Der EULAR-Kongress bildete den Rahmen für die Präsentation neuer medizinischer Erkenntnisse und Forschungsansätze im Bereich der entzündlichen rheumatischen Erkrankungen sowie der Arthrose. Ein besonderer Fokus der wissenschaftlichen Ausarbeitungen lag dabei auf der Situation von Patientinnen, für die spezifische Behandlungsstrategien und Krankheitsmechanismen untersucht wurden.
Neue Leitlinien für die Behandlung der rheumatoiden Arthritis
Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) hat eine neue S3-Leitlinie zur rheumatoiden Arthritis (RA) veröffentlicht, welche die Fassung aus dem Jahr 2018 ablöst. Die Experten betonen darin die Notwendigkeit eines unmittelbaren Therapiebeginns direkt nach der Diagnose. Das erklärte primäre Ziel der Behandlung ist das Erreichen einer Remission.
Um dies zu gewährleisten, sieht das Regelwerk engmaschige Kontrollen in Intervallen von 1 bis 3 Monaten vor. Sollte nach einem Zeitraum von 3 bis 6 Monaten keine signifikante Besserung eintreten, wird ein Therapiewechsel empfohlen.
Hinsichtlich der medikamentösen Strategie rät die Leitlinie dazu, eine Behandlung mit Kortison in der Regel innerhalb von drei Monaten zu beenden. Eine wesentliche Neuerung betrifft den Einsatz von Biologika oder JAK-Inhibitoren: Diese können nun bei unzureichendem Ansprechen auf Methotrexat direkt eingesetzt werden. Zudem enthält die Leitlinie erstmals spezifische Empfehlungen zur rheumatoiden Arthritis mit assoziierter interstitieller Lungenerkrankung (RA-ILD).
Zusammenhänge zwischen Immunologie, Adipositas und Entzündungen
Ein Forschungsteam identifizierte einen spezifischen Mechanismus der Hyperphosphorylierung von IL-1Ra, der bei schweren COVID-Verläufen Autoantikörper auslöst. Dieser Prozess konnte laut Berichten aus Fachjournalen wie Nature Communications und Annals of the Rheumatic Diseases auch bei Patientinnen mit axialer Spondyloarthritis nachgewiesen werden.
Parallel dazu untersuchten Leipziger Forscher den Zusammenhang zwischen Adipositas und Rheuma. Die Studie zeigt, dass bei Adipositas vermehrt proinflammatorische intermediäre Monozyten auftreten, ähnlich wie bei einer rheumatoiden Arthritis.
In einer Untersuchung mit 111 Patienten, die nach einer Magenband-Operation innerhalb von 12 Monaten einen mittleren Gewichtsverlust von 45 kg erzielten, beobachteten die Wissenschaftler eine Normalisierung dieser Zellen. Eine Folgestudie mit 200 Personen soll nun den Einsatz von Colchicin beziehungsweise einer IL-1-Blockade näher beleuchten.
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Digitale Selbsthilfe und präventive Lebensführung
Zur Unterstützung im Alltag stellte die Deutsche Rheuma-Liga die App „Team Rheuma“ vor, die seit September 2026 in den gängigen App-Stores verfügbar ist. Die Anwendung bietet Funktionen für den digitalen Austausch, Neuigkeiten sowie Terminverwaltungen und zielt darauf ab, die Selbsthilfe durch eine vernetzte Community zu stärken.
Im Bereich der nicht-medikamentösen Interventionen verweisen Experten auf die Bedeutung von Bewegung. Eine australische Studie mit 120 Teilnehmenden und einem Durchschnittsalter von 72 Jahren legte dar, dass hochintensives Intervalltraining (HIIT) zum Erhalt der Muskelmasse beitragen kann.
Sportwissenschaftler empfehlen in diesem Zusammenhang jedoch eine Vorbereitungsphase von 4 bis 6 Monaten. Bei Arthrose sollte laut Fachberatern auf absolute Schonung verzichtet und stattdessen auf gelenkschonende Aktivitäten gesetzt werden.
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Ergänzende Ansätze und geschlechtsspezifische Risiken
Untersuchungen zu Naturstoffen wie Kiefernrindenextrakt (Pinus pinaster), der Polyphenole wie Procyanidine enthält, zeigen potenzielle Effekte auf Entzündungswerte und die Gefäßfunktion. Ein standardisierter Extrakt mit einem Anteil von 65 bis 75 % Procyanidinen wird in diesem Kontext häufig genannt. Ein Cochrane-Review kam jedoch zu dem Ergebnis, dass die Evidenz für eine allgemeine Empfehlung derzeit noch unzureichend ist.
Abschließend rücken gesundheitspolitische Initiativen wie #GoRed die besonderen Risiken für Frauen in den Fokus. Da mehr als die Hälfte der Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei Frauen mit fünf beeinflussbaren Risikofaktoren assoziiert sind, werden verstärkt Aufklärungskampagnen forciert. Ein entsprechendes Netzwerktreffen ist für Mitte September 2026 im Rahmen der expopharm geplant, gefolgt von einem bundesweiten Aktionstag Anfang Februar 2027.

