Autonome Roboter dominieren Chinas Neujahrsfest und prägen die Tech-Landschaft.
Bei den letzten Proben zum Frühlingsfest in Beijing zeigen autonome, interaktive Maschinen einen klaren Kurswechsel: Weg von ferngesteuerten Kuriositäten hin zu vollständig eigenständig agierenden Robotern. Der Fokus liegt auf „embodied AI“ – künstlicher Intelligenz, die das Handeln direkt aus dem Roboter heraus steuert. Warum das wichtig ist? Es könnte den Umgangsschatz zwischen Mensch und Maschine deutlich beschleunigen – auch außerhalb Chinas.
Autonome Performer dominieren Beijings Proben
Freitag und Samstag gab es in einem großen Einkaufszentrum im Westen von Beijing Medienvorschauen und Generalproben zur Robotik-Ausrichtung des Frühlingsfestes. Booster Robotics präsentierte eine Truppe von rund 20 humanoiden Robotern, die Löwentänze aufführen und gegeneinander Fußball spielen. Die Roboter sind etwa 95 Zentimeter groß und zeigen komplexe Bewegungen wie Kniebeugen, koordinierte Kopfbewegungen und Formation-Wechsel – ganz ohne Fernsteuerung. Ren Zixin, Marketing-Direktor von Booster Robotics, betonte, dass alle Entscheidungen von der eingebauten KI getragen würden; sobald der Startpfiff ertönt, bleiben Fernbedienungen außer Betrieb.
Der Maßstab hat sich im Vergleich zu 2025 deutlich erhöht, sagt Qiu Feng, Mitglied des Organisationskomitees der Beijing Technology Fairs. Die aktuelle Generation zeige deutlich mehr Feinschliff und eine stärkere High-Tech-Atmosphäre. Sie könne sogar Hawthorn-Beeren für Tanghulu (candierte Früchte am Stock) aufspießen und präzise Bausteine stapeln – Aufgaben, die über reine Choreografie hinausgehen.
CCTV-Gala: Startups treten auf der großen Bühne an
Die CCTV-Frühlingsfest-Gala, bekannt als Chunwan, bestätigt eine Besetzung mit vier führenden humanoiden Robotik-Startups: Unitree, Galbot, Noetix und MagicLab. Aus der finalen Proberunde am Freitag ging Noetix’ Kompaktmodell „Bumi“ hervor: 94 Zentimeter groß, 12 Kilogramm schwer, interagiert autonom mit Schauspielern und Sängern hinter der Bühne. Der Preis lag Ende 2025 unter 10.000 Yuan (ca. 1.300 Euro). Der Auftritt von Bumi unterstreicht den Trend, Roboter auch als Konsumgüter zugänglich zu machen – und nicht nur als Show-Objekte.
Der Erfolg der Vorjahres-Performance von Unitree, bei der 16 Roboter auftraten, gilt vielen Beobachtern als Türöffner: Auf dem Chunwan-Gelände gilt die Teilnahme längst als Validierung technischer Reife und als Wegbereiter für Börsenpläne mancher Unternehmen.
Diverser Ansatz: Agibot setzt auf Eigenwege
Ein anderer Weg wird von Shanghai-basierten Agibot verfolgt: Das Unternehmen veranstaltete zu Wochenbeginn eine eigenständige „robot-powered gala“ per Livestream und erreichte laut Berichten rund 1,4 Millionen Zuschauer auf Plattformen wie Douyin. Offenbar verzichtete Agibot bewusst auf eine CCTV-Übertragung, um Ressourcen stärker in Forschung und Entwicklung zu lenken. Gleichzeitig prüfen Agibot und Unitree IPOs in Hongkong, gestützt durch das verstärkte Investoren-Interesse rund um holiday-bezogene Tech-Events.
Branchenanalyse: Die Ära der Embodied AI tritt ins Rampenlicht
Marktbeobachter sehen im Neujahrsfest 2026 einen Wendepunkt: Humanoide Roboter wandeln sich von industriellen Prototypen zu kulturellen Ikonen. Booster Robotics’ Fokus auf autonome Entscheidungsfindung deutet an, dass die KI-Modelle zu einer Reife gelangen, die über choreografierte Abläufe hinausgeht. Ma Hongyun, bekannter Fotograf und Kulturkommentator, schrieb in sozialen Netzwerken, dass Roboter mit einfachem Verständnis des Lunar-New-Year-Kontexts und rudimentärem Humor künftig die Interaktion zwischen Mensch und Maschine beschleunigen könnten.
Ausblick: Wird 2026 das Jahr, in dem Roboter Alltag werden?
Der Jahresbeginn deutet darauf hin, dass humanoide Roboter stärker als Alltagshelfer in China Fuß fassen könnten. Noetix zielt auf Preisspannen unter 10.000 Yuan, während Galbot seine Roboter auch als Verkaufspersonal in touristischen Hotspots einsetzen will. Für Deutschland und Europa könnte dieses Spektrum neue Impulse liefern: Von Kundendienst-robotern bis hin zu Produktionshilfen könnten sich Chancen ergeben – begleitet von Debatten über Sicherheit, Datenschutz und Arbeitsplätze.
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Wird der Trend die europäische Robotik-Szene härter treffen oder neue Kooperationsschancen eröffnen? Die nächsten Tage werden zeigen, ob die Proben und Auftritte in Beijing tatsächlich den Alltag internationaler Märkte prägen.





