Ein massiver Ransomware-Angriff auf die rumänische Katasterbehörde ANCPI hat das Land in eine beispiellose Immobilienkrise gestürzt. Die Attacke gilt als einer der schwersten Cybervorfälle innerhalb der Europäischen Union in diesem Jahr.
Systeme komplett kompromittiert
Die Eindringlinge verschafften sich Mitte Juli vollständige Kontrolle über die digitale Infrastruktur der Behörde. Besonders brisant: Zum Zeitpunkt des Angriffs lief auf den Servern der ANCPI kein Antivirenprogramm. Diese Sicherheitslücke nutzten die Angreifer skrupellos aus. Sie kompromittierten 1.083 virtuelle Maschinen und löschten rund 100 davon.
Der Bericht der nationalen Cybersicherheitsbehörde DNSC vom 22. Juli zeichnet ein düsteres Bild. Die Täter verschlüsselten ESXi-Server und erbeuteten rund zwei Millionen Benutzerdatensätze – darunter Namen, E-Mail-Adressen und Passwort-Hashes. Auch der Quellcode kritischer Anwendungen wie eTerra, GIS und ePayment wurde gestohlen. Die Angreifer nutzten dabei Sicherheitslücken in ungepatchter Software, darunter GitLab, VMware vCenter 6.0 und IBM WebSphere.
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Täter identifiziert – Erpressung gescheitert
Die Gruppe „ByteToBreach“, die mit einer Person namens Zakaria Mahdjoub in Verbindung gebracht wird, bekannte sich zu der Tat. Nachdem ein erster Erpressungsversuch bei der Behörde fehlschlug, löschten die Angreifer Teile der Grundbuchdaten. Gestohlene interne Dokumente und Netzwerkzugänge bieten sie nun im Darknet zum Verkauf an.
Die primäre Oracle-Exadata-Datenbank der Behörde blieb zwar unversehrt. Doch die flächendeckende Verschlüsselung virtueller Maschinen und die Löschung sekundärer Datensätze haben die e-Terra-Anwendung lahmgelegt. Sie ist das Herzstück rumänischer Immobiliengeschäfte – und für Bürger wie Fachleute gleichermaßen unzugänglich.
Steuererhöhung droht zum Desaster zu werden
Die zeitliche Überschneidung mit einer geplanten Steuererhöhung verschärft die Krise dramatisch. Zum 1. August 2026 soll die Mehrwertsteuer auf Wohnimmobilien von neun auf 21 Prozent steigen. Wegen des Systemausfalls können Notare jedoch keine Grundstücksverkäufe mehr registrieren. Tausende Transaktionen liegen auf Eis.
Ehemalige hochrangige Regierungsbeamte fordern bereits eine Verschiebung der Steuererhöhung, um Käufer zu schützen, die durch den Systemstillstand in der Falle sitzen. Die ANCPI versichert zwar, über mehrere Backups zu verfügen – darunter ein Offline-Backup und ein repliziertes System in Brașov. Branchenexperten schätzen die vollständige Wiederherstellung jedoch auf drei bis sechs Monate.
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Milliardenausgaben – aber kaum Investitionen in Sicherheit
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die jahrelange Vernachlässigung der Cybersicherheit. Rund 135 Millionen Euro flossen in Digitalisierungsprojekte – doch gerade einmal 305.000 Euro, also etwa 0,2 Prozent des Gesamtbudgets, wurden für Cybersicherheit ausgegeben. Dabei hatte die DNSC wiederholt vor den systemischen Schwachstellen gewarnt.
Für den rumänischen Immobilienmarkt bedeutet die Attacke eine Zäsur. Wie lange die Lähmung anhält und ob die geplante Steuererhöhung tatsächlich kommt, ist völlig offen.

