Reparaturrecht: FTC zwingt Deere zur Freigabe von Diagnose-Software

Deere & Co. öffnet nach FTC-Vergleich Reparaturwerkzeuge für Landwirte. Parallel wächst der Druck für ein bundesweites Reparaturgesetz in den USA.

Nach einem wegweisenden Vergleich mit dem Landmaschinenriesen Deere & Co. zeichnet sich ein grundlegender Wandel ab – mit weitreichenden Folgen für Landwirte, Verbraucher und die Umwelt.

Historischer Vergleich: Bauern bekommen Zugang zu Diagnose-Software

Am 8. Juli 2026 erzielte die US-Wettbewerbsbehörde FTC gemeinsam mit fünf Bundesstaaten einen Paukenschlag: Deere & Co. verpflichtet sich in einem Zehn-Jahres-Vertrag, Landwirten und unabhängigen Reparaturbetrieben dieselben Werkzeuge zur Verfügung zu stellen wie den eigenen autorisierten Händlern. Konkret geht es um Diagnose-Software, elektronische Prüfgeräte und die Möglichkeit, Fehlercodes auszulesen, zurückzusetzen und Komponenten neu zu programmieren.

Die Hersteller müssen künftig sicherstellen, dass diese Ressourcen zu fairen Bedingungen erhältlich sind. Ein besonderer Clou: Sobald 50 Prozent der Vertragshändler über neue Reparatur-Tools verfügen, müssen diese auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Zusätzlich zahlt Deere eine Million Euro an die beteiligten Staaten – als Ausgleich für die Anwaltskosten des Verfahrens.

Die Dimension des Vergleichs wird im Marktanteil des Konzerns deutlich: Deere kontrolliert rund 55 Prozent des Großtraktor-Marktes und 63 Prozent der Mähdrescher. „Das ist ein echter Durchbruch für die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte“, kommentierten Vertreter der Montana Farmers Union.

Milliardenschwere Sammelklage: 200.000 Kunden warten auf Entschädigung

Doch der Vergleich ist nur ein Teil des Puzzles. Bereits im Mai 2026 erhielt eine Sammelklage gegen Deere vorläufige Zustimmung – mit einem Entschädigungsfonds von umgerechnet rund 90 Millionen Euro. Rund 200.000 berechtigte Kunden könnten davon profitieren. Die entscheidende Anhörung ist für den 29. Oktober 2026 angesetzt.

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Umwelt-Druck wächst: 1,7 Milliarden Pfund Elektroschrott

Parallel zu den landwirtschaftlichen Entwicklungen rückt ein weiteres Problem in den Fokus: der wachsende Elektroschrott. Am 15. Juli 2026 startete die Verbraucherschutzorganisation NJPIRG eine neue Kampagne in New Jersey. Der Bundesstaat produziert jährlich rund 201.000 Tonnen Elektroschrott – landesweit summiert sich das Potenzial auf über 770.000 Tonnen.

Die Botschaft der Aktivisten ist klar: Wer Reparaturen künstlich erschwert, treibt die Müllberge in die Höhe. Zehn US-Bundesstaaten haben bereits eigene Reparatur-Gesetze verabschiedet. Colorado führte 2023 als erster Staat ein spezielles Gesetz für Landmaschinen ein, Kalifornien folgte im selben Jahr mit einem umfassenden Right-to-Repair-Gesetz. Andere Bundesstaaten wie Georgia und Montana tun sich dagegen schwer – in Montana scheiterten Gesetzesvorhaben gleich dreimal (2021, 2023 und 2025).

REPAIR Act: Kommt das bundesweite Reparaturrecht?

Der Druck für eine einheitliche Bundesregelung wächst. Der REPAIR Act (HR 906) würde einen ähnlichen Standard schaffen, wie er in Massachusetts bereits für Fahrzeugdaten und -werkzeuge gilt. Ein Unterausschuss des US-Repräsentantenhauses hat den Gesetzesentwurf am 2. November 2025 befürwortend zur Abstimmung weitergeleitet.

Die Auto Care Association, die Interessenvertretung der unabhängigen Kfz-Werkstätten, schrieb am 14. Juli 2026 einen Brandbrief an die Umweltbehörde EPA. Die Zahlen sind alarmierend: 63 Prozent der unabhängigen Reparaturbetriebe haben täglich oder wöchentlich Probleme wegen fehlender Datenzugriffe. Rund 51 Prozent müssen monatlich bis zu fünf Fahrzeuge an die Vertragshändler zurückschicken – weil ihnen die notwendige Software fehlt.

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FTC kündigt weitere Maßnahmen an

Die US-Wettbewerbshüter haben klargemacht, dass der Deere-Vergleich erst der Anfang ist. Die FTC beruft sich auf ihren Grundsatzbericht von 2021 und will weiter gegen wettbewerbswidrige Reparaturbeschränkungen vorgehen. Forscher schätzen, dass Landwirte und kleine Unternehmen durch solche Maßnahmen jährlich Milliarden Euro sparen könnten.

Was bedeutet das für Europa? Während die USA nun Tempo machen, hinkt die EU hinterher. Zwar gibt es erste Ansätze – etwa das Recht auf Reparatur für Elektrogeräte –, doch eine so weitreichende Regelung wie in den USA ist hierzulande noch nicht in Sicht. Deutsche Landwirte und Verbraucher dürften gespannt nach Washington blicken.