Samsung bereitet zwei Modelle von AR-Datenbrillen vor

Samsung bereitet zwei AR-Brillenmodelle für den Massenmarkt vor: eine leichte KI-Brille und ein Modell mit Display-Technik.

Nach dem Start des Galaxy XR-Headsets im Herbst 2025 arbeitet Samsung nun an zwei unterschiedlichen Modellen für den Massenmarkt.

Interne Software-Updates und Bestätigungen aus der Führungsetage zeigen: Samsung steckt in der finalen Entwicklungsphase für zwei Varianten von AR-Datenbrillen. Analysten entdeckten im aktuellen One UI 9-Code gleich drei Modellbezeichnungen: SM-O200P, SM-O200J und SM-O500. Dahinter stecken zwei Produktlinien, die das Android-XR-Ökosystem erweitern sollen.

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Zwei Modelle für unterschiedliche Zielgruppen

Die erste Variante trägt den Codenamen Jinju (SM-O200). Dabei handelt es sich um eine KI-gesteuerte Datenbrille ohne komplexes Display-System. Sie soll noch dieses Jahr weltweit auf den Markt kommen. Die zweite Linie heißt Haean (SM-O500) und ist technisch anspruchsvoller: Sie verfügt über integrierte Displays, die digitale Informationen direkt ins Sichtfeld des Trägers einblenden können.

Samsung verfolgt damit eine klare Strategie. Während Jinju auf hohe Stückzahlen und den Massenmarkt abzielt, richtet sich Haean an Nutzer, die echtes räumliches Computing suchen. „Unser Hauptziel ist es, immersive multimodale KI-Erlebnisse zu liefern“, erklärten Samsung-Manager Ende Januar in einer Telefonkonferenz.

Technische Daten: Leicht, leistungsstark, KI-gestützt

Die neuen Brillen unterscheiden sich grundlegend vom Galaxy XR-Headset, das im Oktober auf den Markt kam. Während das Headset auf die leistungsstarke Snapdragon XR2+ Gen 2-Plattform setzt, nutzen die Brillen voraussichtlich den Qualcomm Snapdragon AR1-Chipsatz.

Die technischen Daten der Jinju-Modelle im Überblick:

  • Gewicht: Rund 50 Gramm – konzipiert für ganztägiges Tragen
  • Kamera: 12-Megapixel-Sensor mit Autofokus
  • Akku: 155 mAh, optimiert für Wärme-Management im schlanken Gehäuse
  • KI-Integration: Tiefe Verzahnung mit Google Gemini für kontextbezogene Sprach- und Gestensteuerung

Der AR1+ Gen 1-Chip, der 2025 auf der AWE-Konferenz vorgestellt wurde, ermöglicht die KI-Verarbeitung direkt auf dem Gerät. Funktionen wie Live-Übersetzungen oder Objekterkennung laufen ohne ständige Cloud-Anbindung oder gekoppeltes Smartphone.

Eingebunden in das Android-XR-Ökosystem

Samsungs Strategie ruht auf Android XR, der offenen Plattform für räumliches Computing, die das Unternehmen gemeinsam mit Google und Qualcomm entwickelt hat. Das System startete offiziell im Dezember 2024 und bietet eine einheitliche Betriebssystem-Basis für Headsets und leichte Brillen.

Aktuelle Software-Builds zeigen: Samsung hat die neuen Wearables bereits in die bestehende Geräteverwaltung integriert. Die Brillen tauchen in Bluetooth-Listen und im Companion Device Manager auf – zusammen mit etablierten Produkten wie den Galaxy Buds oder der Galaxy Watch. Auch die Find-App wurde aktualisiert und unterstützt nun die Ortung der neuen Brillen.

Funktionen wie PC Connect und Travel Mode, die Galaxy XR-Nutzern seit Ende 2025 zur Verfügung stehen, werden auch die Brillen unterstützen. Damit lassen sich virtuelle Computer-Desktops in die Umgebung projizieren oder virtuelle Kinoleinwände während der Reise stabilisieren.

Wettbewerb und Marktpositionierung

Mit dem Vorstoß in den Brillenmarkt fordert Samsung direkt die Ray-Ban Meta-Brillen heraus. Um sich abzuheben, hat der Konzern Partnerschaften mit Lifestyle-Marken wie Warby Parker und Gentle Monster geschlossen. Ziel: Brillen, die Stil und Komfort in den Vordergrund stellen – ein häufiger Kritikpunkt an bisheriger Technik.

Auch preislich will Samsung punkten. Das Galaxy XR-Headset startete bei rund 1.800 Euro – deutlich unter den 3.500 Euro der teuersten Konkurrenz. Beobachter erwarten einen ähnlich aggressiven Preis für die Datenbrillen, offizielle Angaben gibt es aber noch nicht.

Der Zwei-Modell-Ansatz erlaubt Samsung, gleich zwei Märkte zu bedienen: Die KI-gesteuerten Brillen konkurrieren im wachsenden Segment der „smarten Wearables“, während das Haean-Modell mit Display auf Profis und Enthusiasten für echte Augmented Reality zielt.

Ausblick: Marktstart noch 2026

Stand Ende April liegt Samsungs Entwicklungsplan im Zeitplan. Die Jinju-Varianten durchlaufen bereits regionale Zertifizierungsprozesse – ein erster Start in den USA und Südkorea ist wahrscheinlich, bevor die globale Expansion folgt.

Software-Entwickler haben seit Anfang des Jahres Zugang zum Android XR-SDK und optimieren ihre Anwendungen für die neuen Geräte. Die Infrastruktur für Gerätekopplung und KI-Integration steckt bereits in den aktuellen One UI 9-Testversionen. Branchenkenner rechnen damit, dass der Übergang vom reinen Headset-Zeitalter zu einem Multi-Geräte-XR-Ökosystem in der zweiten Jahreshälfte deutlich an Fahrt gewinnen wird.