Samsung treibt die Verschmelzung von künstlicher Intelligenz und Wearables voran – und stellt damit Apple und Oura ein Bein. Der Start der Blutdruckmessung in den USA markiert nur den Anfang einer umfassenden Strategie, die bis Jahresende 800 Millionen Nutzer erreichen soll.
Barcelona & Seoul – Die Smartwatch wird zum persönlichen Gesundheitscoach: Samsung hat Ende März mit dem Rollout einer klinisch validierten Blutdruckmessung für seine Galaxy Watches in den USA begonnen. Diese Entwicklung ist Teil einer fundamentalen Neuausrichtung, bei der künstliche Intelligenz (KI) Wearables von reaktiven Geräten in proaktive Gesundheitsbegleiter verwandeln soll.
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Vom Messgerät zum KI-Gesundheitsassistenten
Die am 31. März gestartete Blutdrucküberwachung ist ein regulatorischer Coup für Samsung. Verfügbar für Modelle ab der Galaxy Watch 4, nutzt die Funktion den BioActive Sensor zur Analyse von Pulswellen. Zur Kalibrierung ist allerdings alle 28 Tage eine herkömmliche Oberarmmanschette nötig.
Die eigentliche Innovation liegt in der Vernetzung der Daten. Kombiniert mit dem KI-generierten „Energy Score“ und der seit 2025 FDA-zertifizierten Schlafapnoe-Erkennung entsteht im Samsung-Health-Ökosystem ein umfassendes Bild der kardiovaskulären Gesundheit. Die KI soll auffällige Muster erkennen und zu ärztlicher Abklärung raten – auch wenn Samsung betont, dass es sich um reines Wellness-Tracking handelt, nicht um eine Diagnose.
Aktuelle Modelle wie die Galaxy Watch 8 gehen noch weiter: Ein integrierter „Running Coach“ analysiert Herzfrequenz und VO2max in Echtzeit, errechnet eine „Marathon-Readiness“-Punktzahl und passt Trainingsempfehlungen dynamisch an. Die Uhr wird so zum persönlichen digitalen Trainer.
Hardware-Revolution: Qualcomms Chip für mehr KI-Power
Auf dem Mobile World Congress (MWC) im März 2026 verkündete Samsung eine strategische Kehrtwende: Künftige Wearables werden nicht mehr mit hauseigenen Exynos-Chips, sondern mit Qualcomms Snapdragon Wear Elite laufen. Der Grund ist simpel: mehr Rechenkraft für KI direkt auf dem Gerät.
Der neue Chip besitzt eine dedizierte Neural Processing Unit (NPU). Sie ermöglicht komplexe KI-Aufgaben wie intelligente Antwortvorschläge oder Echtzeit-Übersetzungen – ganz ohne Cloud. Qualcomm verspricht zudem eine bis zu 30 Prozent bessere Batterielaufzeit, ein entscheidender Faktor für 24/7-Gesundheitstracking.
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Diese Hardware-Allianz mit Qualcomm und Google zielt auf eine neue Ära des „spatial computing“ ab. Die Vision: Die Uhr wird zum „KI-Agenten“, der Smart-Home-Geräte steuert oder Gesundheitsreports direkt auf dem Display zusammenfasst.
Neue Formfaktoren: Leichte KI-Brille für unterwegs
Samsungs Ökosystem wächst über das Handgelenk hinaus. Noch in diesem Jahr will der Konzern eine KI-gesteuerte Augmented-Reality-Brille auf den Markt bringen. Sie läuft auf „Android XR“, einer mit Google entwickelten Plattform.
Laut ersten Berichten soll die Brille nur etwa 50 Gramm wiegen und so für den Ganztagseinsatz taugen. Eine 12-Megapixel-Kamera und multimodale KI sollen Interaktionen per Sprache, Gesten und Bilderkennung ermöglichen. Im Gegensatz zum hochpreisigen Galaxy-XR-Headset (ab etwa 1.800 Euro) positioniert Samsung die Brille als erschwingliches „KI-First“-Accessoire für mobile Produktivität.
Das Flaggschiff Galaxy XR Headset expandiert derweil global und ist ab sofort auch in Deutschland, Frankreich und Großbritannien erhältlich.
Wettbewerbsvorteil: Das geschlossene Ökosystem
Samsung geht in einer hart umkämpften Arena in die Offensive. Während Apple das Premium-Segment dominiert und Oura mit patentrechtlichen Klagen die Entwicklung des „Galaxy Ring 2“ verzögert, setzt der Koreaner auf seinen größten Trumpf: die Vernetzung.
Durch die Kombination von Daten aus Uhr, Ring, Smartphone und später Brille gewinnt Samsung ein deutlich umfassenderes Nutzerprofil als Wettbewerber mit Einzelprodukten. Zudem bleiben viele KI-Gesundheitsfunktionen im Gegensatz zu Abo-Modellen bei Konkurrenten kostenfrei – ein starker Anreiz für Kundenbindung.
Das Ziel der „Agentic AI“ ist Autonomie: Das Wearable soll nicht nur schlechten Schlaf erkennen, sondern automatisch die Heizung via SmartThings drosseln und einen entspannteren Tagesplan vorschlagen – ohne jeden manuellen Befehl.
Ausblick: Die Jagd nach 800 Millionen Nutzern
Für die verbleibenden Monate 2026 hat sich Samsung ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: 800 Millionen KI-fähige Geräte. Der Schlüssel liegt darin, die Features auch auf Mittelklassemodelle zu bringen. Die anstehende Galaxy Watch 9 und die AR-Brille sollen das Wachstum vorantreiben.
Ein möglicher Game-Changer kündigt sich am Technologie-Horizont an: Festkörperbatterien. Sollte Samsung sie noch 2026 in Wearables integrieren, wären Akkulaufzeiten von mehreren Wochen selbst für KI-intensive Geräte möglich. Das würde einen neuen Industriestandard setzen.
Mit der Blutdruckmessung hat Samsung einen wichtigen ersten Pflock eingeschlagen. Die nächsten sechs Monate werden zeigen, ob die Vision eines allgegenwärtigen, vernetzten KI-Begleiters die breite Masse überzeugen kann. Der Wettlauf um die Vorherrschaft am Handgelenk – und vor den Augen – ist in eine neue, intelligente Phase getreten.





