Samsung hebt KI-Verbot auf: 800% Wachstum bei Codex in Korea

ClickUp Brain2 und Prosus ToqanClaw starten. Samsung hebt KI-Verbot auf. Experten warnen vor digitaler Kluft und fordern Governance.

Gleich mehrere Tech-Konzerne haben am Dienstag neue KI-Plattformen vorgestellt, die die Arbeitswelt grundlegend verändern könnten. ClickUp und Prosus präsentierten Systeme, die weit über einfache Chatbots hinausgehen – hin zu autonomen Assistenten, die eigenständig komplexe Aufgaben bewältigen.

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ClickUp Brain2: Die KI mit Firmengedächtnis

ClickUp brachte am 23. Juni Brain2 an den Start – eine KI-Plattform, die das gesamte Unternehmenswissen nutzt. Das System arbeitet mit modernsten Sprachmodellen und ermöglicht Multiplayer-Funktionen für Teams. In Blindtests bevorzugten Nutzer Brain2 gegenüber allgemeinen Modellen wie ChatGPT oder Claude.

Für Unternehmen entscheidend: Brain2 erfüllt die strengen Sicherheitsstandards SOC 2, ISO 42001, HIPAA und GDPR. Die Plattform steht ab sofort allen Kunden zur Verfügung und versteht spezifische Unternehmensdaten statt nur allgemeines Wissen.

ToqanClaw: Geschäftstools per Sprachbefehl

Ebenfalls am Dienstag launchte Prosus mit ToqanClaw eine Schnittstelle, die es über fünf Millionen Partnern ermöglicht, Geschäftsanwendungen per einfacher Unterhaltung zu erstellen. Die Technologie basiert auf der Toqan-KI-Plattform.

Die ersten Ergebnisse sind beeindruckend: Die Restaurantkette Lebkov & Sons verkürzte ihre Finanzberichterstattung von mehreren Wochen auf 30 Minuten. Burger & Frites steigerte die Lieferungen um 25 Prozent und reduzierte Überstunden um 60 Prozent. Bei Poke Perfect sanken die Mitarbeiteranfragen um 70 Prozent. Parallel dazu brachte Prosus mit Zapia einen KI-Assistenten für Endverbraucher auf den Markt.

Sicherheit zuerst: Der neue Trend bei KI-Assistenten

Die Branche bewegt sich hin zur sogenannten „Entscheidungsintelligenz“. KI-Agenten werden von einfachen Helfern zu eingebetteten Systemen, die komplexe Arbeitsabläufe vorschlagen und koordinieren.

i10X startete am 22. Juni Superagent – einen Assistenten für über 150.000 Nutzer. Das Besondere: eine Genehmigung-zuerst-Architektur. Das System prüft jede Aktion auf ihre Umkehrbarkeit. Bei irreversiblen Schritten muss der Nutzer explizit zustimmen. „Das ist kein Hindernis, sondern eine Kernfunktion“, erklärt Patrick Linden, CEO von i10X. Der Preis liegt rund 75 Prozent unter dem herkömmlicher Modelle.

Im Bereich autonomer Agenten veröffentlichte Nous Research am 2. Juni eine öffentliche Vorschau von Hermes Desktop. Die grafische Benutzeroberfläche bietet dauerhaften Speicher und ein selbstverbesserndes Fähigkeitssystem für macOS, Windows und Linux.

OpenAI erweiterte am 17. Juni seine Codex-Funktionen mit „Record and Replay“. macOS-Nutzer können einen Arbeitsablauf einmal vorführen, die KI erfasst Klicks und Eingaben und erstellt eine wiederverwendbare Skill-Datei. Diese Funktion ist in der EU nicht verfügbar.

Samsung macht Kehrtwende bei KI-Nutzung

In einer der größten Unternehmens-KI-Einführungen überhaupt begann Samsung Electronics am 21. Juni mit der Auslieferung von ChatGPT Enterprise und Codex an alle Mitarbeiter in Korea und der globalen Device-eXperience-Division.

Damit hebt der Konzern ein Verbot aus dem Jahr 2023 auf, das nach einem Datenleck verhängt worden war. Der Rollout umfasst Softwareentwicklung, Marketing, Fertigung und allgemeine Unternehmensfunktionen. Interne Daten zeigen, dass Codex bereits über fünf Millionen wöchentliche Nutzer erreicht hat – mit einem Wachstum von 800 Prozent in Korea seit Februar.

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Nischen-Tools und Speziallösungen

Auch in Nischensegmenten gab es Updates:

  • Kalender-Management: Flexibits aktualisierte am 22. Juni die App Fantastical mit „Calendar Mirroring“ – einer regelbasierten Synchronisation, die Doppelbuchungen verhindert. Neu ist auch das Gruppentool „Meet With“.
  • E-Commerce-Automation: Dolney Publishing launchte am 23. Juni SourceToShop AI. Das Tool erstellt Shopify-Produktentwürfe, SEO-Inhalte und Marketingmaterialien direkt aus Dateiimporten oder URLs.
  • Lokale Verarbeitung: Die Open-Source-Software Praxia Desktop erschien für Windows und ermöglicht lokale Batch-Verarbeitung sowie die Erstellung bearbeitbarer Präsentationsdateien.

Die digitale Kluft bleibt bestehen

Trotz des Booms warnen Experten vor einer wachsenden digitalen Spaltung. Eine Studie der University of Southern California mit 200.000 Haushalten zeigt: KI-Nutzer erledigen Haushaltsaufgaben bis zu 176 Prozent effizienter – doch die Adoption bleibt bei älteren und einkommensschwächeren Gruppen gering.

Zudem warnt die Unternehmensberatung Gartner, dass KI-Agenten-Projekte ohne geeignete Governance-Rahmenbedingungen scheitern könnten. Der Hype allein reicht nicht – Unternehmen brauchen klare Regeln für den Einsatz der neuen Technologien.