, bei der in San Jose rund 80 Teilnehmer zusammenkamen, endet am 1. Oktober in Silver Springs, Maryland.
Ziel der Kampagne ist die Abschaffung von Section 1201 des Digital Millennium Copyright Act, der seit 1998 die Umgehung digitaler Sperren unter Strafe stellt. Der Anbieter Fulu zahlt im Rahmen der Kampagne Bounties für das Umgehen solcher Sperren. Kritik richtet sich dabei explizit gegen Amazon, Apple, Sony, BMW und Roost.
Auch regulatorisch gerät Apple unter Druck: Indiens Verbraucherschutzbehörde weitete eine Untersuchung der Software-Garantiebedingungen des Konzerns aus. Geprüft wird, ob ein iOS-18-Update iPhone-Displays beschädigt hat. Ein Anwalt sieht darin einen möglichen Präzedenzfall für künftige Verfahren. Apple weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass der Ausschluss von Garantieleistungen in solchen Fällen Branchennorm sei.
Regulierung in den USA und Australien
Die Auseinandersetzung wird zunehmend auch gesetzgeberisch geführt. Der Texas-Senat verabschiedete einstimmig House Bill 2963, wonach Hersteller Verbrauchern und unabhängigen Werkstätten Zugang zu Teilen, Werkzeugen und Handbüchern für digitale Elektronik gewähren müssen.
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Unterzeichnet Gouverneur Greg Abbott das Gesetz, wäre Texas der neunte US-Bundesstaat mit einer solchen Regelung und der erste mit republikanischer Regierung. Insgesamt haben neun US-Bundesstaaten mittlerweile Right-to-Repair-Gesetze verabschiedet.
Auf Bundesebene würde der REPAIR Act der Handelsbehörde FTC die Befugnis geben, Reparaturressourcen für unabhängige Werkstätten bereitzustellen. Wie hoch die Kosten von Software-Sperren für Werkstätten sein können, zeigt der Fall einer Werkstatt in Virginia, die dadurch Mehrkosten von 1.200 US-Dollar verzeichnete.
In Australien hat die Wettbewerbsbehörde ACCC im August 2026 ein Verfahren gegen Subaru eingeleitet. Infolge früherer ACCC-Untersuchungen unter dem Motor Vehicle Information Scheme (MVIS) reagierten mehrere Autohersteller bereits mit Zugeständnissen: Kia bietet Diagnose-Hardware und -Software für 136 australische Dollar pro Tag an, nachdem zuvor Mindestvorabkosten von rund 9.780 australischen Dollar anfielen.
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BYD führte einen Tageszugang für 140 australische Dollar ein, statt zuvor 600 australische Dollar pro Monat oder eines Kaufpreises von 14.719,60 australischen Dollar zu verlangen. Mazda gab eine gerichtlich durchsetzbare Zusage ab und erstattet einigen unabhängigen Werkstätten bereits Gebühren.
SEC will Aktionärsrechte einschränken
Während Aktionärsgruppen ihren Druck erhöhen, plant die US-Börsenaufsicht SEC gegenläufige Schritte: Sie schlug vor, die seit 1942 geltende Regel 14a-8 zu Aktionärsanträgen in Proxy-Materialien zu streichen, Regel 14a-4 zu ändern und die Notice-of-Exempt-Solicitation-Regel 14a-6 abzuschaffen.
Zudem soll die Broker-Suchfrist von 20 auf 5 Geschäftstage verkürzt werden. As You Sow verweist in diesem Zusammenhang auf eine Untersuchung von fast 10.000 Aktionärsanträgen bei Unternehmen des S&P Composite 1500, die zeige, dass Reaktionen der Vorstände auf solche Anträge den Firmenwert steigern können.
Sollte die SEC ihre Pläne umsetzen, dürfte es für Gruppen wie US PIRG oder Green Century Funds künftig schwerer werden, Reparaturforderungen über den Weg der Aktionärsresolution an Konzerne wie Apple oder John Deere heranzutragen.

