Ausweitung der Vorwürfe
Die Federal Trade Commission (FTC) hat ihre seit November 2024 laufende Kartelluntersuchung gegen Microsoft deutlich verschärft. Im Fokus stehen nun die Cloud-Computing-Dienste, die Künstliche Intelligenz sowie die Praxis, Softwareprodukte zu bündeln. Die Behörde hat sogenannte Civil Investigative Demands (CIDs) an mindestens sechs Wettbewerber von Microsoft verschickt. Diese verlangen detaillierte Auskünfte über Lizenzierungsmodelle und die Kopplung von Sicherheits- und Office-Software mit der Azure-Cloud-Plattform.
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Konkret prüfen die Regulierer den Vorwurf, Microsoft habe 2019 seine Lizenzbedingungen so geändert, dass das Ausführen von Windows-Software auf konkurrierenden Cloud-Plattformen teurer sei als auf Azure. Wettbewerber wie Google hatten dies bereits öffentlich als Missbrauch der Marktmacht kritisiert.
KI-Investitionen im Visier
Ein weiterer Schwerpunkt der Ermittlungen sind Microsofts milliardenschwere Investitionen in OpenAI und die eigenen KI-Forschung. Die FTC will klären, ob diese Partnerschaften dem Konzern einen unfairen Vorteil im rasant wachsenden KI-Markt verschaffen. Die Frage ist brisant: Könnte Microsoft durch seine enge Verflechtung mit OpenAI zum Gatekeeper einer Schlüsseltechnologie werden?
Neue Klage aus der Gaming-Welt
Der juristische Druck auf Microsoft wächst. Am 1. Juni 2026 reichte eine Gruppe von Spielern eine Sammelklage vor dem US-Bezirksgericht für den westlichen Distrikt von Washington ein. Die Kläger werfen Microsoft vor, mit Valve sogenannte Kickback-Vereinbarungen getroffen zu haben, um die Preise für PC-Spiele künstlich zu fixieren. Dies habe die Qualität und Vielfalt des Spielemarktes beeinträchtigt.
Internationale Front gegen Microsoft
Microsoft steht weltweit unter Beobachtung. Die Wettbewerbsbehörden der Europäischen Union, Großbritanniens und Japans ermitteln parallel zu den Cloud-Geschäftspraktiken des Konzerns. In Großbritannien hat die Competition and Markets Authority (CMA) eine Untersuchung zum „Strategischen Marktstatus“ eingeleitet. Die Frist für Stellungnahmen endet am 4. Juni 2026.
Die EU plant für den 3. Juni 2026 die Vorstellung des „Cloud and AI Development Act“. Dieses Gesetz könnte strenge Kriterien für Cloud-Dienste in sensiblen Bereichen wie Banken, Energie und Gesundheitswesen einführen. Das Ziel: Europäische Hardware und Software bei strategischen Ausschreibungen bevorzugen und große US-Anbieter wie Microsoft zurückdrängen.
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Milliarden-Umstellung im Vertrieb
Trotz der regulatorischen Turbulenzen treibt Microsoft interne Reformen voran. 2026 stellt der Konzern seine Enterprise Agreements (EA) auf ein direktes Abrechnungssystem um. Branchenbeobachter weisen darauf hin, dass damit eine Provisionspools für Partner wegfällt, der 2023 noch rund 2,5 Milliarden Euro umfasste. Kritiker befürchten, dass der fehlende Ausgleich für Partner zu einem Verlust spezialisierten Fachwissens im Vertriebskanal führen könnte.
KI-Wachstum und neue Hardware
Die Geschäfte laufen indes glänzend. Im Frühjahr 2026 meldete Microsoft einen Anstieg der KI-bezogenen Umsätze um 123 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Unterstützt wird dieses Wachstum durch neue Hardware: Am 1. Juni 2026 präsentierte Nvidia auf der Computex in Taipeh den RTX Spark Superchip. Dieser bringt leistungsstarke KI-Funktionen direkt auf den PC und wird ab Herbst 2026 in einer neuen Gerätegeneration verbaut – darunter auch Microsofts Surface-Reihe.
Mit einer Marktkapitalisierung von rund drei Billionen Euro bleibt Microsoft der zentrale Player der globalen Tech-Landschaft. Ob die geballte regulatorische Offensive der Behörden den Giganten ernsthaft gefährden kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

