SAP, UiPath und ABBYY kämpfen um KI-Vorherrschaft

Führende Softwareanbieter SAP, UiPath und ABBYY treiben die Automatisierung von Dokumentenworkflows mit KI voran. Der Fokus liegt auf autonomen Prozessen, globaler Skalierbarkeit und regulatorischer Compliance.

Der Markt für KI-gesteuerte Dokumentenautomatisierung hat sich zu Beginn des Jahres 2026 dramatisch verändert. Statt einfacher Datenextraktion stehen nun vollständig autonome Workflows im Fokus. SAP, UiPath und ABBYY positionieren sich mit neuen Strategien.

SAP setzt auf globale Sprache und Integration

In einer bedeutenden Ankündigung vom 17. Februar offenbarte SAP, dass seine Document AI-Lösung nun über 110 Sprachen unterstützt. Dies ist ein entscheidender Schritt für globale Konzerne, die Rechnungen und Verträge weltweit verarbeiten. Die Nutzung der Plattform für individuelle Automatisierung sei seit 2020 um das 285-fache gestiegen.

Der Walldorfer Software-Riese integriert seine KI-Modelle direkt in 32 Geschäftsprozesse, darunter S/4HANA und SAP Concur. Der Fokus liegt auf „schema-basierter Null-Durchgang-Verarbeitung“. Das System versteht komplexe Dokumente, ohne für jede Aufgabe neu trainiert werden zu müssen. Für die Zukunft kündigte SAP wiederverwendbare Tools an, mit denen KI-Agenten ganze Workflows eigenständig steuern sollen.

UiPath erobert mit Übernahme den Finanzsektor

Während SAP auf Breite setzt, geht der Automatisierungsspezialist UiPath in die Tiefe. Anfang Februar vollzog das Unternehmen die Übernahme von WorkFusion, einem Anbieter für KI-Agenten in der Finanzbranche. Ziel ist es, die Compliance-Prozesse von Banken und Versicherungen zu revolutionieren.

Die integrierten Agenten sind spezialisiert auf die Bekämpfung von Geldwäsche (AML) und die Überprüfung von Kundenidentitäten (KYC). Sie sollen nicht nur Daten extrahieren, sondern eigenständige Entscheidungen in kompletten Arbeitsabläufen treffen. Diese „agentische Automatisierung“ könnte den manuellen Aufwand in Compliance-Abteilungen drastisch reduzieren.

ABBYY kombiniert Präzision mit KI-Kreativität

Einen hybriden Weg beschreitet ABBYY mit der Plattform Vantage 3.0, die Ende Januar vorgestellt wurde. Sie verbindet die kreativen Fähigkeiten großer Sprachmodelle (LLMs) mit der bewährten Präzision klassischer Texterkennung (OCR).

Nutzer können steuern, ob Rohdokumente oder bereits strukturierte Texte an die KI gesendet werden. Dies soll „Halluzinationen“ – also fehlerhafte KI-Ausgaben – verhindern und die Nachvollziehbarkeit für Audits gewährleisten. Neue Analysetools und Schwärzungsfunktionen richten sich gezielt an datenschutzsensible Branchen wie das Gesundheitswesen.

Rechtsbranche als Vorreiter der Anwendung

Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind bereits spürbar. Ein Bericht der Law Society vom 17. Februar zeigt, wie Anwaltskanzleien KI-first-Strategien umsetzen. Die erst ein Jahr alte Kanzlei Fenecas Law nutzt solche Tools, um sich gegen größere Wettbewerber zu behaupten.

Dokumentenzusammenfassungen, Chronologien und Querverweise werden automatisiert erstellt. Prozesse, für die früher Heerscharen von Berufsanfängern nötig waren, laufen nun softwaregestützt. Diese Demokratisierung der Technologie ermöglicht es kleineren Kanzleien, komplexe Streitfälle zu übernehmen.

Der Wettlauf um die Zuverlässigkeit beginnt

Das erste Quartal 2026 markiert einen Wendepunkt: Die Phase der Ankündigungen geht in die Phase der Umsetzung über. Die Branche erwartet nun erste Fallstudien zur „autonomen Enterprise“.

Die Integration generativer KI in Dokumenten-Workflows ist kein Experiment mehr. Maßgeblich für den Erfolg in diesem Jahr werden Zuverlässigkeit, Governance und Compliance der KI-Agenten sein. Unternehmen setzen zunehmend auf Plattformen, die nicht nur automatisieren, sondern auch jede Entscheidung nachvollziehbar und regelkonform dokumentieren.

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