Roost: Messaging-App mit virtuellen Vögeln wächst auf 300.000 Nutzer

Roost nähert sich 300.000 Nutzern, während Carrier Pidge deutlich kleiner bleibt. Beide Apps setzen auf verzögerte Nachrichten statt Echtzeitversand.

Eine App namens Roost sorgt derzeit für Aufsehen: Statt Nachrichten in Sekundenbruchteilen zuzustellen, lässt sie virtuelle Vögel auf die Reise gehen – und Nutzer müssen warten, bis der digitale Bote sein Ziel erreicht. Entwickelt von Logan Mendelsohn, ist die App binnen weniger Wochen von rund 10.000 auf etwa 100.000 Nutzer gewachsen und nähert sich mittlerweile der Marke von 300.000 Nutzern.

Zustellung nach Distanz und Geschwindigkeit

Das Grundprinzip von Roost ist denkbar einfach und zugleich ungewöhnlich: Die Zustellzeit einer Nachricht richtet sich nach der Entfernung zwischen Absender und Empfänger sowie der Geschwindigkeit des gewählten virtuellen Vogels.

Die Tiere bewegen sich mit einem Tempo von etwa 177 Kilometern pro Stunde fort, sodass Nachrichten über weite Strecken durchaus mehrere Stunden unterwegs sein können. Dabei besteht laut Angaben zur App eine Verlustwahrscheinlichkeit von 0,2 Prozent – eine Nachricht kann also theoretisch verloren gehen, ganz so, wie es einer echten Brieftaube widerfahren könnte.

Roost ist für Mobilgeräte verfügbar und bietet neben dem reinen Nachrichtenversand weitere soziale Funktionen: Nutzer können Freundeslisten anlegen, sich in Gruppen namens „Nests“ organisieren oder über eine „Pen Pal“-Funktion neue Kontakte finden. Laut Angaben aus polnischen Medienberichten verzeichnete Roost bereits 650.000 Downloads, wobei die App den Nutzern die Auswahl zwischen hunderten verschiedenen Tieren ermöglicht.

Ein zweiter Anbieter mit ähnlichem Konzept

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Parallel zu Roost hat sich mit Carrier Pidge eine weitere App auf dem Markt etabliert, die ein vergleichbares Konzept verfolgt. Die iOS-Anwendung stammt von Entwickler Noah Iarrobino und simuliert ebenfalls den Versand per Brieftaube – mit einer Geschwindigkeit von 110 Meilen pro Stunde, umgerechnet 177 Kilometer pro Stunde, allerdings mit einer Schwankungsbreite von 25 Prozent.

Auch hier liegt das Verlustrisiko bei 0,2 Prozent; verlorene Nachrichten lassen sich für 99 Cent ersetzen. Eine Nachricht von Los Angeles nach New York dauert bei Carrier Pidge nach Angaben des Anbieters etwa 22 Stunden.

Carrier Pidge kommt bislang auf deutlich kleinere Nutzerzahlen als Roost: Die App verzeichnete rund 76.000 Nutzer beziehungsweise 75.000 Downloads. Iarrobino entwickelte die Anwendung eigenen Angaben zufolge innerhalb von drei Wochen und beschreibt sie selbst als „pointless“ und ohne jeden praktischen Nutzen. Monetarisiert wird die App über den Verkauf zusätzlicher Tauben.

Teil eines größeren Trends

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Sowohl Roost als auch Carrier Pidge werden von Beobachtern als Ausdruck eines sogenannten Slow-Tech-Trends eingeordnet – einer Gegenbewegung zum Druck ständiger Erreichbarkeit, den klassische Messaging-Dienste mit ihrer Echtzeit-Zustellung erzeugen. Anstelle von sofortiger Kommunikation setzen die Apps bewusst auf Verzögerung und Unsicherheit als Gestaltungselement, was sie von etablierten Messengern grundlegend unterscheidet.

Die rasante Nutzerentwicklung von Roost innerhalb weniger Tage und Wochen deutet darauf hin, dass ein Teil der Nutzerschaft dem Konzept der entschleunigten Kommunikation offen gegenübersteht. Ob sich daraus ein dauerhafter Markt für „langsames Messaging“ entwickelt oder es sich um ein kurzlebiges Phänomen handelt, lässt sich anhand der bisherigen Zahlen noch nicht abschließend beurteilen.