Salzstreuer: Häufiges Nachsalzen geht mit 37 Prozent mehr Depressionen einher

Forschungsarbeiten verbinden hohen Salzkonsum mit Depressionen und untersuchen Alterungsprozesse sowie mögliche Folgen für Gehirn und Darm.

•

Ein übermäßiger Salzkonsum steht zunehmend im Fokus der medizinischen Forschung. Mehrere wissenschaftliche Publikationen beleuchten die Zusammenhänge zwischen einer salzreichen Ernährung, allgemeinen Gesundheitsrisiken und einer möglichen Beschleunigung der biologischen Alterungsprozesse.

Die Untersuchungen reichen von großen epidemiologischen Auswertungen bis hin zu tierexperimentellen Modellen, die mögliche Auswirkungen auf das Gehirn und Stoffwechselprodukte untersuchen.

Erhöhtes Depressionsrisiko durch häufiges Nachsalzen

Einen Zusammenhang zwischen dem Griff zum Salzstreuer und der psychischen Gesundheit analysierte ein Forscherteam der Huazhong-Universität in Wuhan. Die Wissenschaftler werteten Daten von fast 440.000 Menschen aus.

Das Ergebnis: Personen, die ihre Mahlzeiten praktisch immer nachsalzten, erkrankten 37 % wahrscheinlicher an Depressionen als diejenigen, die konsequent auf das zusätzliche Salzen verzichteten.

Wie ein Bericht der Zeitung DIE RHEINPFALZ vom 01.10.2026 darlegte, steht neben psychischen Faktoren auch die Vermutung im Raum, dass ein hoher Salzkonsum die biologische Alterung beschleunigen könnte.

Biologisches Alter und chronologische Differenzen

Hintergründe zu beschleunigten Alterungsprozessen liefert unterdessen eine Studie in Nature Medicine, über die am 29.09.2026 berichtet wurde. Die Autoren untersuchten unter anderem Daten von mehr als 154.000 Teilnehmenden der UK Biobank sowie über 10.000 Personen aus dem US-Forschungsprogramm All of Us.

Bei den Geburtsjahrgängen 1965 bis 1974 fiel die Differenz zwischen biologischem und chronologischem Alter um 23 % höher aus als bei den Jahrgängen 1950 bis 1954. Bei den zwischen 1990 und 1999 Geborenen lag diese Differenz sogar um 92 % und damit fast doppelt so hoch wie bei den Jahrgängen 1965 bis 1969.

Anzeige

Wer sich mit den Auswirkungen von Ernährungsgewohnheiten auf den Körper befasst, sollte auch seine inneren Werte im Blick behalten. Dieser kostenlose Report erklärt, wie Sie Ihre Laborwerte selbst richtig deuten und Vitalstoffmängel frühzeitig erkennen können. Kostenlosen Laborwerte-Selbstcheck jetzt anfordern

Laut der Studie stiegen die weltweiten Krebsneudiagnosen bei unter 50-Jährigen im Zeitraum von 1990 bis 2019 um 24 %. Bei Personen mit der größten Altersdifferenz zeigte sich ein um 15 % höheres Risiko für bestimmte Krebsarten.

Eine beschleunigte Immunalterung ging mit einem fast 90 % höheren Risiko für früh einsetzenden Lungenkrebs einher, während eine beschleunigte Fettgewebsalterung mit einem um 60 % höheren Risiko für früh einsetzenden Darmkrebs verbunden war. Die Forschenden betonten, dass es sich um Beobachtungszusammenhänge und keinen Kausalitätsbeweis handelt.

Tiermodelle zu Gehirnfunktion und Darmgesundheit

Mögliche Mechanismen im Organismus wurden in tierexperimentellen Arbeiten untersucht. Eine in Food Research International veröffentlichte Studie untersuchte 32 männliche Mäuse über einen Zeitraum von 14 Wochen.

Verglichen wurden normale, stark salzarme sowie stark salzreiche Ernährungsformen, ergänzt durch eine vierte Kontrollgruppe mit normalem Futter. Beide Extremdiäten führten zu Beeinträchtigungen des Kurzzeit- und des Wiedererkennungsgedächtnisses, wobei der Effekt bei der Hochsalzdiät am stärksten ausfiel.

Anzeige

Der Zusammenhang zwischen Ernährung und geistiger Leistungsfähigkeit rückt immer stärker in das Interesse der Forschung. Mit diesen 11 einfachen Alltagsübungen und gezielten Tipps können Sie Ihr Gehirn aktiv trainieren und Demenz vorbeugen. Gratis-Ratgeber für geistige Fitness herunterladen

Zudem senkten beide extremen Ernährungsweisen die Konzentrationen der kurzkettigen Fettsäuren Propionat und Butyrat im Darm. Die salzarme Diät verringerte zusätzlich Acetat und Isobutyrat, während die Hochsalzgruppe erhöhte Entzündungsmarker aufwies.

Die Autoren wiesen darauf hin, dass es sich um eine kleine Studie mit extremen Fütterungen handelt; ein Nachweis für eine Übertragbarkeit auf den Menschen oder eine direkte Kausalität der Stoffwechselprodukte für den Gedächtnisverlust besteht nicht.

Eine weitere Untersuchung an 84 männlichen APP/PS1-Alzheimer-Modellmäusen erstreckte sich über sechs Monate. Dabei erhielten 43 Tiere Normalfutter mit 0,4 % Salz und 41 Tiere eine extrem salzreiche Nahrung mit einem Salzgehalt von 8 %.

Die Hochsalzgruppe wies mehr Amyloid-Plaques, weniger Neuronen, stärkere Entzündungsprozesse im Gehirn sowie Veränderungen der Darmbakterien auf. Die verabreichte Dosis entspräche laut den Forschenden rund 34 Gramm Salz täglich bei einem 60 Kilogramm schweren Erwachsenen.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen einen Konsum von unter 5 Gramm Salz pro Tag. Auch hier sehen die Wissenschaftler zwar Zusammenhänge zwischen Mikrobiom und Hirnschäden, betonen jedoch das Fehlen eines Kausalitätsnachweises und von Tests am Menschen.