Der US-amerikanische Elektroautobauer Rivian lizenziert Teile seines selbst entwickelten KI-Sprachassistenten an den Volkswagen-Konzern. Dies geht aus der Investorenpräsentation von Rivian zum dritten Quartal hervor. Die Technologie soll künftig die Sprachbedienung in Fahrzeugen des Wolfsburger Konzerns erweitern. Angaben zu konkreten Fahrzeugmodellen, Lizenzgebühren oder Zahlungsbedingungen machten die beteiligten Unternehmen bislang nicht.
Funktionsweise und Softwarearchitektur
Rivian führte den Sprachassistenten nach einer rund zweijährigen Entwicklungszeit im Mai 2026 für die Modelle R1S und R1T ein und weitete die Software im Oktober 2026 auf das Modell R2 aus. Nach Angaben von Rivian-Chef RJ Scaringe nutzt das System ein hauseigenes Agentic-Framework, auf dem künftig auch externe KI-Agenten wie Claude des Unternehmens Anthropic laufen können.
Im Fahrzeug soll das System Zusammenhänge verstehen und mehrere Wünsche innerhalb eines Gesprächsflusses verarbeiten. Einstellungen an der Klimaanlage oder Anpassungen von Fahrzeugfunktionen lassen sich so über gewöhnliche Sätze steuern, ohne dass Fahrer Untermenüs auf dem Touchscreen bedienen müssen.
Flankiert wird die Software von einer neuen Elektronikarchitektur, mit der Rivian die Anzahl der verbauten Steuergeräte von 17 auf sieben Einheiten reduzierte. Das US-Unternehmen steigerte seinen Umsatz im Bereich Software und Dienste im dritten Quartal um 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 605 Millionen US-Dollar.
Einsatzperspektiven und KI-Projekte im VW-Konzern
In welchen Baureihen und zu welchem exakten Zeitpunkt der erweiterte Assistent bei Volkswagen debütiert, ist noch nicht bekannt. Branchenberichten zufolge gilt der für das kommende Jahr geplante VW ID.EVERY1 auf MEB-Basis mit einem Zielpreis von 20.000 Euro als möglicher früher Einsatzort, ein offizieller Einbau ist jedoch nicht bestätigt.
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Fest steht bisher nur, dass der ID.EVERY1 als erstes Modell mit der Elektronik- und Softwarearchitektur des gemeinsamen Joint Ventures RV Tech erscheinen soll.
Volkswagen nutzt bereits seit Sommer 2024 generative Software im Fahrzeug: Damals integrierte der Hersteller ChatGPT in ausgewählten Modellen der ID.-Familie sowie im neuen Golf und im Tiguan. Für Funktionen des autonomen Fahrens arbeitet der Konzern zudem mit dem britischen KI-Start-up Wayve zusammen.
Rahmen der Plattformkooperation
Die Lizenzierung des Sprachassistenten ist Teil einer umfassenderen Zusammenarbeit. Volkswagen hat bereits mehr als 3,3 Milliarden US-Dollar in die Partnerschaft mit Rivian investiert; das Gesamtvolumen soll 5,8 Milliarden US-Douglas erreichen.
Die Software aus der Kooperation soll unter anderem auf der kommenden SSP-Plattform eingesetzt werden und perspektivisch bis zu 30 Millionen Fahrzeuge antreiben. Ein erstes reguläres VW-Serienmodell aus der Partnerschaft ist für Ende 2027 vorgesehen.
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Im Earnings-Call zum dritten Quartal 2026 bekräftigte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz den Zeitplan für die SSP-Plattform, die für die Marken VW, Audi und Porsche ab 2029 starten und ab 2030 auf breiteres Volumen hochlaufen soll.
Antlitz verwies dabei auf die bisherige Strategie, wonach eine sogenannte West-Architektur für Europa und die USA mit Rivian entwickelt wird, während für China und Exportmärkte separate Lösungen gelten.
Gleichzeitig stehen die regionalen Plattformzuschnitte vor dem Hintergrund von Kostendiskussionen und alternativen Modellen aus dem China-Geschäft weiterhin unter genauer Prüfung innerhalb der Konzernführung.
Das Interesse an der Technologie ist derweil nicht auf Volkswagen beschränkt: Rivians Softwarechef und Co-Geschäftsführer des Gemeinschaftsunternehmens, Wassym Bensaid, erklärte, dass bereits viele weitere Automobilhersteller anklopfen würden. Das Joint Venture führt demnach Gespräche mit weiteren Branchenpartnern.

