AMD hat in dieser Woche eine Reihe von Neuerungen für seine Ryzen-Prozessoren vorgestellt – von einer leistungsstarken KI-Entwicklerplattform bis zur Wiederbelebung alter Architekturen für den Einstiegsmarkt. Die Entwicklungen geben einen Ausblick auf die Strategie des Chip-Herstellers bis 2027.
Strix Halo: KI-Entwicklerplattform für 3.999 Euro
Mit dem Ryzen AI Halo Developer Platform bringt AMD einen kompakten Mini-PC auf den Markt, der speziell für KI-Entwickler konzipiert ist. Das Herzstück bildet der Ryzen AI Max+ 395 APU mit 16 Zen-5-Kernen, 32 Threads und einer Radeon 8060S Grafik mit 40 RDNA-3.5-Recheneinheiten.
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Der Preis liegt bei rund 3.999 Euro – doch die Ausstattung kann sich sehen lassen: 128 Gigabyte LPDDR5X-8000 Unified Memory sorgen für enorme Speicherbandbreite. Damit lassen sich große KI-Modelle mit bis zu 200 Milliarden Parametern lokal ausführen. Erste Tests zeigen, dass etwa das Modell Qwen3-235B mit rund 11 Tokens pro Sekunde läuft.
Wer günstiger einsteigen möchte, könnte bald Alternativen finden: Drittanbieter wie GMKtec planen mit dem EVO-X2 ähnliche Hardware für 1.500 bis 1.800 Euro. Und für echte Schwergewichte ist bereits eine 192-GB-Version namens Ryzen AI Max+ PRO 495 für das dritte Quartal 2026 angekündigt.
Olympic Ridge: Zen 6 ohne integrierte Grafik
Blickt man auf 2027, zeichnen sich interessante Änderungen ab. Die kommende Olympic-Ridge-Generation setzt auf Zen-6-Kerne, gefertigt im 2-Nanometer-Verfahren (N2P) von TSMC. Eine überraschende Neuerung: AMD plant offenbar, die bisher übliche integrierte Grafikeinheit (iGPU) zu entfernen.
Stattdessen soll ein dedizierter Neural Processing Unit (NPU) im Input/Output-Die Platz finden. Die Chips unterstützen CUDIMM DDR5-Speicher und sind in Konfigurationen von 6 bis 24 Kernen geplant. Damit tritt AMD direkt gegen Intels Nova-Lake-S-Prozessoren an, die ebenfalls 2027 erwartet werden.
Sicherheitslücke oder Marketing-Trick?
Für Aufsehen sorgt eine stille Änderung in der Firmware: AMD hat die Transparent Secure Memory Encryption (TSME) auf Consumer-Ryzen-Prozessoren deaktiviert. Die Funktion schützt den Arbeitsspeicher vor physischen Angriffen wie Cold-Boot-Attacken.
Die Deaktivierung erfolgte über AGESA-Firmware-Updates. Zwar bleibt die Option in manchen BIOS-Menüs sichtbar, funktioniert aber nicht mehr – selbst auf High-End-Modellen wie dem Ryzen 7 9800X3D. Nur die PRO-Serie behält die Funktion.
Analysten sehen darin eine klare Abgrenzung zwischen Enthusiasten- und Profi-Hardware. Für Nutzer, die etwa Kryptowährungs-Knoten betreiben, bedeutet das weniger Sicherheitsoptionen auf Hardware-Ebene.
Zurück in die Vergangenheit: Zen 2 und Zen+ neu aufgelegt
Für den Einstiegsmarkt holt AMD alte Bekannte zurück. Im zweiten Quartal 2026 erscheinen erneut der Ryzen 7 4700LE (Zen 2) sowie die Modelle Ryzen 5 3501U und Ryzen 3 3100U (Zen+). Diese Chips sind für günstige Systeme mit DDR4-Speicher gedacht, der weiterhin deutlich preiswerter ist als aktuelles DDR5.
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BIOS-Update und neuer X3D-Prozessor
Parallel dazu veröffentlicht AMD das AGESA 1.3.0.1b-Update für AM5-Mainboards. Es bringt Unterstützung für EXPO Ultra-Low-Latency (ULL) und senkt nach ersten Tests die SOC-Spannungen sowie CPU-Temperaturen unter Volllast.
Für Enthusiasten gibt es zudem den Ryzen 9 9950X3D2. Der 16-Kerner nutzt 3D-V-Cache-Technologie und behebt ein bekanntes Problem früherer X3D-Modelle: die asymmetrische Kernverteilung. Das macht ihn besonders interessant für professionelle Workloads, die sowohl viele Kerne als auch großen Cache benötigen.

