Gleich mehrere Retro-Konsolen starten zeitgleich – Nostalgie trifft auf moderne Technik.
Der Markt für Retro-Gaming-Hardware erlebt einen bemerkenswerten Aufschwung. Am heutigen Dienstag bringen gleich mehrere Hersteller neue Systeme auf den Markt, die klassische Spielerlebnisse mit modernster Technik verbinden. Die Entwicklung kommt zu einer Zeit, in der die Spieleindustrie mit steigenden Hardwarekosten und dem rasanten Wandel hin zu rein digitalen Vertriebswegen kämpft.
ModRetro M64: N64-Klassiker in 4K
Die ModRetro M64 ist das Herzstück der aktuellen Retro-Offensive. Die FPGA-basierte Konsole spielt originale Nintendo-64-Module ab und kostet rund 200 Euro. Das Besondere: Sie liefert 4K-Ausgabe über HDMI und basiert auf dem offenen MiSTer-Core-System. Entwickelt wurde das Gerät unter Mitwirkung von Palmer Luckey, dem Gründer von Oculus VR.
Die ersten Tests fallen positiv aus. Lediglich 16 Spiele zeigen laut Kompatibilitätsliste bekannte Probleme. Ein optisches Highlight: Der integrierte Auswurfknopf und die LED-Beleuchtung verleihen der Konsole einen modernen Retro-Look. Passend dazu gibt es den M64 Pro Controller für rund 85 Euro, der mit TMR-Thumbsticks aufwartet.
Retroid Pocket Nova: Handheld mit High-End-Display
Ebenfalls heute startet der Versand der Retroid Pocket Nova. Das Handheld-Gerät war ab dem 26. Juni vorbestellbar und kostet ab 219 Euro. Es bietet ein 4,5-Zoll-AMOLED-Display mit 120 Hertz Bildwiederholrate und wird von einem Qualcomm-Chip angetrieben.
Doch die Zukunft könnte teurer werden: Qualcomm plant zweistellige Preissteigerungen für seine Prozessoren. Retroid warnt bereits vor möglichen Preisanpassungen bei künftigen Modellen. Der Vorbesteller-Bonus gilt noch bis zum 1. August.
Neo Geo AES+: Die Luxus-Variante
Für Sammler und Enthusiasten gibt es die Neo Geo AES+. Die Konsole ist ab sofort vorbestellbar und startet bei 249 Euro. Die einzelnen Spielmodule kosten 85 Euro. Wer es ganz genau nimmt, kann zur Premium-Edition greifen: Für rund 950 Euro gibt es alle verfügbaren Spiele und Zubehörteile.
Wirtschaftliche Triebkräfte des Retro-Booms
Der Retro-Markt wächst nicht im luftleeren Raum. Der weltweite Gebrauchtspielemarkt erreichte 2025 einen Wert von 6,9 Milliarden Euro. Analysten sehen einen klaren Trend: Immer mehr große Marken kooperieren mit etablierten Spiele-Franchises, um Nostalgie zu vermarkten.
Hinzu kommen wirtschaftliche Faktoren. Die anhaltende Speicherchip-Krise treibt die Preise moderner Konsolen in die Höhe. Jeffrey Gattis, Manager bei Amazon Luna, vermutet, dass ein Teil der weltweit rund drei Milliarden Spieler zu Alternativen greift – darunter Cloud-Gaming und eben Retro-Hardware.
Das Ende der Disc-Ära zeichnet sich ab
Die Nachfrage nach Retro-Konsolen wird durch einen weiteren Trend befeuert: die schwindende Verfügbarkeit physischer Medien. Sony plant, die Produktion von Discs für neue PlayStation-Titel ab Januar 2028 einzustellen. Bereits im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2025 lag der digitale Anteil bei Softwareverkäufen für PS4 und PS5 bei 85 Prozent.
In diesem Jahr haben in den USA nur sieben PlayStation-Spiele mehr als 100.000 physische Exemplare verkauft. Zwar haben Händler wie GameStop 2024 eigene Retro-Abteilungen eingerichtet, doch Kunden beklagen unbeständige Verfügbarkeit und Preise zwischen 10 und 70 Euro.
Riesige Spielebibliotheken als Basis
Die Retro-Welle stützt sich auf beeindruckende Verkaufszahlen vergangener Generationen. Die PlayStation 1 verkaufte sich weltweit 102,49 Millionen Mal, das Super Nintendo 49,1 Millionen und der Sega Mega Drive 34,06 Millionen Einheiten. Diese riesigen Software-Bibliotheken bieten den neuen Herstellern reichlich Zielscheibe – und den Spielern unzählige Stunden Nostalgie.

