Mit der Benutzeroberfläche One UI 9 auf Basis von Android 17 führt Samsung eine neue Sicherheitsfunktion namens AI Network Guard ein. Das System ermöglicht es, einzelnen Anwendungen den Zugriff auf das Internet sowohl über WLAN als auch über mobile Datenverbindungen gezielt zu entziehen, ohne dass die betroffenen Apps vom Gerät deinstalliert werden müssen.
Hintergrund dieser Neuerung ist die Architektur von Android: Das Betriebssystem vergibt die Berechtigung für den Internetzugriff standardmäßig bereits bei der Installation, ohne dass Nutzer dies im laufenden Betrieb über eine Abfrage verweigern können. Mit AI Network Guard stellt Samsung erstmals eine native Lösung bereit, um den Datenverkehr pro App ohne zwischengeschaltete VPN-Verbindungen zu blockieren.
Aktivierung über die versteckten Verbindungseinstellungen
Die neue Funktion ist ab Werk nicht direkt im Hauptmenü sichtbar, sondern verbirgt sich in den sogenannten Connectivity Labs. Um die Einstellungen freizuschalten, navigieren Nutzer über die Verbindungseinstellungen des Smartphones in das WLAN-Menü und öffnen dort über das Drei-Punkte-Menü den Bereich für intelligentes WLAN. Durch ein etwa siebenmaliges Antippen der Kopfzeile wird der Zugriff auf das Untermenü aktiviert.
Wie Tests auf einem Samsung Galaxy S26 Ultra mit One UI 9.0 zeigen, zählt AI Network Guard zu mehreren versteckten Neuerungen des Systems. Da es sich derzeit um eine experimentelle Funktion handelt, kann sich der Funktionsumfang künftig noch ändern oder wieder entfallen.
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Schutz per PIN und feste Zeitfenster
Für die Absicherung der Einstellungen verlangt das System einen sechsstelligen Guardian PIN. Sollte dieser PIN zurückgesetzt werden, hebt das System sämtliche zuvor eingerichteten Sperren automatisch auf.
Innerhalb der Funktionsverwaltung stehen verschiedene Optionen zur Verfügung, darunter die Verwaltung von Restriktionen und das direkte Sperren einzelner Apps. Neben einzelnen Programmen lassen sich auch vordefinierte Kategorien für Browser sowie Spiele festlegen, die dann automatisch auch für künftig neu installierte Apps gelten.
Über die erweiterten Einstellungen lässt sich zudem ein Zeitplan für Ruhezeiten einrichten, beispielsweise ab 20:00 Uhr. Das System erlaubt dabei derzeit die Konfiguration von genau einem Zeitplan. Versucht eine gesperrte Anwendung eine Verbindung aufzubauen, erscheint auf dem Bildschirm der Hinweis, dass der Zugriff blockiert ist. Einen Schnellschalter zur Deaktivierung gibt es nicht.
Auswirkungen auf Werbeeinblendungen im Praxistest
Da viele Werbeanzeigen eine aktive Netzwerkverbindung voraussetzen, unterbindet AI Network Guard bei gesperrten Anwendungen auch die Ausspielung von In-App-Werbung. Bereits im Zwischenspeicher abgelegte Anzeigen bleiben davon allerdings unberührt und weiterhin sichtbar.
In Praxistests mit Anwendungen wie Sudoku von Easybrain oder einem QR- und Barcode-Scanner von Gamma Play funktionierten die Programme ohne Netzzugriff und ohne Werbeeinblendungen weiter.
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Bei Apps, die zwingend auf Online-Daten angewiesen sind, wie etwa AccuWeather, kam es hingegen zu Fehlermeldungen. Der normale Webaufruf über Browser bleibt unbeeinflusst, solange die entsprechende Browser-App nicht separat gesperrt wurde.
Das System versteht sich jedoch nicht als vollwertiger Werbeblocker und enthält keinen Filter für Internet-Domains. Für solche Zwecke wird weiterhin auf spezialisierte Werkzeuge wie NetGuard oder private DNS-Dienste verwiesen. Ein Vergleich mit AdGuard Private DNS zeigte, dass die DNS-Filterung im Test lediglich Bannerwerbung, nicht jedoch ganzflächige Vollbildanzeigen zuverlässig verhinderte.
Zudem unterscheidet sich AI Network Guard grundlegend von Jugendschutzlösungen wie Google Family Link. Während Googles Dienst auch Standortverfolgungen und Bildschirmzeit-Berichte über ein verknüpftes Konto ermöglicht, blockiert das Samsung-Werkzeug ausschließlich den lokalen Datenverkehr und wird direkt auf dem jeweiligen Gerät eingerichtet.

