Besonders brisant: Ausgerechnet die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung steht im Zentrum der Kontroversen.
Falschmeldung über KI-Überwachung sorgt für Aufruhr
Am vergangenen Wochenende verbreitete sich eine Kettennachricht rasant auf WhatsApp. Die Behauptung: Die künstliche Intelligenz von Meta überwache private Chats. Die Aufregung war groß – doch sie war völlig unbegründet.
Das Faktencheck-Portal Mimikama stellte am Sonntag klar: Die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bleibt intakt. Weder Meta noch seine KI-Systeme haben Zugriff auf private Unterhaltungen. Die KI verarbeitet ausschließlich Inhalte, die Nutzer aktiv mit ihr teilen. Bereits im Sommer 2025 kursierten ähnliche Falschmeldungen.
Neue Funktionen trotz Sicherheitsbedenken
Parallel zu den Fake-News testet Meta eine neue Funktion namens „Side Chat“. Sie erlaubt es Nutzern, direkt aus einem laufenden Gespräch heraus mit der KI zu interagieren – ohne den Chat zu verlassen. Nach ersten Berichten erfolgt die Verarbeitung lokal und ohne dauerhafte Speicherung.
Erst am Samstag führte der Konzern zudem ein zentrales Meta-Konto ein. Es bündelt Sicherheitseinstellungen über alle Apps hinweg und bietet biometrische Authentifizierung sowie elterliche Kontrollfunktionen.
Hacker-Angriffe auf mehreren Fronten
Die Sicherheitsbehörden schlagen Alarm. Gleich mehrere aktive Angriffswellen bedrohen WhatsApp-Nutzer weltweit:
Das indische CERT-In warnte am Donnerstag vor einer neuen Betrugsmasche. Angreifer verschicken getarnte „.vbs“-Dateien, die als Finanzdokumente daherkommen. Wer sie öffnet, installiert unbemerkt ein Fernzugriffs-Tool. Betroffen sind vor allem Windows-Nutzer. Der Sicherheitsanbieter Kaspersky bestätigte am Samstag, dass die Kampagne bereits Nutzer in Spanien und weiteren Ländern erreicht hat.
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Noch gefährlicher: Eine gemeinsame Warnung von FBI und CISA vom Samstag enthüllt russische Hackergruppen. Die als UNC5792 und UNC4221 bekannten Einheiten zielen gezielt auf Wiederherstellungsschlüssel von WhatsApp und Signal ab. Über Phishing-Nachrichten locken sie Nutzer dazu, ihre Backup-Keys preiszugeben. Das US-Außenministerium hat eine Belohnung von umgerechnet rund 9,2 Millionen Euro für Hinweise zur Identität der Drahtzieher ausgesetzt.
Texas verklagt Meta – EU plant Chat-Kontrolle
Ein schwerer Schlag für Metas Glaubwürdigkeit: Der texanische Generalstaatsanwalt Ken Paxton verklagte Meta am Sonntag. Seine Vorwurf: WhatsApp halte die versprochene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gar nicht ein. Die Klage stützt sich auf Aussagen aus dem Jahr 2018 und Medienberichte. Unabhängige Analysten fanden 2023 jedoch keine Belege für eine Verletzung des Verschlüsselungsprotokolls.
Parallel dazu steht die EU vor einer Entscheidung. Am heutigen Montag findet der finale Trilog zur umstrittenen „Chat Control 2.0“ -Gesetzgebung statt. Der Vorschlag würde vorschreiben, private Nachrichten auf Kindesmissbrauchsmaterial zu scannen. Kritiker warnen: Das würde faktisch das Ende der Ende-zu-Ende-Verschlüsselung bedeuten.
Interne Datenpanne und KI-Moderation außer Kontrolle
Doch nicht nur von außen droht Gefahr. Interne Pannen erschüttern das Unternehmen:
Am 22. Juni stoppte Meta eine interne „Model Capability Initiative“ (MCI). Das im April gestartete Programm zeichnete Tastatureingaben und Mausbewegungen von Mitarbeitern auf – angeblich für KI-Training. Doch die gesammelten Daten waren für alle Angestellten einsehbar. Fast 2.000 Mitarbeiter unterschrieben eine Petition gegen das Projekt, bevor es ausgesetzt wurde.
Zudem bestätigte Metas Aufsichtsgremium im Juni, dass die KI-gesteuerte Moderation massenhaft falsche Kontosperrungen verursacht. Eine Petition mit rund 56.000 Unterschriften fordert Reformen. Betroffene berichten, dass Familienfotos fälschlicherweise von automatischen Systemen markiert werden – ohne Möglichkeit einer menschlichen Überprüfung.
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Neue Schutzfunktion gegen Betrug
Als Reaktion auf die zunehmenden Betrugsversuche führte WhatsApp am Samstag eine neue Sicherheitsfunktion ein: Eine 10-Sekunden-Verzögerung, bevor Nutzer mit unbekannten Kontakten interagieren können. In dieser Zeit werden zusätzliche Informationen wie das Herkunftsland und gemeinsame Gruppen angezeigt. Ein kleiner Schritt – aber angesichts der aktuellen Bedrohungslage ein dringend notwendiger.

