RTX 2060 Super: Modder senkt GPU-Temperatur auf 28 Grad

Flüssigkeitskühlung etabliert sich als Standard für KI-Infrastruktur und ambitionierte PC-Bastler. Milliardeninvestitionen und neue Zertifizierungen treiben die Technologie voran.

Neue Kühltechnologien setzen sich gegen herkömmliche Luftkühlung durch – sowohl bei PC-Enthusiasten als auch in der Industrie. Angesichts rekordverdächtiger Temperaturen setzen Tech-Konzerne zunehmend auf Flüssigkeitskühlung, um KI-Infrastruktur vor Überhitzung zu schützen.

Ein Hardware-Experiment sorgt derzeit für Aufsehen in der PC-Community: Ein Modder namens TrashBench hat eine Grafikkarte vom Typ RTX 2060 Super mit einem selbstgebauten, 3D-gedruckten Kühlblock ausgestattet, der die Flüssigkeit direkt auf den freigelegten Siliziumchip leitet. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Unter Volllast sank die Temperatur auf beachtliche 28 Grad Celsius. Zum Vergleich: Mit dem serienmäßigen Luftkühler lag die Karte bei 70 Grad, mit einer 360-mm-AIO-Wasserkühlung immerhin noch bei 36 Grad.

Der Haken an der Sache: Das Verfahren ist nichts für Laien. Der Modder berichtete von anfänglichen Undichtigkeiten und der Notwendigkeit, Dichtungen mit Epoxidharz zu verkleben. Bei einem Fehler droht der Totalschaden der teuren Hardware. Auch zeigten frühere Tests mit älteren Komponenten wie einer GTX 980 oder einem Core i5-7600K, dass die Direktkühlung nicht immer die bessere Wahl ist – im Falle des Prozessors schnitt sie sogar schlechter ab als eine herkömmliche AIO-Kühlung.

Rekordhitze setzt KI-Rechenzentren zu

Während Bastler die Grenzen des Machbaren ausloten, treibt die Industrie die Flüssigkeitskühlung aus purer Notwendigkeit voran. In Südkorea sorgte Anfang August eine Hitzewelle mit Temperaturen um 40 Grad für Alarmstimmung in den Datenzentren. Betreiber wie Naver Cloud müssen ihre Serverräume zwischen 18 und 27 Grad halten – ab 30 Grad Umgebungstemperatur drohen GPUs schlicht abzuschalten.

LG Electronics hat als erstes Unternehmen in Südkorea eine Nvidia-Zertifizierung für Direct-to-Chip-Kühlung (D2C) erhalten. Der Telekommunikationsanbieter KT Cloud setzt die Technologie bereits in seinem KI-Datenzentrum in Gasan ein. Der Grund liegt auf der Hand: Moderne KI-Serverracks benötigen zwischen 30 und 100 Kilowatt Leistung – mit Luft allein ist diese Abwärme nicht mehr beherrschbar.

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Milliardeninvestitionen in KI-Fabriken

Die Flüssigkeitskühlung entwickelt sich zum Standard für die nächste Generation von KI-Rechenzentren. Am 8. August kündigte das Unternehmen Firebird den Bau der größten KI-Fabrik der GUS-Region in Armenien an. Die Anlage soll bis Ende 2027 mehr als 70.000 Nvidia-GPUs der Serien Rubin und Blackwell beherbergen und eine Kapazität von 300 Megawatt erreichen.

Auch anderswo fließt das Geld in die Kühlinfrastruktur:

  • Firmus Capital sicherte sich 2 Milliarden US-Dollar bei einer Bewertung von über 10,5 Milliarden US-Dollar. Mit Unterstützung von Nvidia und Blackstone plant das Unternehmen bis 2028 eine Kapazität von 1,6 Gigawatt – darunter ein 360-Megawatt-Projekt in Indonesien.
  • KühlTherm aus Indien bringt neue Lösungen wie Rear-Door-Wärmetauscher und Kühlmittelverteilungseinheiten auf den Markt. Die Firma will ihre Produktionskapazität von 300 Megawatt auf 2 Gigawatt bis 2027 ausbauen.
  • OPPO meldet für sein AndesBrain-Rechenzentrum einen PUE-Wert von 1,15 dank Immersionskühlung. Die Energieeffizienz stieg demnach um 45 Prozent, bei vollständiger Nutzung erneuerbarer Energien.

Europa zieht nach

Auch in Europa setzt man auf die neue Technik: Die Universität Ljubljana hat den Supercomputer FRIDA in Betrieb genommen. Das modulare System kombiniert Luft- und Flüssigkeitskühlung und steuert 64 GPU-Beschleuniger über sieben Hardware-Generationen hinweg. Das Ziel: KI-Modelltrainings von Wochen auf Tage verkürzen.

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Die Botschaft ist eindeutig: Ob im heimischen PC oder im riesigen Rechenzentrum – die Zukunft der Kühlung ist flüssig. Wer bei den aktuellen Temperaturen auf alte Lüfter setzt, spielt mit dem Feuer.