Sam Altman fordert: KI-Kontrolle ohne staatliche Vorab-Genehmigung

Sam Altman plädiert für verpflichtende Risikotests statt staatlicher Lizenzen für KI-Modelle. Ein überparteilicher Konsens zeichnet sich bei der Gewinnverteilung ab.

Der OpenAI-CEO traf sich am 3. Juni mit Spitzenpolitikern beider Parteien sowie Vertretern des Weißen Hauses. Seine Kernbotschaft: Die Regulierung müsse sich auf verpflichtende Risikobewertungen konzentrieren, nicht auf behördliche Freigaben vor der Markteinführung neuer Modelle.

Keine staatliche Zulassungspflicht für KI-Modelle

Altman sprach auf dem Capitol Hill unter anderem mit Sprecher Mike Johnson über die Zukunft der bundesweiten KI-Aufsicht. Der OpenAI-Chef lehnt formale Regierungslizenzen oder Genehmigungen vor der Veröffentlichung neuer KI-Systeme ab. Stattdessen fordert sein Unternehmen mehr Mittel für die Test-Infrastruktur im US-Handelsministerium. Geplant ist der Aufbau eines Expertenpools für Cybersicherheit, biologische Bedrohungen und nationale Sicherheit, der sogenannte Frontier-Modelle rigoros evaluieren soll.

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Die Initiative fällt mit der Einführung des „Great American Artificial Intelligence Act of 2026″ am 4. Juni zusammen. Das 269-seitige Gesetzespaket ist der dritte Versuch, einen Flickenteppich unterschiedlicher KI-Regulierungen auf Bundesstaatenebene zu verhindern. Es enthält Sicherheitsmaßnahmen wie Prüfpflichten und Whistleblower-Schutz, sieht aber auch ein dreijähriges Moratorium für landesrechtliche Regelungen zur KI-Entwicklung vor.

Einigkeit bei der Verteilung von KI-Gewinnen

Trotz politischer Gegensätze zeichnet sich Anfang Juni ein überraschender Konsens ab. Altman, Präsident Trump, Senator Bernie Sanders und Elon Musk befürworten allesamt Mechanismen, die der amerikanischen Bevölkerung einen Anteil an den wirtschaftlichen Vorteilen der Technologie sichern sollen.

Altman schlägt die Schaffung eines öffentlichen Vermögensfonds oder eines Systems universellen Grundbesitzes vor. Diese Idee verfolgt er bereits seit Anfang 2025 in Gesprächen mit der Regierung. Während Trump über staatliche Beteiligungen an führenden KI-Firmen wie OpenAI und xAI nachdenkt, fordert Sanders eine 50-prozentige öffentliche Beteiligung oder eine Steuer auf KI-Aktien. Altman lehnte die 50-Prozent-Lösung in Treffen mit Sanders ab, bleibt aber ein Befürworter der sogenannten „KI-Dividende“.

OpenAI erreichte im März 2026 eine Bewertung von 852 Milliarden Dollar – umgerechnet rund 790 Milliarden Euro. Der Konkurrent Anthropic liegt mit 965 Milliarden Dollar (etwa 895 Milliarden Euro) sogar noch höher. Beide Unternehmen bereiten sich offenbar auf Börsengänge vor; Anthropic reichte bereits am 1. Juni einen vertraulichen IPO-Antrag ein.

Infrastruktur und nationale Sicherheit als Schlüsselthemen

In seinen Anhörungen und Meetings betonte Altman den dringenden Bedarf an erweiterten Rechenzentren und Energieinfrastruktur, um die Wettbewerbsfähigkeit der USA zu sichern. Die Geschwindigkeit von Genehmigungsverfahren und die Verfügbarkeit von Strom seien kritische Engpässe für die Branche.

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Diese Forderungen spiegeln jüngste Maßnahmen des Weißen Hauses wider. Am 2. Juni unterzeichnete Präsident Trump eine Executive Order, die einen freiwilligen Rahmen für die Zusammenarbeit zwischen Regierung und KI-Entwicklern bei Frontier-Modellen schafft. Die Order sieht ein 30-tägiges Vorab-Prüfungsfenster vor, verzichtet aber auf verpflichtende Lizenzen. Am 5. Juni folgte das National Security Presidential Memorandum 11, das Militär und Geheimdienste anweist, die Einführung fortschrittlicher KI zu beschleunigen und gleichzeitig heimische Modelle vor ausländischem Diebstahl zu schützen – mit explizitem Hinweis auf den Wettbewerb mit China.

Internationale Standards und Jugendschutz

Über die nationale Regulierung hinaus versucht OpenAI, die internationalen Standards vor dem G7-Gipfel in Évian zu beeinflussen. Das Unternehmen schlägt die Gründung eines internationalen Instituts für Jugendsicherheit im Bereich KI vor.

Im Rahmen dieser Initiative veröffentlichte OpenAI neun Prinzipien zum Schutz jüngerer Nutzer. Dazu gehören altersgerechte Sicherheitsmaßnahmen und ein vollständiges Werbeverbot gegenüber Minderjährigen. Das Unternehmen arbeitet mit der American Federation of Teachers und Common Sense Media an der Entwicklung dieser Sicherheitsrahmen. Der Vorstoß folgt auf Berichte von Branchenkollegen wie Anthropic, die kürzlich zu einer koordinierten weltweiten Verlangsamung der Entwicklung aufgerufen hatten, um die Risiken rekursiver Selbstverbesserung von KI-Systemen zu kontrollieren.