Rhea1-Prozessor: SiPearl stellt europäischen 80-Kern-Chip vor

SiPearl stellt den Rhea1-Prozessor vor, während die EU mit einem neuen Tech-Souveränitätspaket die Chip-Abhängigkeit reduzieren will.

Der französische Chip-Hersteller SiPearl hat auf der Computex in Taipeh seinen Rhea1-Prozessor präsentiert – ein Meilenstein für die europäische Chip-Souveränität. Der 80-Kern-Prozessor basiert auf der ARM-Architektur und soll die Abhängigkeit von US-Herstellern wie AMD, Intel und Nvidia verringern.

Technische Details und Produktion

Der Rhea1 ist speziell für Hochleistungsrechnen und Rechenzentren ausgelegt. Das Herzstück bilden 80 ARM Neoverse V1-Kerne, gefertigt von TSMC im 6-Nanometer-Verfahren (N6P). Für datenintensive Anwendungen integriert der Chip 64 Gigabyte HBM2e-Speicher und vier DDR5-Kanäle.

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Die öffentliche Vorführung auf der Computex am 4. Juni 2026 erfolgte nach Verzögerungen: Die Series-A-Finanzierungsrunde dauerte zwei Jahre länger als geplant. Dennoch arbeitet SiPearl bereits am Nachfolger Rhea2, der auf TSMCs 3-Nanometer-Technologie setzen und ein Chiplet-Design nutzen soll. Für die Weiterentwicklung sucht das Unternehmen aktuell 270 Millionen Euro in einer Series-B-Runde.

EU-Paket für technologische Souveränität

Die Präsentation in Taipeh fiel mit einem politischen Paukenschlag in Brüssel zusammen: Am 3. Juni 2026 veröffentlichte die EU-Kommission ihr „Tech Sovereignty Package“ – ein umfassendes Regelwerk zur Stärkung der europäischen Technologiebranche.

Das Paket umfasst vier Kernbereiche:

  • Chips Act 2.0: Fördert die Nachfrage nach KI-Chips und „Strategischen Projekten“. Geplant ist die erste europäische Halbleiterfabrik für moderne Fertigung, deren Pilotproduktion zwischen 2030 und 2033 anlaufen soll.
  • Cloud and AI Development Act (CADA): Ziel ist die Verdreifachung der EU-Rechenzentrumskapazitäten innerhalb von fünf bis sieben Jahren, gestaffelt in vier Souveränitätsstufen.
  • EU-Open-Source-Strategie: Nach dem Prinzip „Öffentliches Geld, öffentlicher Code“ für mehr Transparenz.
  • Digitalisierungsfahrplan für Energie: Ein Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren ab 2027.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen betonte, die Union dürfe bei kritischer Infrastruktur wie Stromnetzen, Krankenhäusern und Sicherheitssystemen nicht von externen Anbietern abhängig bleiben.

Wettbewerb und Reaktionen aus der Branche

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Die Chip-Branche ist in Bewegung: Noch auf der Computex kündigte Nvidia an, dass seine Vera-Rubin-Plattform mit 88-Kern-ARM-CPU und Rubin-GPU bei TSMC in 3nm in Serie geht. Intel lieferte Details zu seiner Datencenter-GPU „Crescent Island“, die auf KI-Inferenz spezialisiert ist.

Die Reaktionen aus der deutschen und europäischen Industrie fallen gemischt aus. Ralf Wintergerst, Präsident des Digitalverbands Bitkom, lobte den Chips Act 2.0 als Schritt in die richtige Richtung. Doch es gibt auch warnende Stimmen: Achim Weiß, CEO von Ionos, mahnte, Souveränität dürfe nicht mit vollständiger Autarkie verwechselt werden. Erik Rein, Chef des europäischen Halbleiterverbands ESIA, ergänzte, Führungsansprüche ließen sich nicht allein durch Regulierung durchsetzen.

Parallel dazu gab das Barcelona Supercomputing Center am 3. Juni 2026 bekannt, einen neuen analogen Quantencomputer in das MareNostrum-5-Projekt zu integrieren. Die spanische Firma Qilimanjaro Quantum Tech baute die Anlage mit 10,6 Millionen US-Dollar aus EU- und spanischen Mitteln – ein weiteres Puzzlestück im europäischen Streben nach souveräner Rechenleistung.