SAP-KI-Agenten: Mehr als 50 Joule Assistants sollen bis Jahresende starten

Christian Klein sieht KI als zentrale Wachstumschance; SAP plant den Ausbau autonomer Unternehmensprozesse und spezialisierter Agenten.

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Der Softwarekonzern SAP steht nach Einschätzung seines Vorstandsvorsitzenden Christian Klein vor einer Phase signifikanten Wachstums, die durch den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) getrieben wird.

Klein sieht in den hauseigenen KI-Lösungen die derzeit größte Chance für das Unternehmen und erwartet einen historischen Schub für die Geschäftsentwicklung. Auch aufseiten der Investoren wird mit einer Beschleunigung des Umsatzwachstums gerechnet. Laut Klein befinde sich die KI in der Unternehmenswelt unmittelbar vor dem breiten Durchbruch.

Strategischer Wandel hin zur autonomen Unternehmenssteuerung

Im Zentrum der Strategie steht das Konzept des autonomen Unternehmens, das SAP bereits im Mai auf einer Kundenkonferenz in den USA vorgestellt hat. Dieses basiert auf einer einheitlichen KI-Plattform und der Integration von KI-Agenten in bestehende Geschäftsprozesse, Datenstrukturen und die Unternehmenssteuerung.

Klein betonte in diesem Zusammenhang, dass KI-Agenten in kritischen Geschäftsbereichen derzeit noch nicht vollständig autonom agieren würden. Dennoch strebe das Unternehmen eine tiefgreifende Veränderung der Arbeitsweise an.

Innerhalb der nächsten zwei bis drei Jahre werde die Dateneingabe per Tastatur bei SAP voraussichtlich enden. Ersetzt werden soll diese durch Sprachsteuerung, die sowohl für Analysefragen als auch für komplexe Workflows und Systemeinträge genutzt wird.

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Der Vorstandsvorsitzende forderte zudem, dass KI horizontal im gesamten Unternehmen zum Einsatz kommen müsse, anstatt lediglich isolierte Lösungen in einzelnen Abteilungen zu schaffen. Erste messbare Erfolge zeigten sich bereits bei einem großen Konsumgüterkunden, bei dem eine KI-basierte End-to-End-Planung den Lagerbestand um 20 % optimiert habe.

Rollout von KI-Agenten und Kooperationen in der Industrie

Die technologische Umsetzung schreitet kurzfristig voran. In einem Zeitraum von sechs bis neun Wochen sollen die ersten produktiv nutzbaren KI-Agenten zur Verfügung stehen. Bis zum Jahresende plant SAP die Bereitstellung von mehr als 50 spezialisierten „Joule Assistants“. Das langfristige Ziel ist der Aufbau eines Netzwerks von über 200 spezialisierten KI-Agenten.

Um diese Technologie direkt in die Anwendung zu bringen, entsendet SAP sogenannte „Forward Deployed Engineers“ in die IT-Abteilungen namhafter Kunden wie Bayer, H&M, Toyota und Bosch. Diese Teams, bestehend aus drei bis zehn Entwicklern sowie externen Beratern, sind über mehrere Monate vor Ort im Einsatz.

Bei Bayer automatisiert ein vierköpfiges Team beispielsweise den Forderungseinzug für Landwirte in Lateinamerika, während bei H&M Systeme zur Bearbeitung von Retouren entstehen. Die Rechte an den dabei entwickelten Lösungen liegen bei SAP, sodass erfolgreiche Entwicklungen direkt in die Standardprodukte des Softwarehauses einfließen können.

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Technologische Erweiterungen und geopolitische Positionierung

Ergänzend zu den personellen Ressourcen weitete SAP seine Software-Fähigkeiten aus. Auf dem Transformation Excellence Summit in Atlanta wurden am 22. September 2026 neue Funktionen für SAP Signavio, LeanIX, WalkMe und Cloud ALM angekündigt, um KI-Agenten enger mit Geschäftsprozessen zu verknüpfen.

Zudem präsentierte das Unternehmen das „SAP Company Memory“ als kontrollierte Quelle für Organisationsregeln sowie den „SAP AI Agent Hub“. Ein neuer „AI Governance Assistant“ soll zudem die Einhaltung regulatorischer Vorgaben wie des EU AI Acts sicherstellen.

Auf geopolitischer Ebene verfolgt Klein eine differenzierte Infrastruktur-Strategie. Bei der Standortwahl für Cloud-Dienste setze SAP auf US-Hyperscaler, in China auf lokale Infrastrukturen und in Deutschland sowie Frankreich auf regionale Anbieter.

Eine Portierung der Plattformen im Falle von Sanktionen oder Exportkontrollen sei innerhalb weniger Tage oder Wochen realisierbar. Mit Blick auf Europa konstatierte Klein, dass der Kontinent zwar eine Supermacht in der Regulierung sei, es jedoch an Einheit mangelt, da eine Digital-, Banken- oder Handelsunion fehle.

Finanzielle Ausgangslage

Die forcierte KI-Strategie fußt auf einem soliden Geschäftsjahr 2025. SAP meldete für diesen Zeitraum einen Erlösanstieg von 8 % auf 36,8 Mrd. Euro, was maßgeblich auf das Wachstum im Bereich der Cloudsoftware zurückzuführen war. Der Nettogewinn belief sich auf 7,5 Mrd. Euro.