SAP, Workday und Oracle starten Offensive für aktive KI-ERP-Systeme

Führende ERP-Anbieter stellen autonome KI-Agenten vor und setzen auf lokale Cloud-Strategien, um Systeme von passiven Archiven zu aktiven Entscheidungsträgern zu wandeln.

Die großen ERP-Anbieter setzen 2026 voll auf KI-Agenten und lokale Cloud-Strategien. SAP, Workday und Oracle haben innerhalb von 72 Stunden milliardenschwere Investitionen und wegweisende Produkte angekündigt. Damit wandeln sich die Systeme von passiven Datenbanken zu aktiven Entscheidungshelfern.

Kyndryl und SAP beschleunigen KI-gestützte Migration

Ein zentrales Problem bei ERP-Modernisierungen ist der hohe manuelle Aufwand für alte Programm-Codes. Hier setzt die am 21. Januar vorgestellte Partnerschaft zwischen Kyndryl und SAP an. Ihr neuer „Clean Field“-Ansatz nutzt agentische KI, um automatisiert tausende Zeilen individuellen Codes zu analysieren und zu bereinigen.

Das Ziel ist ein „sauberer Kern“ für SAP S/4HANA. Unternehmen erhalten so eine moderne, modulare Architektur, die besser mit künftigen KI-Innovationen kompatibel ist. Der Zeitdruck ist groß: Bis 2027 läuft der Support für alte SAP-ECC-Systeme aus. Viele deutsche DAX-Konzerne stehen vor dieser Mammut-Migration.

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Viele Unternehmen unterschätzen, welche rechtlichen Pflichten mit dem Einsatz autonomer KI‑Agenten einhergehen. Wer jetzt Kernsysteme modernisiert, muss gleichzeitig Anforderungen der EU‑KI-Regulierung, Kennzeichnungs- und Dokumentationspflichten beachten – sonst drohen Bußgelder und Rückrufpflichten. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden fasst die wichtigsten Pflichten, Risikoklassen und Übergangsfristen kompakt zusammen und zeigt, wie Sie Ihre ERP‑Projekte rechtssicher aufsetzen. Jetzt kostenlosen KI‑Verordnung‑Leitfaden herunterladen

SAP bringt KI-Agenten in den Handel

Auf der Einzelhandelsmesse NRF 2026 positionierte sich SAP als „Closed-Loop-Retail-Betriebssystem“. Herzstück ist die Lösung Retail Intelligence, die im ersten Halbjahr 2026 verfügbar sein soll. Sie vereint Echtzeitdaten aus Verkauf, Lager und Lieferkette für präzise Bedarfsprognosen.

Die eigentliche Neuheit ist jedoch der für das zweite Quartal 2026 angekündigte Order Reliability Agent. Dieser autonome KI-Agent soll eigenständig Lieferrisiken erkennen – etwa Engpässe oder Versandverzögerungen – und Gegenmaßnahmen einleiten, bevor der Kunde etwas merkt. Analysten sehen darin den Übergang von generativer zu agentischer KI: Statt nur Daten zu beschreiben, ergreifen die Systeme jetzt aktiv Maßnahmen.

Workday investiert eine Milliarde Euro in Kanada

Im globalen Wettlauf um KI-Talente setzt Workday auf regionale Schwerpunkte. Das Unternehmen kündigte am 20. Januar eine Investition von umgerechnet rund 700 Millionen Euro über fünf Jahre in Kanada an. Schwerpunkte sind die Tech-Standorte Vancouver, Toronto und Montreal, wo Ingenieure und Produktentwickler für KI und maschinelles Lernen gesucht werden.

Hinter der Strategie steht das Konzept des „souveränen KI“-Aufbaus. Tech-Konzerne investieren verstärkt in lokale Ökosysteme, um regionalen Datenschutzvorgaben zu entsprechen und Zugang zu spezialisierten Talentpools zu erhalten. Workday passt damit seine globale Expansion den geopolitischen Realitäten an.

Oracle setzt auf sichere KI für Militär und Behörden

Während Workday in Talente investiert, demonstriert Oracle die Einsatzfähigkeit seiner KI in hochsensiblen Bereichen. Die britische Royal Navy wird die Oracle Cloud Infrastructure auf dem Flugzeugträger HMS Prince of Wales einsetzen, um sensible Missionsdaten direkt vor Ort – am „taktischen Rand“ – zu verarbeiten. Eine durchgehende Verbindung zur Zentrale ist nicht nötig.

Parallel veröffentlichte Oracle sein kritisches Patch-Update für Januar 2026, das 158 Sicherheitslücken schließt. Die Sicherheit wird immer entscheidender, je komplexere KI-Agenten in die Systeme integriert werden. Ein weiteres Beispiel für die Sovereign-Cloud-Strategie ist die Partnerschaft mit dem Telekommunikationskonzern e& in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo Daten strikt vor Ort gehalten werden müssen.

Analyse: Vom passiven Archiv zum aktiven Mitarbeiter

Die jüngsten Ankündigungen markieren einen fundamentalen Wandel. ERP-Systeme entwickeln sich von Systemen der Aufzeichnung zu Systemen der Handlungsfähigkeit. Sie beobachten, analysieren und handeln zunehmend autonom.

Die Ära stark individualisierter ERP-Lösungen mit undurchsichtigem Code geht zu Ende. KI-Agenten benötigen standardisierte Datenstrukturen, um effektiv zu arbeiten. Unternehmen, die ihre Kernsysteme nicht modernisieren und vereinfachen, riskieren den Anschluss an diese Revolution zu verlieren.

Für IT-Verantwortliche stellt sich die Frage nicht mehr: „Was kann die KI mir sagen?“, sondern: „Was kann die KI für mich tun?“ Die ersten konkreten Antworten darauf liefern SAP, Oracle und Workday bereits in diesem Frühjahr.

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