Report Fraud: Großbritanniens neues „Frontdoor“ gegen Betrug

Das neue Portal Report Fraud ersetzt das kritisierte Vorgängersystem Action Fraud und setzt auf moderne Datenanalyse, um die Aufklärung von Wirtschaftskriminalität zu verbessern.

London — Großbritannien startet einen nationalen Neuanfang im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität. Heute, am 20. Januar 2026, hat die Regierung gemeinsam mit der City of London Police den neuen Dienst „Report Fraud“ für die Öffentlichkeit freigegeben. Er ersetzt das notorisch ineffektive Vorgängersystem „Action Fraud“ und soll das Vertrauen der Bürger zurückgewinnen.

Ein nationales Portal für Betrugsopfer

Nach einer Testphase im Dezember 2025 ist der Dienst nun in England, Wales und Nordirland vollständig verfügbar. Über die neue Website reportfraud.police.uk oder die bekannte Telefonnummer 0300 123 2040 können Privatpersonen und Unternehmen Betrugsfälle melden. Pete O’Doherty, Commissioner der City of London Police, betont: Dies sei kein einfaches Rebranding, sondern eine grundlegende Neuausrichtung. Ziel ist eine „klare nationale Anlaufstelle“, die aus einzelnen Meldungen handfeste Ermittlungsansätze generiert.

Das Ende des „Inaction Fraud“-Debakels

Der Neustart ist eine direkte Reaktion auf das jahrelang kritisierte Vorgängersystem. „Action Fraud“ war als „Inaction Fraud“ verspottet worden, weil Opfer kaum Rückmeldung oder Unterstützung erhielten. Parlamentsausschüsse hatten es als „nicht zweckdienlich“ verurteilt. Der neue Dienst setzt deshalb auf eine verstärkte Opferbetreuung. Ein spezieller Victim Service soll den emotionalen und finanziellen Schaden auffangen – eine zentrale Lektion aus der Vergangenheit.

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Getrieben von modernster Datenanalyse

Im Hintergrund arbeitet das neue Report Fraud National Crime Analysis Service (N-CAS). Es ersetzt veraltete Technik und nutzt fortschrittliche Datenanalyse, vermutlich auf Basis der Palantir-Foundry-Plattform. Dies soll es ermöglichen, Millionen Meldungen zu verarbeiten, Muster zu erkennen und daraus konkrete Ermittlungspakete für lokale Polizeibehörden zu schnüren. „Jede Meldung zählt“, so Service-Direktor Chris Bell. Das Ziel: Aus individuellen Opferberichten Intelligenz zu gewinnen, die kriminelle Netzwerke zerschlagen kann.

Eine Milliarden-Herausforderung für die Wirtschaft

Der Zeitpunkt ist drängend. Betrug und Cyberkriminalität machen inzwischen rund 50 Prozent aller Straftaten in Großbritannien aus und kosten die Wirtschaft Milliarden. Doch nur etwa 14 Prozent aller Vorfälle werden überhaupt gemeldet – oft aus Resignation. Die City of London Corporation investiert 13,2 Millionen Euro in den Start und weitere 2,5 Millionen Euro jährlich für den Betrieb. Der Erfolg von Report Fraud wird maßgeblich davon abhängen, ob es gelingt, diesen Teufelskreis aus fehlendem Vertrauen und Untererfassung zu durchbrechen.

Der lange Weg zur Glaubwürdigkeit

Ab dieser Woche startet eine nationale Werbekampagne mit dem Slogan „Every Report Counts“. Die wahre Bewährungsprobe steht jedoch noch aus: Die Aufklärungsquote bei Betrugsdelikten ist historisch niedrig. Experten sehen die Stärke des neuen Systems in der verbesserten Zusammenarbeit mit Banken, Telekommunikationsunternehmen und internationalen Partnern. Doch die Flut an Betrugsfällen, oft aus dem Ausland gesteuert, bleibt eine gewaltige Herausforderung. Report Fraud ist ein modernisiertes Werkzeug – ob es scharf genug ist, muss sich erst in der Praxis zeigen.