Rocket Software kauft Geniez AI: Deal wird auf 100 Millionen Dollar geschätzt

Unternehmen erschließen alte Kernsysteme für KI, während Rocket Software mit Geniez AI sein Angebot an Mainframe-Konnektoren erweitert.

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Unternehmen greifen verstärkt auf spezialisierte Middleware zurück, um historische Mainframe-Datenbestände an moderne Anwendungen für künstliche Intelligenz anzubinden, statt die gewachsene IT-Infrastruktur vollständig abzulösen. Dieser Ansatz erlaubt es Großbetrieben, bestehende Kernsysteme beizubehalten und gleichzeitig neue Sprachmodelle sowie autonome Software-Agenten auf ihren operativen Daten aufzusetzen.

Die Notwendigkeit einer solchen Zwischenschicht zeigt sich besonders in Branchen mit jahrzehntealten Großrechnern. Der US-Bahnbetreiber Norfolk Southern betreibt beispielsweise seit über 40 Jahren einen zentralen Mainframe zur Disposition über ein Streckennetz von 21.000 Meilen in 22 US-Bundesstaaten, über das jährlich 1,4 Milliarden Tonnen Fracht bewegt werden.

Die Kernlogik für Abrechnung und Routenoptimierung verbleibt auf dem Großrechner, da Migrationskosten, Sicherheitsanforderungen an kritische Infrastrukturen sowie die Skalierung nächtlicher Batch-Prozesse gegen einen vollständigen Cloud-Umzug sprechen.

Stattdessen setzt das Transportunternehmen auf Adapter und Schnittstellen, um die Mainframe-Daten mit modernen Analysewerkzeugen und Cloud-Diensten zu verbinden.

Marktkonsolidierung rund um KI-Konnektoren

Der Bedarf an Schnittstellen treibt zugleich Übernahmen im Markt für Unternehmenssoftware voran. Am 13. Oktober 2026 übernahm Rocket Software das israelische Startup Geniez AI. Laut einem Bericht vom 14. Oktober 2026 beläuft sich das geschätzte Transaktionsvolumen für das sechsköpfige Unternehmen auf rund 100 Millionen US-Dollar.

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Geniez AI hatte im September 2025 eine Seed-Finanzierung über 6 Millionen US-Dollar erhalten und entwickelt KI-Agenten sowie Konnektoren, die Modellen wie Claude, GPT, Gemini oder Llama den Echtzeitzugriff auf Mainframe-Datenbanken wie Db2, IMS, VSAM und MQ unter bestehenden RACF-Sicherheitskontrollen ermöglichen.

Mit dem Zukauf positioniert sich das mehrheitlich im Besitz von Bain Capital befindliche Unternehmen im direkten Wettbewerb mit Anbietern wie IBM, BMC Software und Broadcom.

Zuvor hatte Rocket Software bereits 2024 den Bereich für Modernisierung und Konnektivität von OpenText für 2,275 Milliarden US-Dollar übernommen und im Mai 2026 den Kauf von Vertica abgeschlossen. Vertragskonditionen und Produktpläne zur jüngsten Geniez-Übernahme veröffentlichte das Softwarehaus zunächst nicht.

Agentenbasierte Modernisierung statt Komplettumbau

Neben der reinen Datenabfrage gewinnt die automatisierte Modernisierung von Integrationsprozessen an Bedeutung. Das Institut Mashreq pilotiert den Einsatz von IBM Bob im Integrationsengineering.

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Die Bank verarbeitet durchschnittlich 650 Transaktionen pro Sekunde und steuert über ihr Gateway monatlich rund 4.000 Anfragen von KI-Agenten. Erste Testergebnisse weisen darauf hin, dass sich der Zeitaufwand für das Design von Schnittstellen und die Fehlerbehebung um 60 bis 70 Prozent verringert.

Gleichzeitig entwickeln weitere Softwarehäuser Werkzeuge, um den Umstieg auf Cloud-Dienste zu erleichtern, ohne die Kernsysteme schlagartig stillzulegen. GFT Technologies und die brasilianische Großbank Itaú Unibanco stellten Batch2Cloud vor, ein generatives KI-Werkzeug, das Projektlaufzeiten bei Mainframe-Migrationen um 70 Prozent verkürzen soll.

Der Integrationsanbieter SnapLogic kündigte unterdessen agentische Funktionen an, um bestehende Middleware-Metadaten automatisiert zu analysieren und Integrationspfade ohne separate Konnektoren vorzuschlagen. Die Entwicklungen verdeutlichen, dass Großunternehmen KI vorerst nicht zum Ersatz, sondern zur systematischen Erschließung ihrer historischen Kerninfrastruktur einsetzen.