Auf dem Gebrauchtmarkt für Computerhardware treten zunehmend raffinierte Fälschungen von Hochleistungsgrafikkarten auf. Wie Berichte vom 10. Oktober 2026 dokumentieren, stieß der Reparatur-Spezialist Viktor Veklich, bekannt als Vik-On, auf eine aufwendig manipulierte Platine einer Nvidia GeForce RTX 4090. Ein Kunde hatte das Bauteil als vermeintlich defekte Basiskarte für rund 30.000 Rubel – umgerechnet etwa 350 US-Dollar beziehungsweise 2.400 Yuan – zu Reparaturzwecken erworben. Vor Ort stellte sich das angebliche Bastlerobjekt jedoch als Totalfälschung heraus.
Attrappen statt funktionstüchtiger Halbleiter
Bei der eingehenden Inspektion der Platine zeigte sich, dass anstelle eines echten Grafikprozessors ein äußerlich täuschend echter Dummy verbaut war. Das Bauteil wies typische Kennzeichnungen einer RTX 4090 auf, war mit einer Vergussmasse versehen und über reguläre BGA-Lötkugeln montiert, sodass es zunächst an ein technisches Muster erinnerte.
Nach dem Ablöten des Dummy-Chips traten deutliche Unterschiede zu Originalkomponenten zutage. Das Trägersubstrat wies eine gelbliche statt der üblichen grauen Farbgebung auf, zudem wichen Oberflächenreflexionen und Beschriftungen ab. Die Kontaktfläche besaß keinerlei elektrische Funktionalität, und beim anschließenden Säubern löste sich der Lötstopplack ab.
Auch beim Videospeicher stieß Veklich auf Manipulationen: Die verbauten Chips trugen Aufschriften, die optisch denen des Herstellers Micron ähnelten. Nach dem Auslöten stellte sich heraus, dass vermutlich günstigerer GDDR6-Speicher anstelle des regulären GDDR6X-Speichers verbaut worden war.
Eine Instandsetzung der Karte ist ausgeschlossen. Nach unbestätigten Einschätzungen könnte das verwendete Platinenlayout ursprünglich von einer RTX 3090 Ti stammen.
Hinweise auf industrielle Nachfertigung
Nach Angaben des betroffenen Käufers bot der Verkäufer noch fünf oder sechs weitere Platinen dieser Art an. Veklich vermutet hinter den Manipulationen eine strukturierte Serienfertigung, womöglich in einer Produktionsstätte in China.
Fälschungen dieser Güteklasse sind im zusammengebauten Zustand und auf einfachen Fotos kaum zu erkennen — erst nach dem Ausbau zeigen sich gelbliches Substrat, bläuliche Vergussmasse und GDDR6 statt GDDR6X. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, welche Nahaufnahmen Sie vor dem Kauf einfordern und woran Sie eine manipulierte Platine entlarven. Prüf-Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
Wie Berichte vom 11. Oktober 2026 verdeutlichen, beschränkt sich das Phänomen nicht auf Einzelfälle im russischen Raum. Auf dem chinesischen Gebrauchtmarktplatz Goofish bot ein Händler aus Shenzhen gefälschte Platinen unter der Bezeichnung „NVIDIA GTX4090-24G“ für 350 Renminbi (rund 52 US-Dollar) an.
Die Offerte, die mindestens 27 Kommentare und 187 Vormerkungen verzeichnete, deklarierte das Bauteil mit Nachbau-GPU ausdrücklich als funktionsunfähig sowie ausschließlich für Dekoration oder Reparaturversuche gedacht, bei gleichzeitigem Ausschluss einer Rückgabe.
Erkennungsmerkmale und Vorsichtsmaßnahmen
Reparaturexperten weisen darauf hin, dass Fälschungen dieser Güteklasse im zusammengebauten Zustand oder auf einfachen Fotos kaum zu erkennen sind. Zu den identifizierten Merkmalen gehören eine bläuliche statt graue Masse am Rand des Grafikprozessors sowie das abweichend gefärbte Substrat.
Wer eine defekte RTX 4090 als Reparaturprojekt kauft, hat bei einem Betrug oft keine Rückgabe-Option — der Verkäufer verschwindet, das Geld ist weg. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, Risiko-Angebote vorab zu filtern: an welchen Merkmalen Sie unseriöse Inserate erkennen und wie Sie sichere Bezugsquellen für Gebraucht-Hardware finden. Risiko-Check für Gebrauchtkäufe starten
Branchenexperten raten Interessenten auf Gebrauchtmärkten daher dringend dazu, vor einem Kauf detaillierte Nahaufnahmen des Hauptprozessors und der VRAM-Bausteine einzufordern, um Fälschungen vorab auszuschließen.

