Deutsche Industriekonzerne und Tech-Startups treiben den Einsatz von „Physical AI“ massiv voran – weg von reinen Sprachmodellen, hin zu Robotern, die komplexe manuelle Aufgaben übernehmen. Milliardeninvestitionen und Großaufträge prägen den Wandel.
Die Textil- und Bekleidungsbranche gilt als Vorreiter bei der Integration humanoider Roboter. Jack Technology sicherte sich in Zusammenarbeit mit Siemens den Erwerb von 2.000 humanoiden Robotern, um Produktionsprozesse zu optimieren. Zuvor hatte ein Testlauf im Siemens-Werk in Erlangen überzeugt: Der Roboter HMND 01, entwickelt von einem britischen Startup, bewegte dort 60 Kisten pro Stunde – mit einer Trefferquote von über 90 Prozent über acht Stunden hinweg.
Effizienzsteigerung als zentrales Ziel
Branchenanalysten gehen davon aus, dass diese Systeme die Produktionseffizienz um rund 30 Prozent steigern können. Doch nicht nur in der Fertigung kommen die Maschinen zum Einsatz: Der vierbeinige Roboter ANYmal von ANYbotics navigiert durch dunkle, mehrstöckige Industrieanlagen, um Gaslecks aufzuspüren und präzise 3D-Modelle der Infrastruktur zu erstellen.
Münchener Startup lockt Millionen an
Besonders Startups, die Roboter durch menschliche Demonstration trainieren, ziehen Kapital an. Das Münchener Unternehmen microagi sicherte sich kürzlich 55 Millionen US-Dollar in einer Seed-Finanzierung – ein beachtlicher Betrag für ein deutsches Robotik-Unternehmen. Gegründet von einem ehemaligen Formel-1-Ingenieur, nutzt die Firma Kameras und mit Sensoren bestückte Handschuhe, um menschliche Arbeitsabläufe aufzuzeichnen und Roboter für Fabrikarbeiten zu trainieren. Das Ziel: Millionen von Einheiten in den nächsten fünf Jahren, um dem Fachkräftemangel in Europas alternder Gesellschaft entgegenzuwirken.
Auch das italienische Startup Generative Bionics sorgt für Aufsehen. Dessen humanoider Roboter Gene.01 verfügt über eine sensorreiche „intelligente Haut“, die Berührung, Temperatur und Nähe erkennt – Voraussetzung für sicheres Arbeiten im Team mit Menschen. Mit 81 Millionen US-Dollar Seed-Kapital ausgestattet, testet das Unternehmen den Roboter gemeinsam mit Fincantieri für Schweißarbeiten in Werften.
Titan-Druck revolutioniert die Fertigung
Auch in der Schwerindustrie gibt es Fortschritte. Gefertec präsentierte mit Arctitan eine Plattform für den 3D-Druck mit Titan. Das System nutzt ein plasmagestütztes Verfahren in einer abgeschotteten Schutzatmosphäre und fertigt große Bauteile für Luft- und Raumfahrt sowie Energietechnik – mit Abscheideraten von bis zu 3 Kilogramm pro Stunde.
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Software-Giganten liefern das Fundament
Die technologische Basis für diese physischen Systeme kommt von globalen Tech-Konzernen. Google DeepMind launchte am 30. Juli 2026 Gemini Robotics 2 – ein Modell für die Steuerung humanoider Roboter und die Koordination mehrerer Maschinen. Demonstriert wurde das System mit der Apollo-2-Hardware von Apptronik.
Nvidia und Kawasaki Heavy Industries gaben am heutigen Sonntag eine Partnerschaft zur Entwicklung KI-gestützter Werften in Japan bekannt. Die Kombination aus Nvidia-GPUs und Simulationswerkzeugen mit Kawasakis Werft-Know-how soll digitale Zwillinge und automatisierte Roboterschweißsysteme hervorbringen.
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KUKA vernetzt 285 Roboter in Ohio
In Nordamerika setzt der deutsche Roboterhersteller KUKA neue Maßstäbe: In einem Produktionswerk in Toledo, Ohio, implementierte das Unternehmen seine Automation-Management-Plattform. Das System integriert 285 Roboter und mehr als 60.000 vernetzte Geräte, die täglich über 300 Fahrzeugkarosserien produzieren – durch autonomes Lernen und Echtzeit-Optimierung.

