Plattenspieler, einfache Mobiltelefone ohne App-Ökosystem, Analogkameras sowie tragbare Abspielgeräte wie der Walkman oder der iPod Nano erleben bei jüngeren Generationen eine spürbare Renaissance.
Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Wochenende berichtete, treibt vor allem die Suche nach Entschleunigung, Haptik, persönlicher Kontrolle und Phasen der Nicht-Erreichbarkeit viele Digital Natives zurück zu physischen Speichermedien und reduzierten Geräten. In soziologischen Betrachtungen wird diese Entwicklung mitunter auch als Trennlinie bei der Aufmerksamkeitsspanne beschrieben.
Die Hinwendung zu analogen Bildern und Tonträgern spiegelt sich direkt im Einzelhandel und Handwerk wider. Das Berliner Fotolabor Foto-Kotti im Stadtteil Kreuzberg entwickelt täglich bis zu 500 Filmrollen.
Gleichzeitig floriert der Secondhand-Markt für gebrauchte Fotoapparate, während Drogerieketten wie dm einfache Analogkameras für 11,45 Euro anbieten. Ähnlich stabil zeigt sich das Interesse an Schallplatten: Große Handelsketten wie Urban Outfitters führen Vinyl bereits seit den Zehnerjahren im Sortiment.
Dass der Trend zu greifbaren Medien auch handfeste wirtschaftliche Dimensionen erreicht, belegen aktuelle Erhebungen des US-Branchenverbands RIAA für das erste Halbjahr 2026. Demnach kletterte der US-Umsatz mit physischen Tonträgern um 25,9 Prozent auf 731,5 Millionen US-Dollar.
Auf Vinyl entfielen dabei 543,8 Millionen US-Dollar, was einem Zuwachs von 17,7 Prozent entspricht. Das Segment der Compact Disc verzeichnete sogar ein Plus von 58,6 Prozent auf 171,1 Millionen US-Dollar. Trotz dieser Zuwächse blieb Streaming mit rund 82 Prozent der dominierende Umsatztreiber im US-Markt.
Bewusste Reibung gegen digitale Erschöpfung
Hinter dem Konsumverhalten der Generation Z steht laut Berichten zunehmend der Überdruss an allgegenwärtigen Abonnement-Modellen und ständigen Benachrichtigungen. Die Beschränkung auf Hardware mit nur einem einzigen Verwendungszweck gilt als Gegenmittel zur digitalen Erschöpfung.
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Jung Younbo von der Nanyang Technological University beschreibt Smartphones zwar nach wie vor als Erweiterung der eigenen Identität, doch immer mehr Anwender suchen nach Wegen, das endlose Scrollen einzudämmen. Die Content-Erstellerin Chonnie Alfonso betonte in diesem Zusammenhang, dass bewusste Reibung im Bedienablauf helfe, der permanenten Bildschirmnutzung zu entkommen.
Diesem Bedürfnis folgen auch kleinere Technologieunternehmen. Startups wie Clicks Technology und Unihertz treiben die Rückkehr von Smartphones mit physischen Tastaturen voran, die mit Merkmalen wie erweiterbarem Speicher, wechselbaren Rückseiten und klassischen Klinkenbuchsen für Kopfhörer punkten.
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Der Hersteller Rolling Square zielt mit Modellen wie der Kamera Await, die Aufnahmen erst verzögert anzeigt und das Limit auf 24 Bilder pro Durchgang begrenzt, gezielt auf junge Nutzer mit digitaler Müdigkeit.
Mit dem ModRetro Chromatic Transparent erschien zudem ein 176 Gramm schwerer Handheld für klassische Game-Boy-Module zum Startpreis von 149,99 US-Dollar. Selbst Röhrenfernseher finden über Plattformen wie den Facebook Marketplace neue Abnehmer, die deren geringe Latenz und kontrastreiche Darstellung schätzen.
Kulturell knüpft diese Retrowelle an Phänomene wie den Newtro-Trend an, der sich ausgehend von der südkoreanischen urbanen Kultur international verbreitet hat. Er umfasst neben Abspielgeräten auch Kassetten, Polaroids und Secondhand-Buchläden. Der Publizist Jack Yan ordnet die Bewegung als Bestreben ein, der dominanten Aufmerksamkeitsökonomie reale, greifbare Erfahrungen entgegenzusetzen.

