Der Walldorfer Softwarekonzern leitet eine drastische Sparkur ein, um Milliarden in künstliche Intelligenz zu investieren.
SAP fährt die Kosten scharf zurück. Seit Anfang Juli gelten strenge Auflagen: Neueinstellungen sind nur noch für KI-Positionen erlaubt, interne Reisen werden weitgehend gestoppt. Das bestätigen interne Mitteilungen des Konzerns. Ziel ist es, Kapital für die milliardenschwere KI-Offensive freizumachen – und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Aktienkurs massiv unter Druck steht.
Strengere Kontrollen und ein neuer Sparkurs
Der Konzern hat einen Spend Council wiederbelebt, der sämtliche Ausgaben für Einkauf und externe Dienstleister überwacht. Reisen sind nur noch dann erlaubt, wenn sie direkt Kunden betreffen oder zu KI-Projekten gehören. Finanzvorstand Dominik Asam begründet den Schritt mit den explodierenden Kosten für KI-Infrastruktur – insbesondere die hohen Ausgaben für sogenannte Token-Verbräuche in Sprachmodellen treiben die Budgets nach oben.
„Wir müssen unsere Kostenbasis im Griff haben, um die erheblichen Investitionen in KI-Produkte und strategische Übernahmen zu stemmen“, so Asam. Bereits zu Jahresbeginn hatte SAP einen 100-Millionen-Euro-Fonds für Partner aufgelegt, der speziell die Einführung von KI-Lösungen fördern soll.
Chef Klein übernimmt persönlich die KI-Steuerung
CEO Christian Klein hat die direkte Kontrolle über die KI-Entwicklung übernommen. Im Zuge einer umfassenden Neuorganisation der Produktführung rückt die Plattform SAP Business AI ins Zentrum der Strategie. Im Mai 2026 präsentierte SAP das Konzept der „Autonomen Unternehmung“ – gemeinsam mit Joule Studio 2.0, das ein sogenanntes Agent2Agent-Protokoll für die Koordination von KI-Agenten enthält.
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Doch nicht alle Kunden sind bereits überzeugt. Analystenberichte vom Juli zeigen, dass die ersten Rückmeldungen zu Joule, dem KI-Assistenten von SAP, in einigen Branchen verhalten ausfallen. Viele Unternehmen fordern einen klareren Nutzen der KI-Investitionen.
Aktie unter Druck – und eine verpasste Übernahme
Die Neuausrichtung kommt zu einem schwierigen Zeitpunkt. SAP-Aktien sind seit Jahresbeginn um rund 32 Prozent gefallen. Zudem scheiterte der Konzern kürzlich mit einer Übernahmeofferte für den norwegischen Industriedaten-Spezialisten Cognite – das 2,9 Milliarden Euro schwere Angebot unterlag dem Mitbewerber Schneider Electric.
Auch die Cloud-Transformation läuft schleppender als geplant. Im Geschäftsjahr 2025 erzielte SAP mit klassischen Vor-Ort-Lizenzen Einnahmen von 10,5 Milliarden Euro – deutlich mehr als die intern anvisierten 8,5 Milliarden. Das zeigt: Viele Kunden zögern den Umstieg in die Cloud noch hinaus.
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Personalabbau geht weiter – aber langsamer
Bereits 2025 hatte SAP eine große Restrukturierung abgeschlossen, die rund drei Milliarden Euro kostete und etwa 10.000 Stellen wegfallen ließ. Künftig plant der Konzern mit einem jährlichen Stellenabbau von ein bis zwei Prozent – vergleichsweise moderat.
Um die Belegschaft auf die KI-Ära vorzubereiten, setzt SAP auf Umschulung und Weiterbildung. Mitarbeiter sollen sich neue, KI-gestützte Rollen „erfinden“. CEO Klein rechnet mit einem tiefgreifenden Wandel: Traditionelle Programmier-Jobs könnten langfristig durch automatisierte Systeme ersetzt werden.

