Ein Sammler entdeckte das seltene Engineering Sample auf Facebook Marketplace – für umgerechnet rund 230 Euro.
Vollständiger TU102-Chip: Was die Karte wirklich konnte
Die technischen Daten des Fundstücks sprechen eine klare Sprache: Der Prototyp besitzt einen vollständig aktivierten TU102-Grafikchip – eine Konfiguration, die bislang dem Titan RTX und den professionellen Quadro-Karten vorbehalten war. Diagnosetools bestätigen 4.608 CUDA-Kerne, das sind rund 5,8 Prozent mehr als bei der serienmäßigen RTX 2080 Ti mit 4.352 Kernen.
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Auch der Speicher wurde deutlich aufgewertet. Statt 11 Gigabyte GDDR6 auf einem 352-Bit-Interface verbaut die Prototyp-Karte 12 GB auf einem 384-Bit-Bus. Die Speicherbandbreite steigt damit auf 768 GB/s – ein Plus von 24,6 Prozent im Vergleich zur handelsüblichen Version. Die Taktraten liegen bei 1.410 MHz Basis und 1.650 MHz Boost.
Wie der Fund ans Licht kam
Ein Reddit-Nutzer ergatterte die Karte für etwa 230 Euro auf dem Kleinanzeigen-Portal. Äußerlich ähnelt sie den bekannten Founders-Edition-Modellen der Turing-Generation, trägt jedoch keine „SUPER“-Kennzeichnung auf der Verkleidung. Die Platine trägt die Bezeichnung PG151 und eine gültige NVIDIA-Seriennummer.
Das Problem: Offizielle NVIDIA-Treiber unterstützen das Engineering Sample nicht. Der Besitzer half sich mit einer manuellen Anpassung der Treiber-INF-Datei – ein Workaround, der die eindeutige Geräte-ID des Prototyps ins System einträgt. Seither läuft die Karte stabil und ließ sich sogar für Benchmarks nutzen.
Warum die Karte nie erschien
NVIDIA brachte 2019 SUPER-Varianten der RTX 2060, 2070 und 2080 auf den Markt – eine Ti-SUPER-Version blieb jedoch aus. Branchenbeobachter vermuten, dass das Projekt eingestellt wurde, um Kannibalisierungseffekte mit dem Titan RTX zu vermeiden, der nahezu identische Spezifikationen aufwies.
Renaissance alter Architekturen
Der Fund ist kein Einzelfall. Erst am 11. Juni 2026 kündigte der Hersteller Manli die Neuauflage von Ampere-basierten Karten an – der RTX 3060 (12 GB) und RTX 3050 (6 GB). Marktexperten führen diese Wiederbelebung auf die hohen Kosten und Lieferengpässe bei GDDR7-Speicher zurück. Stattdessen greifen die Hersteller auf günstigere GDDR6-Bestände und die bewährte 8-nm-Fertigung zurück.
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Blick nach vorn: Blackwell und die Zukunft
Während Enthusiasten über die historischen Funde staunen, treibt NVIDIA die nächste Generation voran. Anfang Juni zeigte das Unternehmen auf der GTC Taipei den RTX Spark Superchip. Die Blackwell-basierte Hardware bietet 6.144 CUDA-Kerne und ist für KI-lastige Workloads optimiert. Die ersten Auslieferungen werden für Herbst 2026 erwartet.
Die nächsten großen Architekturwechsel – etwa die RTX-50-SUPER-Serie oder AMDs RDNA 5 – sind Branchenkreisen zufolge jedoch nicht vor 2027 zu erwarten. Der Grund: Die Hersteller konzentrieren sich derzeit auf margenstarke KI-Hardware.

