Ein Drohnenangriff auf das Rechenzentrum des russischen Technologiekonzerns Yandex in Sasowo in der Region Rjasan hat ein Feuer ausgelöst und die Anlage vollständig lahmgelegt.
Der Standort, rund 300 Kilometer östlich von Moskau gelegen, musste seinen Betrieb komplett einstellen, wie aus Berichten vom 8. Oktober 2026 hervorgeht. Der Vorfall führte zu weitreichenden Internetausfällen in Russland und beeinträchtigte Cloud-Dienste, Finanzinstitute, Medienseiten sowie den Mobilfunk.
Stillstand im größten Rechenzentrum des Konzerns
Die Anlage in Sasowo gilt laut Unternehmensangaben als größter Rechenzentrumsstandort von Yandex und ist einer von fünf großen Knotenpunkten des Konzerns in Russland. Der 2012 errichtete und 2014 in Betrieb genommene Komplex wird von der Tochtergesellschaft Yandex DC LLC betrieben. Er verfügt über eine eigene 110-kV-Umspannstation und eine maximale Stromversorgungskapazität von 53 Megawatt.
Zudem beherbergt der Standort Zehntausende Server. Nach Angaben aus dem Jahr 2021 standen dort auch zwei von drei Yandex-Supercomputern mit Nvidia-A100-Chips, die unter anderem für das Training von YandexGPT genutzt werden. Ob diese Systeme beschädigt wurden, wollte das Unternehmen nicht kommentieren.
Yandex bestätigte über den Kurznachrichtendienst Telegram einen Stromausfall, stellte jedoch keine direkte öffentliche Verbindung zu dem Angriff her. Die Konzerntochter Yandex Cloud teilte mit, dass die Verfügbarkeitszone ru-central1-b ausgefallen sei und die Systemlast auf andere Standorte umgeleitet wurde.
Während Kernangebote für Endnutzer wie die Internetsuche und der Taxidienst weiterliefen, kam es bei Diensten wie Yandex Cloud, Datenspeichern, Datenbanken sowie Yandex Disk und Yandex Documents zu Problemen.
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E-Mail-Dienste wurden später wiederhergestellt. Yandex erklärte, das Ausmaß der Schäden werde geprüft; man könne noch nicht feststellen, ob die beschädigte Ausrüstung instand gesetzt werden kann. An der Moskauer Börse gaben die Yandex-Aktien am Donnerstagmorgen um mehr als drei Prozent nach.
Breite Ausfälle im russischen Digitalnetz
Die Störung des Sasowo-Hubs hatte erhebliche Auswirkungen auf die digitale Infrastruktur im Land. Die Überwachungsorganisation NetBlocks registrierte einen Einbruch der Konnektivität im Yandex-Netzwerk auf rund 70 Prozent des Normalniveaus. Das russische Störungsportal Detector404 verzeichnete über den Tag hinweg 58.268 Beschwerden, darunter mehr als 1.300 Meldungen speziell zu den Cloud- und Dokumentendiensten von Yandex.
Zahlreiche externe Unternehmen und Plattformen meldeten Ausfälle. Unter anderem waren die Dienste des Kleinanzeigenportals Avito, der T-Bank, der Online-Videothek Ivi sowie der Immobilienplattform CIAN gestört.
Probleme betrafen zudem die Internetseiten der Russischen Eisenbahnen (RZD), des Fußballclubs Spartak Moskau und den digitalen Ticketverkauf für Regionalbusse in der Moskauer Region. Medienseiten wie Kommersant, RBC, Vedomosti und RIA Novosti waren ebenfalls zeitweise nicht erreichbar. Die Ausfälle konzentrierten sich vor allem auf Moskau, St. Petersburg und die Region Nowosibirsk.
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Militärischer Hintergrund und Reaktionen
Nach Angaben des Gouverneurs der Region Rjasan, Pawel Malkow, fing die Luftabwehr zwei ukrainische Drohnen ab; im Distrikt Sasowo geriet daraufhin das Dach eines Unternehmens in Brand, und Fenster in umliegenden Wohngebäuden wurden beschädigt. Das russische Verteidigungsministerium erklärte, in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober seien landesweit sowie über dem Schwarzen Meer insgesamt 399 Drohnen abgefangen worden.
Daten des satellitengestützten Brandmeldesystems NASA FIRMS bestätigten ein Feuer am Standort Sasowo. Opfer wurden nicht gemeldet, Rettungskräfte waren im Einsatz.
Andriy Kovalenko, Leiter des ukrainischen Zentrums zur Bekämpfung von Desinformation, beanspruchte die Verantwortung für den Angriff und verwies darauf, dass beide Seiten zu solchen Maßnahmen in der Lage seien.
Ende des Vormonats hatten russische Angriffe mindestens sechs Rechenzentren in der Ukraine beschädigt, darunter MiroHost und Parkovy, und die Netze von Betreibern wie Kyivstar und Ukrtelecom beeinträchtigt.
Vor dem Hintergrund der anhaltenden Bedrohung kritischer digitaler Netze hatte die russische Führung dem Staat bereits im August erweiterte Eingriffsrechte eingeräumt, während russische Unternehmen laut RBC Verhandlungen über Rechenkapazitäten im befreundeten Ausland führen.

