RTX 3060 zurück: NVIDIA reaktiviert fünf Jahre alte GPU

NVIDIA fertigt die RTX 3060 wieder, während Speicherengpässe GPU-Preise erhöhen und die Nachfrage durch KI die Branche zusätzlich belastet.

Angesichts explodierender Speicherpreise reaktiviert NVIDIA eine über fünf Jahre alte Grafikkarte: Die RTX 3060 mit 12 GB Speicher kehrt in die Produktion zurück. Die Lieferungen der Karte begannen bereits im Juni wieder, die Massenproduktion lief im Juli an.

Board-Partner wie Colorful, Asus, MSI und Galaxy bieten die Karte zu Preisen zwischen 290 und 360 US-Dollar an – ein Schritt, der die Dimension der aktuellen Speicherkrise in der Halbleiterbranche verdeutlicht.

Speicherpreise als Auslöser

Der Grund für die Wiederauflage der älteren Architektur liegt in den Speicher- und Storage-Preisen, die sich laut Branchenangaben verdoppelt oder sogar verdreifacht haben. Der Fachhändler PowerGPU beschreibt die eigene Lage inzwischen als Überlebensmodus.

Auch andere Marktteilnehmer äußern sich alarmiert: MainGear rechnet damit, dass sich die Preisentwicklung in den kommenden zwei Jahren nicht entspannen wird. Zotac warnte, dass das Überleben der GPU-Partner insgesamt gefährdet sei. Als Zeichen der Konsolidierung im Partnergeschäft fusionierte Galaxy mit Palit.

Die Auswirkungen zeigen sich auch im Handel: Bei einem deutschen Einzelhändler sanken die CPU- und Mainboard-Verkäufe auf ein Viertel des Vorjahresniveaus.

Ältere GPUs dominieren weiterhin den Markt

Dass die RTX 3060 überhaupt wieder produziert wird, passt zu einem Trend, der sich auch in Nutzungsdaten zeigt. Laut dem Steam Hardware Survey für August 2026 ist die RTX 3060 mit 3,76 Prozent der Nutzer weiterhin die am weitesten verbreitete Grafikkarte – ein Rückgang gegenüber 6,1 Prozent im September 2023, aber ein leichter Anstieg gegenüber 3,71 Prozent im Vormonat.

Auch die 2019 erschienene GTX 1650 hält mit 2,37 Prozent noch einen relevanten Marktanteil. Unter den aktuellen RTX-50-Modellen ist die RTX 5060 mit 2,98 Prozent am häufigsten vertreten.

Preissteigerungen bei neuen Modellen

Parallel zur Rückkehr der RTX 3060 verteuern sich neue Grafikkarten deutlich. Die Preise für neue GPUs stiegen in diesem Sommer um bis zu 40 Prozent, da die Speichernachfrage das Angebot infolge des KI-Booms übersteigt.

Anzeige

Die RTX 3060 ist zurück – doch die Preise steigen weiter. Wer jetzt klug handelt, kann trotz Speicherkrise ein Schnäppchen ergattern. Unser Leitfaden zeigt, wie Sie die richtige Kaufentscheidung treffen. Jetzt kostenlosen GPU-Leitfaden anfordern

Auf Fabrikebene erhöhen sich die Preise um bis zu 500 RMB (umgerechnet etwa 74 US-Dollar) für Hersteller wie Asus, Galax und Gigabyte. NVIDIA selbst kürzt zudem die Lieferungen von Consumer-GPUs im dritten Quartal um 15 bis 20 Prozent.

Konkret erhöhte Galax die Preise für die RTX 5080 um 500 RMB, für die RTX 5070 Ti um 300 RMB und für die RTX 5070 um 200 RMB. Asus zog bei der RTX 5070 mit einem Aufschlag von 150 bis 300 RMB nach.

Gigabyte erhöhte die Preise für die RTX 5060 Ti 16GB um 200 RMB, für die RX 9070 XT um 200 RMB, für die RX 9060 XT um 200 bis 250 RMB und für die RX 7650 GRE um 400 RMB. Im Einzelhandelsangebot machen die Modelle RTX 5060 und RTX 5060 Ti 8GB mittlerweile 60 bis 70 Prozent aus.

Hintergrund: Angespannter Speichermarkt

Die Ursache der Krise liegt tiefer im Speichermarkt selbst. Laut Deloitte sind die Speicherpreise innerhalb eines Jahres um 500 Prozent gestiegen, DRAM-Preise könnten sich 2026 sogar vervierfachen.

Gleichzeitig binden große Speicherhersteller ihre Kapazitäten zunehmend in langfristige Verträge mit KI-Konzernen. Samsung etwa reserviert laut einem Bericht von SEDaily rund 70 Prozent seiner Speicherproduktion bis 2031 für langfristige KI-Deals mit Microsoft, NVIDIA und Google.

Der Spotpreis für 36GB HBM3E-Speicher liegt bei Samsung bereits bei rund 2,87 Millionen Won, verglichen mit 500.000 bis 700.000 Won im Vertragsgeschäft; 16-Lagen-HBM4-Speicher kostet demnach etwa 4,8 Millionen Won. Samsung erwägt zudem, seine S5-Foundry auf Speicherproduktion umzustellen, während SK hynix eine Partnerschaft mit japanischen Unternehmen prüft.

Verschärft wird die Lage durch NVIDIAs eigene Pläne: Der Konzern belebt das Rubin-CPX-Projekt für die Produktion im ersten Quartal 2027 wieder, das mit 168 GB HBM4-Speicher und 2.300 Watt pro GPU ausgestattet sein soll – das ursprüngliche GDDR7-Design wurde verworfen.

Anzeige

GPU-Preise explodieren, neue Modelle werden teurer – aber es gibt noch Chancen. Erfahren Sie, wie Sie mit der richtigen Strategie bis zu 40 % sparen können. So sparen Sie beim GPU-Kauf – jetzt lesen

Rubin CPX soll in einem eigenständigen MGX-ETL-Rack mit 64 bis 256 GPUs zum Einsatz kommen und im Verhältnis 1:1 mit Vera Rubin NVL72-Systemen gekoppelt werden.

Die zusätzliche HBM4-Nachfrage dürfte den bereits angespannten Speichermarkt weiter verschärfen. Insgesamt soll der globale Speicher-Capex von 58 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 97 Milliarden US-Dollar 2026 und 146 Milliarden US-Dollar 2027 steigen.